Rocker in Linn: "Wir sind ein Papa-Mama-Kind-Club"

Rocker in Linn: "Wir sind ein Papa-Mama-Kind-Club"

Dem Rockerklischee wollen die Mitglieder des „Niederrhein Chapter“ trotz ihrer Liebe zu Harley Davidson nicht entsprechen.

Krefeld. Vor ihnen ist nichts als ein endloser Highway und die weite amerikanische Prärielandschaft. Peter Fonda mit Lederjacke und Dennis Hopper mit dichtem Schnäuzer loteten 1969 nicht nur die Grenzen der amerikanischen Freiheit aus. Sie verhalfen mit ihrem wilden Ritt, neben „Born to be wild“ von Steppenwolf, auch der Harley Davidson-Marke zu neuer weltweiter Präsens. Welcher kleine Junge hat sich nicht schon mal, statt auf den attel seines Fahrrads, auf den Gepäckträger gesetzt und die typische lässige Chopper-Sitzhaltung eingenommen?

Andreas Schumacher liebäugelte schon früh mit dem Traum aus glänzendem Chrom und tiefem Sitz. „Mit achtzehn wollte ich meinen Führerschein eigentlich nur machen, um später eine Harley fahren zu können“, sagt er. Heute ist er der Vorsitzende des Clubs „Niederrhein Chapter“. Der wird heute 20 Jahre alt.

2008 bestellte sich der selbstständige Kaufmann Schumacher seine eigene Harley, die „Road King“. „Das Feeling auf einer Harley ist einfach unbeschreiblich“, sagt der 53-Jährige begeistert.

Nach dem Kauf machte er sich auf die Suche nach Gleichgesinnten und fand sie in der Krefelder „Harley Davidson Owners Group“. Ein weltweiter Club der Marke, dessen örtliche Gruppen von lokalen Motorradhändlern betreut werden. Der zuständige Krefelder Harleyhändler verschwand allerdings 2004. Die Mitglieder der „Owners Group“ fackelten nicht lange und gründeten ihren eigenen Verein „Niederrhein Chapter“. Ein Glück für Andreas Schumacher, der dort seine Faszination für die Marke teilen kann. „Damals habe ich einen neuen Freundeskreis dazubekommen“, sagt er. Freunde, die mit ihren Lederwesten, Stiefeln und Sonnenbrillen nur oberflächlich das Klischee der wilden Rocker erfüllen. „Wir sind ein Papa-Mama-Kind-Club“, sagt Schumacher. Die gut 50 Mitglieder des Clubs sind Handwerker, Rechtsanwälte oder Versicherungskaufmänner. Auch einige Frauen sind im Verein.

Jeden Freitag treffen sich die Harley-Fans in ihrem Vereinsheim „Drehscheibe“ an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 044 in Linn. Eine ehemalige Gaststätte, die jahrelang leer stand bevor die Biker sie vor zwei Jahren kauften und renovierten.

Sonntags machen die Mitglieder Touren bis zu 350 Kilometer. „Dazu sind auch Fahrer anderer Motorradmarken und die Partner der Clubmitglieder eingeladen“, erklärt Tourenplaner Peter Bär.

Das Freiheitsgefühl der 60er Jahre lassen sie aufkommen, wenn sie bei längeren Touren mit ihren röhrenden Maschinen Richtung Dolomiten, Mallorca oder Schottland aufbrechen.