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Münstercenter: Händler bangen um ihre Zukunft

Münstercenter: Händler bangen um ihre Zukunft

Mehrere Kaufleute müssen Ende März ihre Geschäfte räumen. Die übrigen haben Sorge, dass sie ihre Kunden verlieren.

Düsseldorf. Die Passage des Münstercenters gibt schon lange ein trostloses Bild ab, ein Großteil der Ladenlokale steht leer - Tendenz steigend. „Wie ein dunkler Schlund sieht das hier aus“, findet Blumenverkäuferin Dagmar Yurdakul, „ein trauriger Anblick.“ Der sich bald ändern wird: Die wenigen Kaufleute, die im vorderen Teil des Centers zur Münsterstraße hin noch ein Geschäft betreiben, erhielten jetzt ein Kündigungsschreiben. Sie müssen bis Ende März ihre Ladenlokale räumen.

Stattdessen soll die Drogerie-Kette Rossmann hier ein größeres Ladenlokal beziehen, berichten mehrere Kaufleute vor Ort. Sie befürchten, dass der vordere Eingang der Passage zur Münsterstraße dicht gemacht wird. „Dann wäre ich komplett abgeschottet“, sagt Norbert Hurtz, der an der Rheinbabenstraße hinter dem Center einen Kopierladen betreibt.

Eigentlich erhoffte sich Hurtz vom nahegelegenen Campus der Fachhochschule, den ab Herbst rund 7000 Studenten besuchen, einen Umsatzschub. „Doch einen so großen Umweg werden die nicht gehen. Das Angebot ist zu groß, als das man längere Wege in Kauf nimmt“, glaubt er. Auch Jörg Wegner-Köhler, der neben dem Kopierladen ein Perückengeschäft führt, ist sauer: „Viele meiner Kunden sind nicht mehr gut zu Fuß, kommen mit der Bahn. Sie nutzen die Passage als Durchgang, um zu mir zu gelangen.“

Anwohnerin Regine Schmitt bestätigt seine Befürchtung: „Ein Umweg von 500 Metern wäre eine Zumutung. Dann kommt niemand mehr“ Die Rentnerin lebt seit 50 Jahren in Derendorf, kommt oft ins Münstercenter. „Hier wird schon lange an den Bedürfnissen der Menschen vorbei geplant“, kritisiert sie. „Statt eines großen Drogerie-Markts wünschen sich viele hier kleinere Geschäfte.“

Dass unter den Händlern seit den Kündigungen große Unruhe herrscht, hat Dieter Arensmann, der für die CDU in der Bezirksvertretung 1 sitzt, mitbekommen. „Für die vielen älteren Kunden ist der Durchgang sehr wichtig“, sagt der Bezirkspolitiker. Das Thema soll deshalb bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am kommenden Freitag behandelt werden. „Es gibt viele offene Fragen. Unklar ist bislang zum Beispiel, ob die Stadt ein Wegerecht im Center hat und darauf bestehen könnte, dass die Passage von beiden Seiten offen bleibt.“ Arensmann hofft, dass bis zur Sitzung mehr Klarheit über die rechtliche Lage herrscht.

Die Deutsche Immobilien Wirtschafts Gesellschaft, zuständig für das Center, reagierte auf mehrfache WZ-Anfrage zu den kursierenden Gerüchten nicht. Kaufmann Norbert Hurtz beklagt die fehlende Transparenz. „Man wird immer nur vor vollendete Tatsachen gestellt. Als will man auch noch die letzten Mieter loswerden.“ Zumindest Schneiderin Leila Abbaszadeh, die ein Kündigungsschreiben bekam, profitiert von dem hohen Leerstand: „Wir ziehen im April einfach in ein leeres Lokal im hinteren Teil der Passage.“