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Schauspielhaus-Chef Manfred Weber: „Wir müssen häufiger spielen“

Schauspielhaus-Chef Manfred Weber: „Wir müssen häufiger spielen“

Manfred Weber ist Interims-Chef am Schauspielhaus. Eine Lösung, die seiner Meinung nach ruhig etwas länger dauern darf.

Düsseldorf. Manfred Weber hatte bislang im Schauspielhaus die Zahlen im Blick. Nach dem Rücktritt von Staffan Holm wegen einer Burn-out-Erkrankung leitet der Geschäftsführende Direktor als kommissarischer Intendant das Theater und will möglichst schnell wieder mehr Menschen ins Haus bringen. Seine Lösung: häufiger spielen und mehr Musik und Komödie ins Programm.

Herr Weber, wie geht es Herrn Holm? Für ihn beginnen ja bald schon wieder die Proben in Düsseldorf.
Weber: Am Wochenende ist ein Casting für „Peer Gynt“, da wird Staffan da sein. Die Proben starten am 2. Januar, am 2. März ist Premiere — das steht. Sein Rücktritt hat sich nach außen hin als plötzlich dargestellt. Es war aber ein längerer Verlauf. Seine Krankheit ist ja kein Düsseldorfer Problem, sie hat sich hier nur verschärft.

Wie empfinden Sie die Stimmung am Haus?
Weber: Uns war es wichtig, dass wir das selber und einvernehmlich lösen. Egal, wie hart das im Ergebnis war. Und, dass er sich bekennen konnte. Das ist ja kein einfacher Schritt.

Und wie geht es weiter?
Weber: Das Theater funktioniert und läuft. Es gibt natürlich Enttäuschungen bei den Schauspielern und so ein Gefühl von Vakuum. Aber ich finde, wir haben keine schlechte Stimmung.

Was lief unter Holm schief?
Weber: Die erste Spielzeit war wahnsinnig schwierig und hat nicht viel Profil gezeigt. Wir haben jetzt einen stark osteuropäischen Spielplan und müssen da einen besseren Ausgleich finden. Wir brauchen Stoffe, die mehr mit der Stadt zu tun haben.

War die Entscheidung für den Mann aus Schweden also falsch?
Weber: Nein, sie war richtig. Eine Entscheidung für eine internationalere und buntere Stadt. Er hat ja auch die richtigen Verbindungen. Aber so etwas braucht Zeit und Kontinuität.

Die Stadt hat angekündigt, schnell eine Nachfolge für Holm zu finden. Wäre jemand wie Sie, der das Theater kennt und in der Stadt verwurzelt ist, nicht der Richtige?
Weber: Ja, das muss man sehen (lacht).

Wie schnell rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Weber: Ich bin jetzt 35 Jahre am Theater und habe viele Häuser als Dramaturg und Leiter erlebt. Ganz wichtig ist, dass man nicht hektisch reagiert. Das Theater funktioniert und man kann für die kommenden Jahre einiges erwarten. Das Ensemble möchte ja hier auch noch was zeigen.

Ändern Sie das Programm?
Weber: Wir sehen ja, wie das Programm angenommen wird. Mit Blick auf die nächste Spielzeit müssen wir zu einer anderen Balance kommen. Wir haben jetzt Stücke hintereinander, die eine ernstere Grundstimmung haben. Nichts Leichtes. Wir müssen über eine musikalische Produktion nachdenken und über eine Komödie.

Die Auslastungszahlen sind sehr schlecht. Was können Sie tun?
Weber: Es gibt eine Ausrichtung, bei der sollten wir inhaltlich auch bleiben und nicht nervös werden. Die Frage ist, wie wir damit das Publikum besser erreichen können. Generell müssen wir zu mehr Vorstellungen kommen.

Schwierig ist die Situation am Jungen Schauspielhaus.
Weber. Die Entscheidung, beide Häuser mit einem Ensemble zu bespielen, ist innerbetrieblich nicht so einfach. Schauspieler fehlen entweder am einen oder anderen.

Das Theater ist mit 23 Millionen Euro im Jahr vergleichsweise gut ausgestattet. Werden Sie Holms Debatte ums Geld weiterführen?
Weber: Wichtig ist, wie die Perspektiven mit den Kultureinrichtungen besprochen werden. Ob ein Dialog beginnt oder Fronten aufgebaut werden. Das ist nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine inhaltliche Frage.

Die Stadt will alle Kulturinstitute auf den Prüfstand stellen.
Weber: Damit haben wir kein Problem. Wir haben ein sehr genaues Ressourcen-Management und ein gutes Controlling.

Sparen können Sie also nur, wenn Sie Produktionen ausfallen lassen.
Weber: Ja.

Es heißt, Holm hat nicht zu Düsseldorf gepasst.
Weber: Es ist eher die Frage, was erkennt man in der gegenseitigen Begegnung. Sein Understatement ist zu wenig zur Geltung gekommen. Wohl auch bedingt durch dieses Krankheitsbild. Wir haben nicht die Präsenz von Staffan in der Stadt gehabt, die wir uns gewünscht hätten.

Wie muss sich ein Theater zeigen?
Weber: Wir sind Bestandteil der Stadtgesellschaft und arbeiten nicht in einem Bunker. Wir gehen auch zum Bäcker und leben in der Stadt. Theater muss mit der Stadt kommunizieren. Wer das Theater repräsentiert, muss auch an der Stadtgesellschaft teilnehmen. Das Theater darf sich nicht isolieren.

Frau Niermeyer hat sich in Düsseldorf auch schwer getan.
Weber: Was die Kommunikation anbetrifft, hat sie sich gar nicht schwer getan. Die eigentliche Theaterarbeit ist ein anderer Punkt.

Ein Intendant, der in Düsseldorf erfolgreich ist, muss also welche Eigenschaften haben?
Weber: Es gibt kein Rezept. Keiner hat einfach so in der ersten Spielzeit Erfolg.

Karin Beier in Köln schon.
Weber: Aber nur in der Nachbetrachtung. Das hat sich entwickelt. Karin Beier war das Verdienst von Volker Canaris, der ihr Talent in Düsseldorf entdeckt hat. Und diese Entdeckungen zeichnen einen erfolgreichen Intendanten aus.

Schlafen Sie noch gut bei dieser Doppelbelastung?
Weber: Ja, ich habe die Aufgabe gerne angenommen. Ich komme ja aus dieser Richtung und war auch als Geschäftsführender Direktor ein Ermöglicher. Mit der künstlerischen Verantwortlichkeit bekomme ich jetzt noch mal eine andere Richtung.

Fühlen Sie den Druck?
Weber: Anderthalb Jahre nach dem Neubeginn gibt es eine größere Dringlichkeit. Wir können nicht mehr sagen, probieren wir noch mal. So viele Versuche haben wir nicht mehr.