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Düsseldorf - Theater an der Kö: Jeanette Biedermann will es an der Kö wissen

Düsseldorf - Theater an der Kö : Jeanette Biedermann will es an der Kö wissen

Die Künstlerin spielt im neuen Stück im Theater an der Kö. Ihr draufgängerischer Berliner Dialekt überzeugte den Chef.

Düsseldorf. Ein bisschen Angst kann man schon bekommen, wenn die supersupersupergute Laune von Jeanette Biedermann auf einen niederprasselt. Die Sängerin, Film- und Theater-Akteurin spielt im Theater an der Kö in dem neuen Stück „Rita will es wissen“ die Rita. Rita ist bodenständig, aber unzufrieden. Dazu ausgestattet mit dem rustikalen Charme einer, die ständig darüber quatschen muss, was sie bewegt, und das sind zunächst gar nicht mal interessante Fragen: Kommt noch was nach Ehe, Frisörsalon und einem dauerkinderwünschelnden Mann? Oder war das schon alles?

Rita handelt. Macht sich auf den Weg, ihr Oberstübchen neu zu befüllen und sammelt in einem VHS-Kurs so viel Bildung ein, wie sie kriegen kann. Schließlich frisst ihr sogar der Lehrer (René Heinersdorff) aus der Hand, weil die geistig flügge gewordene Schülerin ihm treffend auf den Kopf zusagt, was Sache ist mit seiner desolaten Existenz.

Die Premiere des Stücks ist morgen. Biedermann jedoch gibt schon gestern eine Kostprobe dessen, was sie für die Boulevard-Bühne zur idealen Frau aus dem Volk macht: unverstelltes Temperament und ein herrlicher Berliner Dialekt, laut und draufgängerisch.

Schon ist man versucht, Ritas erfundenen Lebenslauf mit Biedermanns Biografie zu vermengen, was die bald 37-Jährige ganz lässig nimmt: Beide stammen aus Berlin, sind mit dem Frisörgeschäft vertraut — Biedermann brach ihre Frisörlehre zugunsten eines Plattenvertrags ab —, beide treten den Möglichkeiten, die das Dasein bereit hält, mit offenen Armen entgegen. Gesang, Seifenopern, Kinofilme, Shows, Theater, Kinderbuch — Jeannette Biedermanns künstlerische Spielwiese ist ein weites Feld. „Ich mache das, was mir Spaß macht“, sagt sie. Ihr Tausendsassatum reicht hinein bis in den Düsseldorfer Karneval. Als Rotkäppchen fuhr sie auf dem Wagen mit und warf Kamelle in die Menge. Das war 2014, als Jeanette Biedermann in Düsseldorf bei Heinersdorff in der Komödie „Aufguss“ zum ersten Mal auf einer Theaterbühne stand und ihre Sache so gut machte, dass Heinersdorff sie erneut engagierte.

In Stuttgart war Biedermann bereits im Jahr 2015 in „Rita will es wissen“ zu sehen. Regie führte damals Heinersdorff, die Zuschauer wählten das Stück zum Spielzeitliebling. Die aktuelle Düsseldorfer Inszenierung liegt in den Händen von Hugo Egon Balder. Theaterchef Heinersdorff hat in dem Zwei-Personen-Stück die Rolle des Lehrers Frank übernommen, dem Beziehungsprobleme und steigender Alkoholkonsum arg zusetzen. „Eigentlich mag ich keine Zwei-Personen-Stücke, aber hier merkt man gar nicht, dass es eines ist.“ Was auch daran liegen könnte, dass Biedermanns Energie locker für zwei reicht.