1. NRW
  2. Düsseldorf

Ein "schwarzer Tag" am Flughafen Düsseldorf

Ein "schwarzer Tag" am Flughafen Düsseldorf

Am Airport war der Schock überall zu spüren. Alle Fernseher wurden abgeschaltet, dennoch gab es kein anderes Thema.

<

p class="text">

Düsseldorf. Dienstag, kurz nach 12 Uhr in der Ankunftshalle des Düsseldorfer Flughafens: Auf den ersten Blick wirkt hier alles wie an einem ganz normalen Tag. Plötzlich betritt eine junge Frau die Halle, bricht in Tränen aus, fällt ihrem Begleiter in die Arme, ihr Körper zittert.

Wenige Momente später werden beide von einem Mitarbeiter in einen abgeschlossenen Bereich gebracht, dort warten bereits Rettungskräfte, Polizisten sichern die Tür. Die junge Frau und ihr Begleiter warteten an Gate 1. Dort hätte um 11.55 Uhr die Germanwings-Maschine 9525 aus Barcelona landen sollen. Zu dem Zeitpunkt steht jedoch längst fest, dass sie dort nie ankommen wird.

Noch ist Flug 9525 auf der Anzeigetafel zu sehen, doch langsam verbreitet sich die Nachricht von der Tragödie am Airport. Flughafen-Mitarbeiter tauchen am Gate 1 auf, eine Frau fragt in die Runde: „Wartet hier jemand auf den Flug aus Barcelona?“

Zunächst keine Antwort, doch im Laufe der nächsten Stunde kommen immer wieder Freunde und Angehörige von Passagieren an, die sofort aus der Halle geführt und im nahe gelegenen VIP-Bereich psychologisch betreut werden. 15 Mitarbeiter der Flughafen- und der Notfallseelsorge sind im Einsatz, um sich um Eltern, Geschwister oder Freunde zu kümmern, die an diesem Tag geliebte Menschen verloren haben.

Im Flughafen läuft derweil hinter den Kulissen das Krisenmanagement an. Im Verwaltungsgebäude wird eine Pressekonferenz anberaumt. Die wartenden Journalisten verfolgen auf einer Leinwand eine Sondersendung im TV. Erstmals ist dort von einem Absturz aus Flughöhe die Rede, von einem achtminütigen Sinkflug. Und auch davon, dass es keine Hoffnung auf Überlebende gibt.

Um 14 Uhr, mit einer Stunde Verspätung, betritt Flughafen-Pressesprecher Thomas Kötter den Raum. Er bestätigt zu dem Zeitpunkt noch nichts von alledem. „Wir haben um 11.30 Uhr die Information bekommen, dass die Maschine vom Radar verschwunden ist. Wir haben einen Krisenstab eingerichtet und Notfallseelsorger im Einsatz.

Vielmehr kann ich Ihnen im Moment nicht sagen.“ Florian Grenzdörffer ist Sprecher von Lufthansa in NRW. Er sagt, was man in einem Moment wie diesem wohl sagen muss: „Dies ist ein schwarzer Tag für die Luftfahrt.“

Durch die Abflughalle werden unterdessen Mitarbeiter geschickt: Sie verlangen, dass in Läden und Cafés sämtliche Fernsehbildschirme abgeschaltet werden: „Morgens saßen Leute noch hier, sahen die ersten Fernsehberichte und waren schockiert“, sagt eine Angestellte. Inzwischen ist der Bildschirm schwarz, eigentlich darf die Frau auch Journalisten keine Auskunft geben.

Eine Verkäuferin an einer Bäckereitheke erzählt, dass sie von ihrem Chef über den Absturz informiert wurde. „Er hat es im Radio gehört. Ich weiß selber nichts. Es ist schrecklich.“ Zeitgleich ist am Check in von Germanwings — ganz am Ende der Abflughalle — ein großes Aufgebot von Polizei aufgelaufen, ein Mann ruft: „Es geht uns einfach nur Sch. . .!“ in sein Handy und legt auf. Die Abfertigung läuft zu dem Zeitpunkt noch normal weiter. „Versuchen Sie an etwas Anderes zu denken, es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen.“

Die Stimmung am Schalter wirkt sehr gedrückt, Mitarbeiter äußern sich nicht zu dem Unglück. Ein Pärchen kommt gerade an, die Frau macht ein sehr besorgtes Gesicht und wendet sich direkt an eine Ansprechpartnerin der Airline, sie spricht den Absturz an: „Versuchen Sie an etwas Anderes zu denken, es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen“, versucht diese zu beruhigen. Die Frau, ihren Namen will sie nicht sagen, fliegt ohnehin nicht gern, jetzt stehen ihr Angst und Verwirrung ins Gesicht geschrieben.

Inzwischen hat sich die Tragödie scheinbar am gesamten Flughafen herumgesprochen. „Die Stimmung ist sehr gedrückt“, sagt ein Flughafenmitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen möchte. In der Ankunftshalle wartet eine Gruppe mit bunten Luftballons auf Reisende. Ein junger Mann hält einen großen Strauß Rosen in der Hand.

„Ich hätte nie gedacht, dass so etwas mitten in Europa passiert. Das war immer alles so weit weg“, sagt eine Frau, die auf ihre Schwester wartet. „Ich fliege selbst in einigen Wochen in den Urlaub. Bis jetzt hatte ich noch nie Angst vorm Fliegen. Jetzt gerade fühlt sich der Gedanke aber schon merkwürdig an.“