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Stadt will weniger Lärm auf Bolkerstraße

Stadt will weniger Lärm auf Bolkerstraße

Wegen dröhnender Musik vor einigen Kneipen werden Lautsprecher verboten. Mehrzahl der Wirte begrüßt das Vorgehen.

Düsseldorf. „Die Entwicklung des Lärms an der Bolkerstraße ist an einen Punkt gelangt, an dem wir gegensteuern müssen“: So leitet Ordnungsdezernent Stephan Keller am Dienstag seine Erklärung ein, warum die Stadt ab sofort auf der Partymeile das Projekt mit dem etwas schrägen Titel „Dem Lärm die Spitze nehmen“ fährt. Konkret: Die Dauerbeschallung durch Boxen, die direkt draußen auf der Straße oder in offenen Fenstern stehen, soll ein Ende haben: „Open-Air-Lautsprecher sind nicht mehr zulässig“, sagt Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann.

Tatsächlich waren sie das noch nie, doch hat das Ordnungsamt das laute Treiben bislang geduldet. Jetzt aber habe es immer mehr Beschwerden über immensen Krach bis tief in die Nacht gegeben. Daraufhin hat der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) Messungen im November und Dezember, also eigentlich ruhigeren Monaten in der Altstadt, gemacht. Keller: „Dabei kamen Werte von 85 Dezibel raus, das ist so laut, als ob ein voll beladener Güterzug vor der Haustür vorbeirast.“

Nun geht es nicht um die ganze Bolkerstraße, sondern um die berüchtigte Ecke zur Mertens- und Kapuzingergasse mit den Hard-Rock-Kneipen Engel und Auberge sowie Discos wie Oberbayern, Kuhstall oder Lion. Von dort wird die Musik teilweise auf die Straße „gedröhnt“, um das entsprechende Publikum anzulocken.

Keller und Zimmermann betonen immer wieder, dass die Stadt maßvoll vorgehen werde, dass man weiterhin Toleranz walten lasse, denn natürlich müsse die Altstadt ein lebendiger Feier-Ort bleiben. Fußball-TV-Übertragungen sind weiter auch draußen erlaubt und man soll dort schon noch hören können, welches Lied drinnen gerade laufe. Und überhaupt: Die Vorschriften des Imissionsschutzgesetzes habe man noch nie hundertprozentig durchgesetzt, „sonst müssten wir die ganze Altstadt längst dichtmachen“, sagt Zimmermann.

Geschützt werden sollen vor den Lärm-Auswüchsen Anwohner (in der Altstadt leben immerhin noch 2000), aber auch solche Gäste, die es gerne etwas ruhiger hätten. Denn die Altstadt müsse weiter für alle da sein, also auch für die Besucher, die draußen sitzen und ihr eigenes Wort noch verstehen wollten. Keller: „Beendet werden muss der Verdrängungswettbewerb per Bass-Regulierung.“ Heißt: Manche Läden drehten die Musikanlagen so weit auf, dass auch andere Kneipen gemieden würden.

Deswegen begrüßt auch Isa Fielder als Sprecherin der Altstadtwirte ausdrücklich die neue Gangart: „Die ist mit uns abgesprochen und richtig. Wir müssen die Qualität in der Altstadt sichern und ausbauen — und dafür muss die Party wieder etwas weg von der Straße und hinein in die Kneipen und Discos kommen.“ Fiedler gibt jedoch zu, dass das auf der Bolkerstraße nicht alle Wirte so sehen: „Aber auch dort ist mehr als die Hälfte für die Lärmregulierung.“ Ob die anderen gegen die Ordnungsverfügungen klagen, wird man sehen. Die Stadt sei da rechtlich „gut aufgestellt“, so Keller.

Also hört der OSD nun strenger hin — und greift, falls notwendig, ein. Betroffenen Gastwirten drohen zunächst Geldbußen ab 1000 Euro und im äußersten Fall die Schließung ihres Ladens.