Düsseldorf: Künstler beleben das Float im Medienhafen

Ausstellung : Kunst: Komiker-Duo tanzt im Medienhafen

Im Glaspalast an der Franziusstraße präsentiert Gregor Russ ein Komikerduo wie aus der Stummfilmzeit und Ruben Smulczynski baut einen heiligen Raum.

Nanu, was blickt denn da aus dem gläsernen Kasten des Architekten Renzo Piano an der Franziusstraße 4-6? Zwei kopflose Figuren mit bunten Cosplay-Perücken stehen auf hohen Säulen und scheinen gleich zu stolpern. Pat und Patachon? Wird das Komikerduo wie aus der Stummfilmzeit gleich über die schwarz-weißen Lackschuhe fallen und abstürzen? Verulken die Figuren die gewichtigen Mantelträger aus den unzähligen Büros im Medienhafen? Ein Besuch in zwei Rohbau-Zellen im Erdgeschoss eines Neubau-Ensembles.

Eigentlich handelt es sich ja um einen gigantischen Glaskasten. Der 81-jährige italienische Architekt Piano hat einen sechsteiligen Lindwurm mit 30.000 Quadratmeter Nutzfläche errichtet. „Float“ heißt das Ganze, obwohl da nichts „fließt“, sondern in Glas und Beton gebettet ist. Nach Auskunft des Grundstücksbesitzers Immofinanz, einer österreichischen Aktiengesellschaft, habe der Architekt an gläserne Eisschollen gedacht. Diese Schollen haben jedoch nichts mit Caspar David Friedrich oder mit dem Schöpfer der Osloer Oper, Snöhetta, zu tun. Es sind schlichte Bürobauten, in denen sich die einstige Eon-Tochter Uniper vom Ehrenhof wohl fühlen soll. Für Witz und Erfindungsreichtum sorgen da nur die Werke der Düsseldorfer Künstler Ruben Smulczynski und Gregor Russ.

Ein Kultraum aus Samt und Seide im rohen Beton

Ruben Smulczynski überzieht den Rohbau mit feinen Seiden- und Glanzstoffen, als wolle er ihm kostbare Kleider anlegen. Sogar blaue und rosarote Gebetskissen legt er auf den Betonboden und verhüllt die Wände mit Tüchern, als suggeriere er einen Tempel. Der Betrachter kann sich entscheiden, ob er darin eine Persiflage oder einen provisorischen Kultraum sehen will, in dem es sogar das berühmte Blau des Yves Klein zu sehen gibt.

Den Vogel aber schießt das Multitalent Gregor Russ ab. Dieser Maler, Bildhauer und Möbelschreiner hatte einen brauen Wollmantel im Schrank hängen, ein Erbstück aus Familienbesitz. Ein weiteres gutes Stück erstand er über Ebay. Nun brauchte er nur noch zwei Schaufensterfiguren, denen er den Kopf abnahm und stattdessen Perücken mit buntem Kunsthaar aufsetzte. „Wie ein Pinselstrich“, sagt er, solle das Haar in Blau oder Grün-Gelb herunterfallen. Die Tanzschuhe in Schwarz-Weiß sind billige Importartikel, um Cha Cha Cha zu tanzen. Die Beine der Puppen sind allerdings verkehrt herum eingesetzt, so dass die Figuren gleich von ihren Podesten stolpern könnten.

So viel Witz und Farbe hat der Medienhafen selten erlebt. Sogar an die Abend- und Nachtstunden hat Gregor Russ gedacht, indem er billige Neonröhren zu den Silben UH, OH und AH gesteckt hat, als wünsche er sich ein Lob von den Nachtschwärmern. Mit dieser „Minimalprosa“, wie er es nennt, erleuchtet er nun die Spitze des Medienhafens. Wenn all die Mantelträger aus den Büros längst den Schlaf der Gerechten schlafen, tanzen die Schaufensterpuppen noch weiter, bis zum nächsten Morgen.

Information: Die Arbeiten an der Franziusstraße 4-6 wurden über den Kunstverein 701 organisiert und sind bis auf weiteres von außen einsehbar. Terminvereinbarung für den Besuch der Kojen über:

textschwester.de

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