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Düsseldorf: Bürgerdinner: Wie mit Populisten umgehen?

Düsseldorf : Bürgerdinner: Wie mit Populisten umgehen?

Beim zweiten Bürgerdinner von WZ und Schauspielhaus diskutierten Experten, Künstler und Düsseldorfer über den Umgang mit Populisten.

Düsseldorf. Donald Trump wird als neuer US-Präsident vereidigt, in Koblenz übt Europas Rechte von Le Pen bis Petry den Schulterschluss und AfD-Politiker Björn Höcke beherrscht dank seiner Skandal-Rede tagelang die Schlagzeilen. „Der Zeitpunkt, über Populismus zu sprechen, hätte nicht besser sein können“, sagte Kommunikationswissenschaftler Gerhard Vowe im Rahmen des zweiten Bürgerdinners und verwies dabei auf die jüngsten Ereignisse. Im Jungen Schauspielhaus diskutierten am Montagabend Experten, Künstler, Flüchtlinge und Düsseldorfer beim Drei-Gänge-Menü an festlich gedeckter Tafel über den richtigen Umgang mit populistischen Botschaften und denen, die sie verbreiten und unterstützen.

„Nur empört zu sein und Fakten zu checken, nützt nichts“, sagte Gerhard Vowe, Professor an der Heine-Uni. „Wir müssen uns offensiv zu unseren liberalen Grundwerten bekennen und positive Gefühle vermitteln.“ Ähnlich argumentierte Christoph Danelzik-Brüggemann von der Stadtmuseum. Er empfahl, „wieder damit anzufangen, unser Grundgesetz zu lieben“. Der Kunsthistoriker beleuchtet in der kommenden Ausstellung „Werbung. Die Kunst der Kommunikation“ die politische Seite der Werbeindustrie. „Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Populismus und Werbung. Beide nutzen oft die Wiederholung als Mittel. Der größte Blödsinn wird geglaubt, wenn er nur häufig genug gesagt wird.“

Florian Kuhlmann, Programmierer und Künstler, hält derweil die derzeitige Diskussion über Social Bots, also Meinungsroboter, die in sozialen Netzwerken menschliche Nutzer simulieren und damit sogar Wahlen manipulieren sollen, für übertrieben. „Die Menschen sind schließlich intelligent genug, um solche Roboter zu erkennen.“ Das sahen einige Besucher anders. „Viele haben dafür nicht genug Medienkompetenz. Die Gefahr wird eher unterschätzt“, entgegnete eine Besucherin. Politische Mechanismen, vor allem die der Populisten, seien für den Laien immer schwerer zu durchschauen — darüber müsse mehr aufgeklärt werde. Auch die Frage, ob das Internet der richtige Raum für politische Debatten sei, bewegte viele Bürger. „Da überkommt einen oft ein Schamgefühl, wenn man die Reaktionen liest“, sagte Computerexperte Florian Kuhlmann. Trotzdem will er bei Facebook und Twitter auch weiterhin Diskussionen anstoßen. „Vielleicht ist das der einzige Raum, der uns bleibt, um öffentlich miteinander zu debattieren.“

Die Kurzvorträge der Experten gaben viele interessante Impulse, die die rund 130 Besucher untereinander in kleiner Runde bei Pasta und Wein angeregt weiterdiskutierten. Deutlich wurde dabei vor allem, dass der Erfolg populistischer Strategien vielen zunehmend Sorge bereitet. „Ich bin seit zwei Jahren hier und das Thema wird immer bedrohlicher“, gab ein syrischer Flüchtling zu. Ein anderer Besucher wünschte sich derweil mehr Sachlichkeit in der seiner Meinung nach zu hysterisch geführten Debatte — schließlich sei Populismus letztlich nur eine Form von politischer Kommunikation, die eine Demokratie aushalten müsse. Auch Uni-Professor Gerhard Vowe hält nichts von übertriebener Panikmache: „Die AfD wird sich dauerhaft etablieren. Früher oder später wird sie auch politische Verantwortung übernehmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Schmuddelkinder zu respektierten Partnern mausern.“