Düsseldorf: Johanna-Ey-Bild von Otto Dix ist heimgekehrt

Düsseldorf: Johanna-Ey-Bild von Otto Dix ist heimgekehrt

Das Gemälde der Mutter Ey von Otto Dix erstrahlt am Grabbeplatz. Es gehört der Landesgalerie. Das perfide Violett in Kombination mit dem warmen Rot schreckten Museumschefs wie Hans Albert Peters vom Kunstmuseum und Werner Schmalenbach von der Kunstsammlung ab. Doch sie hatten Unrecht.

Düsseldorf. Johanna Ey (1864 bis 1947) gilt als Kultfigur. Dabei wird gern ausgeblendet, wie elend ihr Leben als Tochter eines Tagelöhners und geschiedene Ehefrau eines Alkoholikers war, und wie schwer ihr die Nazis mitgespielt haben. Das „Sinnbild für das kulturell lebendige Rheinland“, wie es Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen nennt, war eher ein Sinnbild für dessen Notlage. Wie eine Mutter Courage kämpfte sie am unteren Existenzminimum ums Überleben für sich, ihre Kinder und ihre Künstler. Insofern ist das Gemälde von Otto Dix eine Farce gegen die Gesellschaft der Zeit. Diese Frau hätte eine Königin sein können, wenn die Zeiten anders gewesen wären. Doch es gibt ein Happy End. Nach einer Odyssee von 32 Jahren bleibt das Dix-Bild der Ey in der Kunstsammlung NRW.

Johanna Ey buk im übertragenen Sinn kleine Brötchen, kredenzte Rollmöpse, eingelegte Gurken und hartgekochte Eier. Ihre Galerie am Hindenburgwall 11, dem heutigen Sitz von K 20, hieß „Junge Kunst - Frau Ey“ und war Zentrum der Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“. 1922 holte sie Otto Dix nach Düsseldorf und vermittelte ihm den ersten Sammler. 1924 porträtierte er sie und startete auf diese Weise seine Karriere als Porträtist im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Die 60-jährige „Quereinsteigerin“ unter den Galeristen, wie es die Ministerin nennt, erscheint als Grande Dame. Der spanische Kamm, möglicherweise eine Tortendekoration, sitzt wie ein Diadem auf ihrem schwarzen Haar. Der Pfiff liegt im perfiden Violett, das wie abgewetzt erscheint, weil Dix die Farbe an einigen Stellen mit Weiß mischt. Böse und bissig ist aber auch der Dialog dieses blaustichigen Rot mit dem warmen Kadmiumrot des wallenden Vorhangs.

Dix, der Ironiker, wird nicht müde, seine Hommage an die füllige Frau mit einer gehörigen Portion Sarkasmus zu versehen. Wie er dieses merkwürdig schimmernde Habit zum Krönungsmantel macht und aus dem leichten Dickkopf durchdringlich blickende Augen hinter altmodischen Brillengläsern hervorschauen lässt. Die pummelige Arbeiter-Hand stützt sich ausgerechnet auf einem Tischchen auf, wo sonst die Herrschenden ihre Landkarten platzierten, um ihre Macht zu demonstrieren. Dennoch wirkt diese Figur wie eine Majestät. Ein Meisterwerk der farblichen und psychologischen Zwischentöne.

Beim Stehempfang am Grabbeplatz zitierte die Ministerin die bekannten Worte von Max Ernst zum 60. Geburtstag der Kunsthändlerin, die damit enden: „Vor dir neigt das Rheinland sich und kauft gern und billig deine Werke.“ Die Worte von Max Ernst sind blanker Hohn angesichts der Irrwege, die das Gemälde von Otto Dix nahm, bevor es am Grabbeplatz landete. „Die Stadt Düsseldorf hat die Bedeutung des Bildes nicht immer so gesehen“, erklärte die Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, Britta Kaiser-Schuster. Die WZ ging den Irrwegen nach.

Das Bild war ein Auftragswerk der Johanna Ey an ihren besten Freund und Künstler. Sie verkaufte es an den berühmten Sammler Hermann Lange in Krefeld. Um 1985/86 bis etwa 1990 hing es als Dauerleihgabe im Kunstmuseum, wo es dem damaligen Direktor Hans Albert Peters zum Kauf angeboten wurde. Peters aber fand das Werk so „provinziell“, dass er den Ankauf ablehnte.

Dies bestätigt Wolfgang Wittrock, der einst eine berühmte Galerie in Düsseldorf führte und letztlich das Bild an die Kunstsammlung vermittelte. Er erklärt auf Anfragen, Peters habe sich „absolut dämlich verhalten“ gegenüber der Familie des Besitzers und gegenüber dem Bild. Aber auch am Grabbeplatz gab es Schwierigkeiten durch Werner Schmalenbach. Der berühmte Kunstpapst sah nach Auskunft seines ehemaligen Geschäftsführers Theo Janisch die Qualität des Bildes nicht. Er verhinderte sogar, dass der Freundeskreis aktiv wurde. Das Gemälde kam „durch die Hintertür“ und „mit viel Diplomatie“ dann doch ins Haus, so Wittrock. Daran beteiligt war Armin Zweite, der sogar Geld mitbrachte, denn der inzwischen pensionierte Kunstsammlungschef ist heute Vorsitzender des Stiftungsrats der Ernst von Siemens Kunststiftung. An der Finanzierung waren außerdem auch die Kulturstiftung der Länder und das Land NRW beteiligt.

Das Bild der Johanna Ey von Otto Dix in voller Größe. Walter Klein (c) VG Bild Kunst