Integration ist gelebte Praxis in der Bäckerei Hinkel in Düsseldorf

Unternehmensphilosophie : Integration ist gelebte Praxis in der Bäckerei Hinkel in Düsseldorf

Menschen aus verschiedensten Ländern arbeiten zusammen in der Backstube von Josef Hinkel. Sie kommen nach Düsseldorf, um hier das traditionelle Handwerk zu lernen. Und das ist schon seit Generationen so.

Der Bäckermeister Hiwa Gafur schneidet konzentriert eine lange, gefaltete Teigrolle in gleich große Stücke. Gegenüber wiegt Junko Kanaya Mehl ab und schüttet es in einen großen Bottich, in dem Brotteig angerührt wird. In dem Familienbetrieb an der Hohe Straße 31 werden Brot, Brötchen und Gebäck noch traditionell hergestellt: Zutaten werden einzeln gewogen, von Hand geknetet und dann gebacken. Hiwa Gafur und Junko Kanaya arbeiten schon lange in der Bäckerei Hinkel in der Düsseldorfer Innenstadt, beide haben einen Migrationshintergrund.

Das traditionelle Handwerk ist ein Grund, warum Menschen aus dem Ausland nach Düsseldorf kommen, um in der Bäckerei Hinkel zu lernen. Im kommenden August beginnen zum Beispiel wieder drei Japanerinnen eine Ausbildung. Auch Junko Kanaya stammt aus Japan, wo sie bereits als Bäckerin gearbeitet hatte. Vor 20 Jahren kam sie nach Düsseldorf, um eine Lehre in der Bäckerei Hinkel zu machen. „Ich wollte mal etwas anderes sehen. Mein Ziel war es, den Meister zu machen“, sagt Junko Kanaya. Den Titel hat sie schon lange in der Tasche, doch sie ist in Düsseldorf geblieben. Eine Rückkehr nach Japan verhinderte die Liebe zu einem Bäckermeister, mit dem sie inzwischen zwei Kinder hat.

Seit Generationen gehört die Zuwanderung zum Betrieb

Von etwa 100 Mitarbeitern der Firma Hinkel haben derzeit 12 einen Migrationshintergrund. Sie kommen nicht nur Japan, sondern auch aus Afghanistan, Guinea, Bulgarien, dem Irak und der Türkei. „Es ist gelebte Praxis im Rheinland, Menschen zu integrieren“, sagt Josef Hinkel, der die Bäckerei in vierter Generation leitet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kamen Flüchtlinge aus Schlesien, später waren es Italiener und Polen, die Arbeit in Düsseldorf suchten. Seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 hat Hinkel Mitarbeiter aus Afghanistan und aus Guinea.

Einige Mitarbeiter, die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen waren, haben sich in Düsseldorf eine neue Existenz aufgebaut. „Im Golfkrieg haben zwei Iraker hier gearbeitet“ sagt Hinkel. Der eine betreibt jetzt eine Bäckerei in Bagdad, er kommt aber einmal im Jahr zu Besuch nach Düsseldorf. Der andere, Hiwa Gafur, arbeitet noch immer bei Hinkel - seit 17 Jahren.

„Mir gefällt das Arbeitsklima hier“, sagt Hiwa Gafur in einem leicht rheinischen Singsang. „Wenn der Chef durch die Backstube geht, begrüßt er jeden.“ Aber das allein ist es nicht, warum Gafur voll des Lobes für seinen Vorgesetzten ist. „Er denkt an uns, hört zu, wenn man Probleme hat und hilft, wenn man Hilfe braucht.“ In den ersten fünf Jahren in Deutschland hatte Gafur, der eine Ausbildung als Dreher hat, „überall gearbeitet“, aber nirgendwo einen Chef wie Josef Hinkel erlebt.

„Es ist wichtig, dass die Menschen, die zu uns kommen, in die Gesellschaft eingebunden werden“, sagt Josef Hinkel. Das gelte vor allem für junge Männer. Der ehemalige Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval hat sehr gute Erfahrungen mit Mitarbeitern aus anderen Ländern gemacht: „Sie kommen meist aus Familien, sind gut sozialisiert, intelligent und arbeiten gut im Team.“ Unterschiedliche Religionen seien kein Thema, auch nicht während des Ramadans, wenn einige Mitarbeiter fasten. Seine Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind „Leistungsstützen und Leistungsträger“ der Bäckerei. Für Josef Hinkel ist ganz klar: „Sie gehören zum Team Hinkel.“

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