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Kritik an der Literaturkritik blieb aus

Kritik an der Literaturkritik blieb aus

Kritiker Denis Scheck und Autor Thomas Hettche spielten sich bei einer Veranstaltung im Heine-Institut die Bälle zu. Nur einmal wurde es indiskret.

Düsseldorf. Es kann sehr unterhaltsam sein, wenn sich zwei geistreiche Zeit- und Generationsgenossen desselben Jahrgangs (1964), TV-Literaturkritiker Denis Scheck und Schriftsteller Thomas Hettche, Bälle zuspielen. Selbst wenn’s Wattebällchen sind, wie bei der Abschlussveranstaltung der Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik im Heine-Institut zum Thema „Literaturkritik in den Medien“.

Dazu sollten auch die Meisterklasse (15 Studenten) und ein überschaubares Publikum zu Wort kommen. Doch bei der hochkarätigen Besetzung blieb das Podium im übertragenen Wortsinn eine Art Pfaueninsel (Titel des jüngsten Romans von Hettche). Literaturkritik wurde an dem Abend kaum in Frage gestellt. Sie hätte früher eine andere Aura gehabt, bemerkte Hettche, worauf Scheck neckisch wissen wollte: „Was stört Sie an meiner Aura?“ Die sei schon okay, doch früher seien Kritiker stärker in Erscheinung getreten als Figuren und als Person, antwortet Hettche und fügte rasch hinzu: „Aber das beherrschen sie ja auch ganz gut.“

Dennoch befürchtet Scheck irgendwie „den Verlust der Literaturkritik als adelnde Institution“. Hettche legte wiederholt Wert darauf, dass er selbst ja aus einem „bildungsfernen Haushalt“ stamme, wofür ihm Anerkennung und Bewunderung sicher sind, nicht nur des Kritikers Scheck, der wissen wollte, wie es denn war, gleich zu Beginn der Karriere in der „Kirche Suhrkamp“ aktiv zu sein. Hettche: „Viele kleine Verlage machen heute viele schöne Bücher. Große auch, manchmal.“

Für ihn sei es immer ein Anliegen gewesen, als Autor die Bücher zu schreiben, die man gerne schreiben möchte und dann dafür Leser zu finden — „und dann Kritiker wie Sie“. Eigentlich sollten nach der Vorlesung aus Hettches viel gelobten Roman „Pfaueninsel“, der von Zwergen, Riesen, Königinnen und der liebestollen Marie (Hett’cher Versprecher, er meinte lebenstoll) handelt, die Zuhörer zu Wort kommen. Aber Scheck wollte vorlaut wissen, wie es gewesen sei, in die Haut eines Kleinwüchsigen zu schlüpfen. Wohl waren sich die beiden auf Augenhöhe fast immer einig an diesem Abend, doch diese Frage fand der Autor gemein, zu indiskret.

Der Anspruch der Düsseldorfer Schule für Literatur und Kritik ist hoch. Laut Heine-Uni soll sie einen kulturellen Beitrag leisten „zu einer notwendigen und noch wenig ausgeprägten europäischen Öffentlichkeit“. Im Wintersemester soll ein Handbuch zur Literaturkritik herausgegeben werden. Anmeldungen zu Workshops und der Meisterklasse

studium-universale@uni-duesseldorf.de