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Premiere "Fisch zu viert" im Theater an der Luegallee in Oberkassel

Premiere in Oberkassel : „Fisch zu viert“ nach Kreta verlegt

Das Theater an der Luegallee brachte jetzt seine Premiere der Kriminalkomödie „Fisch zu viert“. Die Schauspieler boten makaber-anregende Unterhaltung.

Wo sonst findet man diesen Hinweis: „Bitte keine Getränke auf die Bühne stellen“? Dazu muss man das charmante Theater an der Luegallee aufsuchen, wo rotsamtene Sessel die Spielfläche umrunden. Und noch etwas ist anders hier, wie gerade wieder bei der Premiere „Fisch zu viert“ zu erleben.

Intendantin Christiane Reichert hat den Boulevard-Klassiker inszeniert und die Rolle der Cäcilie übernommen. Dennoch begrüßt sie an der Theke bis eine Minute vor 20 Uhr das Publikum. Maximal 40 von möglichen 75 Zuschauern sind derzeit erlaubt. Dann schließt die Chefin höchstselbst die Eingangstüren des Zimmertheaters, huscht auf die Bühne und verkündet: „Diese rabenschwarze Kriminalkomödie spielte ursprünglich im 19. Jahrhundert im Märkischen Kreis. Wir verlegen sie ins Jahr 1970 und nach Kreta. Und wir machen es bunt. Damit die Menschen, die noch nicht wieder so viel verreisen, ein Urlaubsgefühl bekommen.“

Mit der griechisch anmutenden Ausstattung ist das schon mal gelungen. Ein Raum in Blauweiß, duftige Spitzengardinen und Ansichtskarten an der gemauerten Wand. Dazu stimmt ein Sirtaki auf die Handlung ein, die mit dem herrischen Befehl: „Lüften, Rudolf, lüften“ sofort in Schwung kommt. Charlotte Heckendorf rauscht herein, die älteste der drei Schwestern, die jeden Sommer im Ferienhaus auf Kreta verbringen.

Saskia Leder trägt Minikleid und Stiefel und lässt keinen Zweifel daran, wer hier das Sagen hat. Sie ist es auch, die Verantwortung trägt für das Familienunternehmen, eine Altbier-Brauerei in, na klar, Düsseldorf. Hinter ihr, beladen mit Gepäck, steht Daniel Wandelt als unterwürfiger Rudolf Moosdenger. Anweisungen prallen auf ihn ein, nicht nur von Charlotte, sondern bald auch von Cäcilie (Reichert) und Clementine, der jüngsten Schwester. Julia Kretschmer spielt das etwas naiv wirkende Blumenkind. Doch dieses romantische Gemüt wird den alles entscheidenden Knalleffekt herbeiführen.

Rudolf will auf Weltreise gehen und droht den Schwestern

Mit jeder der Frauen hütet Rudolf das gleiche Geheimnis. Nicht nur im Haushalt hat er seit Jahrzehnten seine Dienste zu erfüllen, er ist auch für die zärtlichen Bedürfnisse der Damen zuständig. Im Gegenzug sagten ihm alle drei zu, ihn in ihrem Testament zu bedenken. Erst nach ihrem Tod natürlich. Doch darauf will Rudolf nicht warten. Er fordert sein Geld sofort, will frei sein und auf Weltreise gehen. Als jede der Schwestern das Ansinnen zurückweist, droht er damit, die heimlichen Liebschaften zu enthüllen.

Damit wird Kreta für alle zum Schicksal. Die Autoren Wolfgang Kohlhaase (auch Drehbuchautor für Filme wie „Solo Sunny“ und „Sommer vorm Balkon“) und Rita Zimmer hatten „Fisch zu viert“ 1968 zunächst als Hörspiel verfasst. Zwei Jahre später wurde es fürs DDR-Fernsehen verfilmt und von da an kreuz und quer von vielen Boulevardbühnen aufgeführt. Gelegentlich verdeutlichte ein Bänkelsänger die Mär von Habgier und Tücke.

Das Stück funktioniert im Theater an der Luegallee auch ohne Beiwerk. Es ist ein kurzweiliges Vergnügen, den Schwestern und ihrem durchtriebenen Diener zuzuschauen. Sind seine Machenschaften einmal aufgedeckt, haben die Damen nach dem ersten Schock nur eines im Sinn: den erpresserischen Störenfried loszuwerden. Für immer. Wie, sinnieren sie, könnte man ihn unauffällig ins Jenseits befördern? Blitzschlag? Gift? Eine Nähnadel mitten ins Herz? Doch auch Rudolf schmiedet ein makabres Mordkomplott.

Bleibt die Frage: Wer trickst am Ende besser? Die Auflösung machte den Premieren-Zuschauern Spaß, sie applaudierten lang und herzlich. Dann trat Christiane Reichert noch einmal mit einem sympathischen Appell auf: „Gehen Sie in alle Theater, in alle Kinos und Konzerte. Helfen Sie den Künstlern.“