Spatenstich fürs erste Minarett

Spatenstich fürs erste Minarett

Muslime laden Vertreter anderer Religionen ein.

Krefeld. „Wir haben ganz bewusst den Tag der deutschen Einheit für den ersten Spatenstich für unser Minarett gewählt“, sagt Mehmet Demir, Sprecher der Junus-Emre-Gemeinde in Stahldorf. An der muslimischen Moschee am Saxhof in Stahldorf entsteht das erste Minarett in Krefeld. Mit dem Spatenstich am 3. Oktober will die Gemeinde ihre Verbundenheit mit Stahldorf, mit Stadt und Land demonstrieren.

Die muslimische Gemeinde gibt es seit 1984. Ursprünglich hatte sie am Wehrhahnweg 90 ihren Sitz und war Heim- und Gebetsstätte für die aus der Türkei zugewanderten Gastarbeiter im Stahlwerk. Davor hatten die in Wohnheimen untergebrachten Stahlwerker einen improvisierten Raum in Tackheide als Gebetsraum genutzt. Als 1996 der Platz am Wehrhahnweg zu eng wurde, zog die Moschee zur Obergath 166/Ecke Saxhof.

Das frühere Lager wurde Schritt für Schritt um- und ausgebaut. Die Gemeinde verfügt heute über drei neu gebaute Nachhilferäume. Die Wände des Gebetssaales wurden mit besonderen Keramikkacheln ausgestattet.

Die Geschichte der Junus-Emre-Moschee ist ein Spiegel der Geschichte der Gastarbeiter, die in den 60er Jahren nach Krefeld kamen. Irgendwann stellten sie fest, dass sie Bürger dieser Stadt geworden waren und ein neues Zuhause gefunden hatten.

Das Minarett wird ein „stiller Gebetsturm“, kein Muezzin wird dort Gebete sprechen. Übersetzt heißt Minarett „Ort des Lichtes“. In diesem Fall trifft das genau zu. Die LED-Beleuchtung kann je nach religiösen Feiertagen wechseln. Das Ensemble solle „zeitlos, modern, pragmatisch“ sein, sagt Architekt Tayfun Atilir, der selbst gebürtiger Krefelder ist.

Das Minarett wird rund 25 Meter hoch sein — bewusst niedriger als etwa der Glockenturm der früheren evangelischen Kirche am Wehrhahnweg, heute genutzt von der griechisch-orthodoxen Gemeinde.

Die Kosten belaufen sich auf rund 160 000 Euro und werden von der Gemeinde aufgebracht. Zum Spatenstich am 3. Oktober um 15.30 Uhr ist neben den christlichen Kirchen auch die jüdische Gemeinde eingeladen. Pastoralreferentin Anja Künzel von St. Bonifatius freut sich: „Wir haben hier schon über Jahre eine sehr enge ökumenische Zusammenarbeit, die allen Beteiligten sehr wichtig ist.“ Integration sei auch im Bonifatius-Kindergarten mit rund 60 Prozent muslimischen Kindern tägliche Aufgabe.