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Friedrichstraße: „Strauss ist raus“ — und Kunst ist drin

Friedrichstraße : „Strauss ist raus“ — und Kunst ist drin

An der Friedrichstraße bespielt der Verein 701 ab Freitag ein leerstehendes Ladenlokal.

Düsseldorf. Die leerstehenden Ladenlokale reihen sich aneinander. An der Friedrichstraße gähnen einen die dunklen Schaufenster vom Sternverlag an, auf der gegenüberliegenden Seite sieht es nicht anders aus. Doch dort, wo Strauss seine Sachen längst gepackt hat, haben jetzt sieben Künstler Raum für ihre Werke gefunden. Am Freitag um 19 Uhr beginnt im Haus Nummer 61 die Ausstellung „Strauss ist raus“ vom Verein 701.

Seinen Schwerpunkt setzt Kurator Wilko Austermann bei der Auswahl der Werke in der Fotographie. „Wir beteiligen uns auch beim Photoweekend.“ Im Eingangsbereich hat Atit Sornsongkram seine Bilder zwischen noch verbliebene Regalleisten gehängt. Zu sehen sind auf den in verschiedenen Städten entstandenen Aufnahmen ebenfalls leerstehende Schaufenster. Im Spiegel daneben, eine der Strauss-Hinterlassenschaften in dem verlassen wirkenden Erdgeschoss, erblickt der Betrachter das eigene Gesicht. Der Konsument, der seine Kaufentscheidung zunehmend online trifft und damit für die schwierige Situation bei vielen inhabergeführten Einzelhändlern sorgt.

Wanda Koller hat am anderen Ende des Raumes alte Verkaufsständer mit schwarzen Kapuzenpullis überzogen. Darauf gedruckt sieht man die Rücken von Stoffballen — mal Animalprint, mal Fleece, mal verschiedene Karomuster. Eine Frauenhand mit knallig lackierten Nägeln schiebt sich in die Bilder, fühlt und verführt. Zur Eröffnung der Schau wird die Schauspielerin Sophie Killer in der gemeinsamen „Tanztheaterinstallationsperformance“ das Erlebnis des Kaufens verkörpern.

In einer weiteren Performance erstellt Lukas Julius Keijser Siebdrucke mit dem Titel „Frisch vom Bauern“. Zu sehen sind Kohlköpfe, Zwiebeln und Kartoffeln, davor Abbildungen von Gütesiegeln, auf die der Verbraucher mehr vertraut als auf seinen prüfenden Blick beim Einkauf. Für 9,99 Euro wird Keijser am Samstag seine vor Ort erstellten Siebdrucke verkaufen.

Den Staub des Niedergangs hat Steffen Jopp seinem mehr als hundert Kilogramm schweren Industrieförderband gelassen. Er hat es mitten in den Raum gehängt und es bekommt trotz seines Gewichts eine Anmutung von Schwerelosigkeit. Für Jopp als Künstler ist das verlassene Ladenlokal indes ein Geschenk. „Wir Künstler suchen ständig nach Ausstellungsräumen. Und der Raum ist ganz toll.“ Zu sehen ist die Schau bis 19. Februar.