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Notfallseelsorge in Düsseldorf: Sharon Majhen: Düsseldorfs jüngste Notfallseelsorgerin

Notfallseelsorge in Düsseldorf : Sharon Majhen: Düsseldorfs jüngste Notfallseelsorgerin

Die Elektronikerin erzählt von ihrer Begeisterung für das außergewöhnliche Ehrenamt.

„Meinen ersten Einsatz werde ich wahrscheinlich nie vergessen“, sagt Sharon Majhen. Die 29-jährige Elektronikerin ist Düsseldorfs jüngste Notfallseelsorgerin. Seit März 2019 ist sie fest im Team. Ihr erster Einsatz war der Suizid eines 16-jährigen Jungen. Damals war sie noch im Praktikum und hat eine Kollegin begleitet. „Sie konnte sich um die Eltern kümmern und ich um die Geschwister“, erinnert sie sich. „Wir konnten der Familie noch ermöglichen, in einem separaten Raum in der Uni-Klinik Abschied zu nehmen. Das war sehr schön. Notfallseelsorge ist mehr als nur ein Taschentuch zu reichen“, erzählt Majhen.

Mindestens einmal im Monat übernimmt sie eine 24-Stunden-Schicht. Dann steht sie auf Abruf bereit. Wenn der Pieper losgeht springt sie ins Auto und kümmert sich um die Menschen, die gerade etwas schreckliches erlebt haben. Oft übermittelt sie die Nachricht. Ist die erste Kontaktperson. „Die Liebe, die man zurückbekommt ist unbeschreiblich“, sagt sie. „Da ziehe ich meine Lebensenergie raus.“

Aufmerksam auf die Notfallseelsorge wurde Majhen, als ihr Bruder davon erzählt hat. Er ist in einer anderen Stadt Seelsorger. „Ich hatte sofort großes Interesse“, sagt sie. Dann hat sie im Internet recherchiert und ist auf das Düsseldorfer Team gestoßen und hat Kontakt zu Olaf Schaper aufgenommen. Auf ein langes Gespräch folgt eine schriftliche Bewerbung. „Ich habe die Bewerbung eher wie einen Brief verfasst und sehr persönlich über mein Leben und meine Motivationen geschrieben,“ erzählt sie.

„Ich bin vom Typ her eher die Zuhörerin, auch in meinem Freundeskreis.“ Sie lässt die Sachen aber nicht zu sehr an sich heran, sagt Majhen. Bereits 2016 hat sie eine Selbsthilfegruppe für die Krankheit Endometriose gegründet, an der sie selber erkrankt ist.

Nach der Bewerbung folgten die Schulungen. Von Januar 2018 bis März 2019 folgten dann verschiedene Schulungen und Kurse. Auch ein Praktischer Teil. In dem war sie mit einer Polizeistreife unterwegs, ist mit einem Rettungswagen mitgefahren und ist drei Einsätze mit Notfallsanitätern mitgefahren.

Dann kam der erste Dienst und der Pieper ging nicht. Das kommt eben auch vor. Nicht in jede Schicht der Notfallseelsorger läuft gleich ab. In anderen Schichten gibt es fünf oder sechs Einsätze. „Ich würde sagen im Schnitt sind es drei Einsätze pro Schicht. Einer ist eigentlich immer dabei“, erzählt sie. Wenn Majhen Dienst hat verlässt sie die Stadt nicht, damit der Pieper auch funktioniert. Wenn es einen Alarm gibt, steht auf dem kleinen Gerät nur ein kurzer Hinweis zum Einsatz. Zum Beispiel „Tod in Wohnung“. Dann ruft sie bei der Leitstelle an und erhält die Adresse. manchmal gibt vom Einsatzleiter noch mehr Informationen über das Umfeld. Zum Beispiel wie die Wohnung aussieht oder wie viele Personen betreut werden müssen. So ein Einsatz dauert in der Regel 1,5 bis zwei Stunden. Im Anschluss muss sie immer einen Bericht schreiben. Auch die Seelsorger bekommen die Möglichkeit einer Supervision. Im Anschluss kann über Probleme und Konflikte während der Arbeit gesprochen werden. Denn auch ein Seelsorger braucht manchmal Seelsorge.