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Interview: Schupetta: „Es gab Höhen und Tiefen“

Interview : Schupetta: „Es gab Höhen und Tiefen“

Nach mehr als 26 Jahren geht die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

Nach mehr als 26 Jahren als Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in Krefeld geht Ingrid Schupetta (63) aus gesundheitlichen Gründen am Ende des Jahres in den wohlverdienten Ruhestand. Aus diesem Anlass führte die WZ ein Interview mit der Historikerin, die die Arbeit der NS-Dokumentationsstelle nachhaltig geprägt hat.

Sind Sie eine „eingeborene“ Krefelderin?

Ingrid Schupetta: Nein, ich komme aus dem Ruhrgebiet und wurde 1954 in Wanne-Eickel geboren.

Wie sind Sie dann nach Krefeld gekommen?

Schupetta: Nach dem Studium der Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Neuere Geschichte in Marburg und Berlin war ich Mitglied der Alternativen Liste in Berlin und mit einer halben Stelle bei einem Abgeordneten des Berliner Senats beschäftigt. 1984 habe ich dann eine Vollzeitstelle als Geschäftsführerin der Grünen in Krefeld angetreten.

Wie entstand der Kontakt mit der Villa Merländer?

Schupetta: Zunächst war ich Mitbegründerin der Geschichtswerkstatt in Krefeld. Als 1989 die Bilder von Heinrich Campendonk in der Villa Merländer entdeckt wurden, entstand die Idee für einen Gedenkort an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Opfer der NS-Diktatur. Am 24. November 1991 dann wurde die NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, damals noch NS-Dokumentations- und Begegnungszentrum, an der Friedrich-Ebert-Straße 42 eröffnet und ich zur Leiterin gewählt.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre 26-jährige Tätigkeit.

Schupetta: Es gab Höhen und Tiefen. In den Anfangsjahren wurden wir noch als „rot-grüner Fehltritt“ bezeichnet, und ich musste eine Reihe von persönlichen Anfeindungen und Diffamierungen ertragen. 1996 mussten wir die Villa Merländer wieder verlassen und zogen ins Stadtarchiv. Argumentiert wurde mit notwendigen Einsparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung. Erst 2014 konnten wir dann wieder zurückziehen.

Sie waren besonders im pädagogischen Bereich tätig und haben den Kontakt zu Schulen gesucht. Wie sah das aus?

Schupetta: Wir machen bis zu sechs Führungen in der Woche, meist mit Schulklassen aus dem 9. Jahrgang. Das ist nicht immer einfach, aber ich kann das Interesse der Jugendlichen meist mit Empathie wecken, indem ich sie z.B. mit dem persönlichen Schicksal von Merländer konfrontiere.

Was ist Ihnen aus Ihrer Tätigkeit besonders in Erinnerung?

Schupetta: Die bewegendsten Momente waren für mich die Begegnungen mit Zeitzeugen, von denen viele beeindruckende Persönlichkeiten waren.

Wie schwer fällt es Ihnen aufzuhören?

Schupetta: Ich habe es noch gar nicht so richtig realisiert, dass ich aufhöre. Als Geschäftsführerin unseres Fördervereins und als Mitglied des Arbeitskreises der Gedenkstätten in NRW bleibe ich meiner bisherigen Tätigkeit noch verbunden.

Welche persönlichen Interessen werden Sie in Ihrem (Un-)Ruhestand pflegen?

Schupetta: Ich interessiere mich für Kunst in jeder Form und zeichne gerne selber. Wenn ich Bleistift und Papier in die Hand nehme, kann ich die Welt um mich herum vergessen.