Botschaft düpiert Museum Burg Linn

Botschaft düpiert Museum Burg Linn

Eine türkische Künstlerin soll in Burg Linn ausstellen. Doch die deutsche BehördeinAnkaralässtsienichtausreisen.

Krefeld. Asli Yilmaz hatte sich schon auf Krefeld gefreut. Die junge Künstlerin aus Ankara sollte einen Monat lang in einem Atelier an der Luisenstraße arbeiten und 2010 an einer Keramik-Ausstellung im Museum Burg Linn teilnehmen. Sie bekam eine offizielle Einladung der Stadt - Kost und Logis frei. Asli Yilmaz sollte sich hier als Gast fühlen.

Stattdessen muss die junge Frau sich nun äußerst unerwünscht fühlen. Die Deutsche Botschaft in Ankara lehnte ihren Visumsantrag ab - ohne jede Begründung. Ihr Flugticket ist inzwischen verfallen, die 600 Euro, die laut Museumschef Christoph Reichmann schon in die Vorbereitung des Besuchs investiert wurden, kann die Stadt wohl abschreiben. "Es ist peinlich, dass die Botschaft sich so verhält und mit Scheinargumenten eine gute Sache torpediert", sagt Reichmann.

Noch deutlicher äußert sich der Kurator der Ausstellung, die unter dem Titel "Nur was sich wandelt, bleibt bestehen" dennoch stattfinden soll. Ingo Nitzsche, der seit 15 Jahren deutsch-türkische Ausstellungsprojekte organisiert und Künstler aus der Türkei einlädt, hat einen Fall wie diesen noch nie erlebt. "Meine Arbeit wird dadurch ad absurdum geführt", sagt er. "Die Auswahl von Künstlern zu einem wichtigen Ausstellungsprojekt kann nicht vom guten Willen der Visa-Abteilung der Deutschen Botschaft abhängig sein."

Die Erklärung des Auswärtigen Amtes in Berlin ist knapp. "Frau Yilmaz hat in Ankara ein Schengen-Visum beantragt", teilt Annelie Utz von der Pressestelle mit. "Das wurde von der Deutschen Botschaft in Ankara abgelehnt, weil Zweifel an der Rückkehrbereitschaft der Antragstellerin bestehen. Frau Yilmaz konnte nicht den Nachweis erbringen, ihren Lebensunterhalt selbstständig finanzieren zu können."

Außen vor ist in diesem Fall die Stadt Krefeld geblieben: Die Ausländerbehörde war nicht an einem internen Zustimmungsverfahren beteiligt. Offenbar ist Asli Yilmaz in Ankara auch nicht über Rechtsmittel belehrt worden - sie könnte die Ablehnung des Visums anfechten. Doch dazu benötigt sie jurististische Hilfe. Nur Anwälte bekommen in solchen Fällen Akteneinsicht.

Die Begründung der Botschaft ist für Kurator Nitzsche nicht nachvollziehbar. "Die Familie von Asli Yilmaz gehört zur unteren türkischen Mittelschicht, der Vater ist ein Beamter im Ruhestand." Die Familie sei keinesfalls schlecht situiert, sie habe schließlich auch das vierjährige Kunststudium der Tochter finanziert. Asli Yilmaz habe ihrem Antrag neben der Krefelder Einladung auch eine Bestätigung der Kostenübernahme und der Flugbuchung beigefügt - die Botschaft blieb jedoch unbeeindruckt.

Ingo Nitzsche empfindet die Ablehnung des Antrags als doppelte Beleidigung. "Offensichtlich ist Frau Yilmaz es nicht würdig, auf Zeit das hiesige Kulturleben zu bereichern. Und wir Museumsleute werden offenbar als potenzielle Fluchthelfer für Wohlstands-Flüchtlinge eingestuft."

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