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"Kein Pardon!": Showzeit ist auch an den freien Abenden

"Kein Pardon!": Showzeit ist auch an den freien Abenden

Das Musical läuft nur noch wenige Male im Capitol-Theater. Für Enrico De Pieri und seine Kollegen endet eine aufregende Zeit.

Düsseldorf. Jeden Abend schießt Musicaldarsteller Enrico De Pieri das Adrenalin durch den Körper: „Man gerät automatisch in den Show-Modus“, sagt der auch im realen Leben wie ein Strahlemann wirkende Schauspieler und Sänger, der seit mehr als einem Jahr fast allabendlich den Peter Schlönzke im Capitol-Theater spielt. Er ist der Protagonist im Musical „Kein Pardon!“ nach Hape Kerkelings gleichnamigem Kinofilm aus den 90ern.

Showzeit sei für ihn auch an den wenigen Abenden, an denen er nicht spiele. „Man ist so sehr daran gewöhnt, dass man sich gar nicht mehr umstellen kann.“ Doch am 31. Dezember öffnet sich der Vorhang zum letzten Mal für die Produktion — da gibt es kein Pardon. Und mit dem Überschuss-Adrenalin muss De Pieri erst mal zurande kommen. Auch die Rolle bleibe an einem haften. „Wenn man jeden Tag den Peter Schlönzke spielt, färbt das schon ab“, gibt De Pieri zu. „Ausdrucksweisen, die ich nicht im Sprachgebrauch hatte, sind für mich ganz natürlich geworden.“ Selbst die emotionale Welt der Figur spiele mit ins eigene Leben rein. „Glücklicherweise ist das jetzt nicht der Bösewicht.“

Nun sei es für ihn wichtig, sich aus diesem täglichen Betrieb zu verabschieden. „Der Emotions-Akku wurde doch stark angezapft.“ Im Februar 2013 moderiere er erst einmal eine Operngala in seiner Heimatstadt Kiel. Über ein größeres Engagement im neuen Jahr wolle er zwar jetzt noch nicht sprechen, aber: „Wenn ich Glück habe, geht es aufregend weiter.“

Bühnenpartnerin Jana Stelley in der Rolle von Schlönzkes Flamme Ulla kam erst Ende Mai dazu und folgte auf Roberta Valentini. Die Rolle ist deutlich kleiner als die des Peter Schlönzke, aber für die quirlige Jana Stelley eine Herausforderung der besonderen Art: „Die Ulla ist schon sehr anders, als ich es bin, viel cooler, bodenständiger und erdiger.“ Nach einem sehr aufgeregten Tag sei es für sie schwer, wieder zur Ruhe zu kommen und so zu Ulla zu werden, die so ziemlich über den Dingen schwebe.

Beide Darsteller haben in Düsseldorf mit dem kürzlich verstorbenen Dirk Bach, der den Heinz Wäscher spielte, auf der Bühne gestanden. Die Todesnachricht habe im ganzen Theater starke Bestürzung ausgelöst. „Wir waren erschüttert und wahnsinnig traurig“, sagt Enrico De Pieri und zeigt in der Künstlergarderobe ein paar knuffige bunte Stofftiere, die Dirk Bach dort hinterlassen hat. „Die erste Woche nach seinem Tod zu spielen, war schwer, auch für das Publikum, das merkt man irgendwie.“ Das ganze Haus habe getrauert — vom Pförtner bis zum Orchester. „Es war dann aber auch wieder schön, dass alle, die wir ihn kannten, zusammen waren und jeder eine persönliche Geschichte über Dirk erzählen konnte.“