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Kultur in Düsseldorf: Kunststoff-Museum verschwindet klammheimlich

Kultur in Düsseldorf : Kunststoff-Museum verschwindet klammheimlich

Mehr als 20 000 Design-Objekte verschickt der Museumsverein sang- und klanglos als Dauerleihgabe in ein Depot nach Oberhausen.

Düsseldorf. Hinter dem Buchstaben K verbirgt sich die K-Messe, die weltweit bedeutendste Messe der Kunststoff- und Kautschukindustrie. Sie ist in Düsseldorf beheimatet und gilt als Magnet für die Fachleute der Branche. 1986 gründeten führende Vertreter aus Forschung, Industrie und Anwendern den Verein Deutsches Kunststoff-Museum mit Sitz im NRW-Forum.

Kultur in Düsseldorf: Kunststoff-Museum verschwindet klammheimlich
Foto: Judith Michaelis

Die Messe Düsseldorf und der Verband der Kunststoff erzeugenden Industrie (Plastics Europe Deutschland) förderten das Unternehmen. Der Verein sammelte über 20 000 Objekte, hoffte aber vergeblich auf ein Museum. Jetzt sind all die Schätze verschwunden. Die WZ hakte nach und fand heraus, dass die historischen Kostbarkeiten als Dauerleihgabe nach Oberhausen abgegeben wurden. Die Designstadt Düsseldorf hatte nichts dafür übrig.

Vor Kurzem trudelte eine Pressemeldung aus Oberhausen ein. Sie besagt, dass „die bedeutende Kunststoff-Sammlung des Deutschen Kunststoff-Museums-Vereins (KMV)“ eine neue Heimat im zentralen Sammlungsdepot des LVR-Industriemuseums in Oberhausen gefunden habe. Wie das? Ein Anruf beim Präsidenten des Vereins, Wolfgang Schepers, brachte einige Gründe, aber auch Ungereimtheiten ans Tageslicht.

Im Juni 2016 brannte die riesige Flüchtlingshalle auf dem Messe-Gelände komplett aus. Nicht bekannt war jedoch, dass es innerhalb dieser Halle eine kleinere Halle als brandgeschützten Betonkubus gab. Dort lagerte alles, vom Bakelit-Radio bis zum Designer-Stuhl, vom aufblasbaren Möbel bis zum Kunststoff-Fahrrad, vom modischen Fächer aus Celluloid über den Bakeliteimer und den letzten Trabi bis zur ersten Telefonzelle aus Kunststoff.

Kunststoff ist leicht entflammbar. Aber er blieb in der Betonhülle heil. Lediglich das Löschwasser und der Rauch verursachten gewisse Schäden, die sich nach Auskunft von Schepers in Grenzen hielten. Die Objekte landeten bei einem Brandsanierer in Ratingen, wurden gereinigt und neu verpackt. Dann aber kehrten sie nicht mehr nach Düsseldorf zurück. Die Jubiläums-Schau im NRW- Forum anno 2016 war damit der letzte Auftritt der Materialien zur Geschichte der angewandten Kunst in Kunststoff in Düsseldorf.

Aber auch eine andere Tatsache machte dem Verein zu schaffen. Die Messe Düsseldorf, die die Räume, das Büro und eine Sekretärin für den Verein gestellt hatte, stellte die Förderung ein. Der Vertrag lief am 30. Juni dieses Jahres aus.

Der Fortgang der Handlung spielte sich nicht-öffentlich ab. So erfuhr kein Düsseldorfer Fachausschuss von den existenziellen Problemen des Vereins und seiner Schätze. Lediglich Kulturdezernent Hans-Georg Lohe soll Bescheid gewusst haben. Der Verein unterzeichnete einen Vertrag mit dem LVR-Industriemuseum in Oberhausen.

Lachender Dritter ist das Zentralarchiv im Peter-Behrens-Bau. Das ehemalige Hauptlagerhaus der Gutehoffnungshütte birgt heute weit über 100 000 Sammlungsstücke. Da lassen sich auch weitere 20 000 Objekte verstauen. In einem „Schaufenster“ will Schepers im dortigen Museum, in der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg, Ausstellungen zeigen. Die erste ist für November unter dem Titel „Unterstrom“ versprochen.

Schepers selbst ist froh, dass die Dinge eine neue Bleibe finden. Die Versicherungssumme der Sammlung, die auch frühe Materialien noch vor dem eigentlichen Kunststoff enthält, gibt er mit rund 700 000 Euro an.