Bauland-Offensiven lindern Wohnungsnot in NRW vorerst nicht

Nordrhein-Westfalen : Bauland-Offensiven lindern Wohnungsnot vorerst nicht

Land und Bezirksregierung suchen mit Hochdruck Flächen, letztere legt Ideen für „Mehr Wohnbauland am Rhein“ jetzt offen.

Das Hauptrezept der Landesregierung gegen Wohnraummangel und hohe Mieten lautet: bauen. Die Frage dabei ist aber: wo? Mit der Initiative „Bauland an der Schiene“ will das Bauministerium bereits mehr als 2500 Hektar potenzielles Bauland in NRW aufgespürt haben, die Bezirksregierung Düsseldorf hat im Programm „Mehr Wohnbauland am Rhein“ rund 100 mögliche neue Wohnflächen mit insgesamt 1500 Hektar allein in der Region zusammengestellt, die jetzt öffentlich diskutiert werden. Doch ein näherer Blick offenbart: Mindestens kurz- bis mittelfristig wird das den Markt nicht entspannen.

Die Programme von Land und Bezirksregierung laufen voneinander getrennt. Das Ministerium verrät nicht, welche Potenzialflächen für „Bauland an der Schiene“ mit ÖPNV-Anbindung an die Ballungszentren ins Auge gefasst werden. Ein Beispiel, das jetzt mit „Mehr Wohnbauland am Rhein“ in den neuen Regionalplan einfließen soll, dürfte wegen der Nähe zur S-Bahn aber auch für diese Landesinitiative eine Rolle spielen:    33 Hektar am Asbruch in Wuppertal – bisher Grünland und landwirtschaftliche Fläche. Vor Ort schlug der Vorstoß hohe Wellen, auch im benachbarten Velbert. „Wir haben die Sorge, dass nach und nach alles zugebaut wird“, sagt die Wuppertaler Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD). Zumal es im Steckbrief der Bezirksregierung zum Gebiet heißt, die „voraussichtlichen erheblichen Umweltauswirkungen“ einer Bebauung würden wegen des hohen Flächenbedarfs in Kauf genommen.

Auch den Wuppertaler Landtagsabgeordneten Dietmar Bell (SPD) hat die Idee zu Wohnen am Asbruch „überrascht“. Er hält es „für völlig ausgeschlossen“, dass es dafür politische Mehrheiten im Stadtrat gebe. „Da werden Flächen auf den Markt geworfen, die gar keiner bebauen will“, glaubt er. Solche angeblichen Potenzialflächen seien „Rohrkrepierer“.

Bauministerium: „So schnell galoppieren die Pferde nicht“

Doch selbst, wo die Stadt eine Erschließung ausdrücklich wünscht, geht es jetzt nicht schnell. Das zeigt der Blick auf Ratingen, wo eine Wohnbebauung im Viertel, das man „Neue Mitte Breitscheid“ (fast 90 Hektar) nennt, „durchaus erwünscht“ ist, so Stadtsprecherin Ulrike Trimborn. Man wolle im Zuge der Regionalplanänderung zumindest eine Potenzialfläche dort anmelden. Aber: „Die Mühlen mahlen sehr langsam“, erklärt sie. Die Planung „betrifft die nächsten 20 Jahre“.

Das weiß man auch im Landesbauministerium. „So schnell galoppieren die Pferde nicht“, räumt man auf Anfrage ein. Plan hinter „Bauland an der Schiene“ ist es, Kommunen finanziell bei der Planung neuer Wohngebiete zu unterstützen und diese direkt mit dem Nahverkehr zu vernetzen. Die identifizierten Potenzialflächen seien gar nicht grundlegend neu, heißt es auf Anfrage, sondern „mit ganz wenigen Ausnahmen“ schon im Regionalplan aufgenommen. Nur reichten theoretisch bebaubare Flächen eben nicht aus: „Entscheidend sind heute und in der Zukunft die tatsächlich bebaubaren Flächen.“ Und auch wenn der Weg dahin lang ist und naturgemäß von Kritik begleitet: Das letzte Wort habe die jeweilige Stadt – „dies ist ihr grundgesetzlich garantiertes Recht“.

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