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Love Machine: Lange Haare, lange Bärte, lange Gitarren-Soli

Love Machine: Lange Haare, lange Bärte, lange Gitarren-Soli

Die Düsseldorfer Band Love Machine spielt Psycho-Rock und will sich einem größeren Publikum bekannt machen.

Düsseldorf. Fünf Männer mit langen Bärten, langen Haaren und luftigen Gewändern stehen auf der Bühne. Sie spielen feinsten Psychedelic-Rock mit ausschweifenden Gitarren-Soli. Der Sänger hat eine tiefe, unverwechselbare Stimme. Zwischendrin schlägt er versunken auf zwei Trommeln. Was sicher bei vielen ein Gefühl der späten 60er Jahre aufkommen lässt, ist so vor wenigen Wochen auf dem Open Source Festival in Düsseldorf passiert.

Die fünf Männer sind gemeinsam die Düsseldorfer Krautrock-Band Love Machine. Nun sitzen Gitarrist Felix Wursthorn und Sänger Marcel Rösche bei einem Bier in der Düsseldorfer Bar „Zur Sennhütte“. Die kleine Terrasse liegt direkt neben den Bahnschienen. Den Auftritt beim Open Source Festival, die Eröffnung der Mainstage, das haben sie alles in guter Erinnerung. Der Gitarrist trägt ein weit geöffnetes Hemd, zwischen Bart und Haaren versteckt sich eine runde Brille. Marcel Rösche hat ebenfalls einen langen Bart. Über die Assoziation mit den späten 60er Jahren sind die beiden sich bewusst, auch wenn sie dem nicht komplett zustimmen.

Ob diese Zuschreibung nervt? Beide schütteln den Kopf und verneinen. Dennoch: „Es gab schon immer Leute mit langen Bärten, vor den 60ern und danach. Die Leute sprechen und schreiben darüber, aber das ist schon in Ordnung.“ Unabhängig von den Äußerlichkeiten geht es ja ohnehin um die Musik — und die überzeugt. Ihr zweites Album „Circles“ kam im Frühjahr 2016 raus. Ruhiger Rhythmus und melodische Gitarrenklänge finden sich in „Sun Paradox“, einem Lied des Albums, dessen Melodie lange im Ohr bleibt. Ein Gitarren-Solo dauert hier auch schon mal länger als eine Minute. „There is fire in the sky, sunshine in your eyes, music in your soul“, singt Marcel Rösche mit tiefer Stimme. Er ist auch derjenige, der die Texte schreibt. Die intensiven Gitarren machen einen großen Teil der Musik von Love Machine aus.

Wie sie ihre Musik selbst beschreiben? „Genres sind auch immer Begrenzungen“, sagt Felix Wursthorn. Trotzdem: „Psychedelic ist für mich da der offenste Begriff, aber wir wollen keinen Stil erfüllen. Letztendlich machen wir Pop-Musik, auch wenn Krautrock drauf steht“, sagt er. Allein in die Hippie-Schublade jedenfalls scheinen sie nicht gesteckt werden zu wollen. Eine einfache Kopie wollen sie nicht sein. Es gebe für sie aber auch schlimmere Schubladen. „Unsere Musik hat Einfluss aus verschiedenen Epochen.“

Weniger die Definition sei für die beiden wichtig, sondern das Gefühl und die Musik in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen: Musik als Energie. Zusammengefunden haben sich Love Machine über das Düsseldorfer Nachtleben. Felix Wursthorn studiert Musikwissenschaften in Köln, Marcel Rösche beschreibt sich als „Handwerker und Künstler“. Er arbeite, um seine Musik zu finanzieren. Derzeit ist die Band viel unterwegs, auf ihrer zweiten Circles-Tour. Ein paar Tage in Düsseldorf, dann nach Kopenhagen und in das französische Clermont. Gerade waren sie noch in England. Doch auch die Düsseldorfer Musik-Szene ist ihnen wichtig. „Düsseldorf ist eine Musik-Stadt“, findet Felix Wursthorn.

Sie fühlen sich als Band gut aufgehoben in der Szene. Plattenläden, Veranstalter, Ausstellungen und Labels, die ein Herz für junge Bands haben, seien hier zu finden. Sie schätzen die Bands vor Ort: Etwa Suzan Köcher, Stabil Elite und Chogori nennen sie. „Hier kocht es“, berichtet Marcel Rösche über die Düsseldorfer Musikszene. Außerdem empfinden sie einen starken Zusammenhalt der Kulturszene. „Gute Musik, gutes Essen und gute Kunst“, das sei das Wichtige, was etwa beim Open Source zu finden sei, sagt Marcel Rösche.

Und Veranstalter ist Love Machine auch selbst. Auf dem Areal des alten Schlachthofs, dort, wo sie auch ihren Proberaum haben. „Wenn wir unterwegs sind, haben wir immer etwas im Gepäck“, erklärt Marcel Rösche und meint damit Bands, die sie nach Düsseldorf einladen. „Wir wollen auch die internationale Szene in die Stadt bringen“, erklärt Felix Wursthorn. Love Machine bietet mit „Circles“ detailverliebte und spannende Musik, damit kommen sie gut an.

Nun wollen sie auch außerhalb der Szene noch mehr Menschen erreichen. „Wir standen die letzten Jahre sehr gut auf eigenen Beinen. Jetzt sind wir an dem Punkt, mit größeren Agenturen und Labels zu arbeiten“, erklärt Felix Wursthorn.

Als nächster Schritt wird das kommende Album bei dem Düsseldorfer Label Unique Records erscheinen. Geplant ist es für Januar 2018. Zuvor sind sie auch live zu hören: Zum Tour-Abschluss Anfang September kommt die Band wieder nach Düsseldorf.