„Jeder kann Programmieren lernen“

„Jeder kann Programmieren lernen“

In der Düsseldorfer Codingschule können Kinder und Erwachsene Programmieren lernen. Wir haben mit der Gründerin Güncem Campagna gesprochen.

Düsseldorf. Güncem Campagna (44) hat eine Mission. Sie will Kindern und Jugendlichen den Zugang zu digitaler Bildung verschaffen. Dafür hat sie die Codingschule gegründet. Was als kleine Initiative begann, um Schülern das Programmieren beizubringen, ist mittlerweile ein erfolgreiches kleines Unternehmen, das über Spenden und Sponsoring finanziert wird. Campagnas Ansatz: Jeder soll Zugang zu digitaler Bildung haben. Deswegen funktioniert die Teilnahme an Workshops auch nach dem Motto „Zahl so viel es Dir wert ist!“. Wir haben mit Güncem Campagna gesprochen.

Frau Campagna, wie kam es zur Idee, eine Codingschule zu gründen?

Güncem Campagna: Ursprünglich hatte ich die Idee, Frauen für Start-Up-Gründungen fit zu machen. Wenn ich das kann, dann können andere das auch, dachte ich mir. Erstaunlicherweise werden auch heute nur dreizehn Prozent der Start-Ups von Frauen gegründet. Ich habe recherchiert, woran das liegt. Ein Grund hierfür ist, dass Frauen sich oft nicht für technische Themen interessieren. Ich möchte ihnen die Skills an die Hand geben, damit sie souverän mit den Herausforderungen umgehen können. Doch aller Anfang war schwer und das Konzept ging nicht auf. Als ich 2016 dann einen Coding-Workshop beim „Girls Day“ für Mädchen organisiert habe, wurde mir die Richtung klar, in die ich gehen wollte.

Was ist das Konzept der Schule?

Campagna: Jeder kann Programmieren lernen, davon sind wir überzeugt. Uns ist besonders wichtig, dass wir die Teilnehmer spielerisch und mit Spaß an digitale Themen heranführen und Hemmschwellen senken.

Warum ist digitale Kompetenz so wichtig?

Campagna: So gut wie jeder Beruf erfordert jetzt schon digitale Kompetenzen, aber leider sind Schulen in Deutschland nur ungenügend auf die digitale Berufswelt eingestellt. Aus Gründen der Bildungsgerechtigkeit gehört digitale Bildung aber auf jeden Fall in die Schule. Wir versuchen unser Lehrangebot möglichst vielen Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen.

Woran orientieren Sie Ihre Teilnahmegebühren?

Campagna: Wir versuchen unsere Teilnahmegebühren möglichst niedrig zu halten. Das geht aber nur mithilfe von Unterstützung durch Partner. Zum Beispiel unterstützt uns InVision mit dem „Girls Club“ und einer Codingwerkstatt, an der Eltern mit Kindern teilnehmen können. Die Teilnahme ist gegen Spende möglich, so dass wirklich jeder mitmachen kann

Wie sieht die Bilanz nach einem Jahr aus?

Campagna: Was als Workshop für Jugendliche begann, ist mittlerweile zu einem Kursprogramm mit verschiedenen Formaten für mehrere Zielgruppen angewachsen. Seit unserem ersten Workshop haben wir über 90 Workshops und Kurse mit über 1000 Teilnehmern durchgeführt. Die Schule ist gewachsen. Wir haben viele schöne Projekte realisieren können. Beispielsweise haben Kinder und Erwachsene gemeinsam Game-Controller aus Tupperware gebaut und eigene Spiele programmiert. Oder wir haben ein Smart Home imitiert, indem wir Legohäuser mit Sensoren ausgestattet haben.

Haben Sie schon Ideen für neue Projekte?

Campagna: Ab September geht es los mit Kursen für Erwachsene. Ein besonderes Herzensprojekt der Schule ist aber nach wie vor auch die dreimonatige Kursreihe für Mädchen. In unserem „Girls Club“ lernen sie Programmieren und gleichzeitig dabei ihre kreative und künstlerische Ader ausleben.

Die Kursreihe „Girls Club“ startet am 3. November, die nächste Coding-Werkstatt findet am 22. September statt. Kontakt: www.codingschule.de, E-Mail: kontakt@codingschule.de. Für die Kurse müssen sich die Teilnehmer im Vorfeld anmelden. Empfehlenswert ist mindestens einen Monat vorher.

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