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Künstler beschwören Geister bei Totentanz-Ausstellung im Kulturbahnhof

Künstler beschwören Geister bei Totentanz-Ausstellung im Kulturbahnhof

In Eller zeigen Studenten Totentanz-Bilder: Groteske Blicke auf die Vergänglichkeit.

Düsseldorf. Einem erstaunlichen Trend ist Ilsabe Schülke im Kulturbahnhof Eller auf die Spur gekommen. Die Kuratorin entdeckt ein wachsendes Interesse junger Künstler am Thema der Vergänglichkeit. So zeigt sie nun schon zum zweiten Mal eine Schau zum Thema „Memento Mori“, frei zu übersetzen mit der Ermahnung: „Bedenke, dass Du sterblich bist.“

Sebastian Weggler (29) hat bis 2011 an der Kunstakademie studiert und ist Meisterschüler von Markus Lüpertz. Seine Abschlussarbeit beim Rundgang bestand aus einem Stapel von Filzteppichen, für die er zunächst Wollbüschel färbte und zu Bildern legte, bevor er den Stoff nass machte und verfilzte.

Weggler stand damals neben dem Haufen wie ein Teppichhändler und zeigte auf Wunsch die Motive. Erst bei näherem Hinschauen merkten die Besucher, dass sie mit grotesken Szenen konfrontiert wurden. Nun hängt er seine Arbeiten an die Wand des Kulturbahnhofs. Es handelt sich um lauter Totentanzmotive.

Besonders ungewöhnlich ist ein „Siamskelett“, wie er es nennt — ein siamesischer Zwilling als Totengerippe. Wie ein Liebespaar beim romantischen Abendessen verspeisen die beiden grotesken Gestalten Spaghetti, die wie Wollfäden geradewegs aus ihnen herauszuwachsen scheinen. Die Komposition des Werks hat viel von mittelalterlichen Holzschnitten. Markant und monoton, klar und unwiderruflich. Flächenhaft in der strukturlosen Technik des Filzes.

Wegglers jüngerer Kommilitone ist Sven Tölle. Der 25-Jährige studiert noch in der Klasse von Anzinger. Er geht das Thema des Todes theatralischer, bildgewaltiger und farbmächtiger an. Er legt milchig-tote Körper auf Schalen, als zitiere er das Haupt des Johannes von Caravaggio. Dann wieder schiebt er den Rumpf in einen leeren, schwarzen Bildraum und bedeckt ihn teilweise mit einem theatralischen Vorhang. Er übermalt seine Motive mit viel Weiß, bis sich die hellen mit den dunklen Tönen verweben. Der Tod ist dem jungen Mann ein recht brutales Ereignis, gegen das er sich mit viel Farbe zu wehren versucht.