Grundwasser wird knapp in Krefeld

Versorgung : BUND warnt: In Krefeld wird das Grundwasser knapp

Mindestens 37 Millionen Kubikmeter werden jährlich gefördert – mehr als neu entstehen kann. Fehlender Niederschlag, Hitzeperioden und die fortschreitende Versiegelung von freien Flächen verschärfen das Problem.

Aufstehen, Duschen, Zähne putzen, eine Tasse Kaffee oder Tee – jeder Mensch verbraucht im Durchschnitt täglich 128 Liter Wasser – wie es die Niederrhein-Wasser GmbH vorrechnet. Trinkwasser ist für den Menschen unverzichtbar. Doch auch die Landwirtschaft ist täglich auf Wasser angewiesen sowie Gewerbe- und Industrie, zum Kühlen, Wärmen, Veredeln und vieles mehr. Wasser gibt es jedoch auch am Niederrhein nicht unbegrenzt.

„Angesichts anhaltender Trockenheit, Wassermangel, zunehmender Baumschäden und Klimawandel und vor dem Hintergrund der zahlreichen, geplanten Versiegelungen von Flächen für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung in Krefeld sind unseres Erachtens weitere Maßnahmen zum Schutz des lokalen Grundwassers notwendig“, betont Angelika Horster vom BUND Krefeld. Sie fordert Oberbürgermeister Frank Meyer in einem Schreiben auf, keine weiteren Entnahmerechte auszusprechen, kostbares Trinkwasser einzusparen, weitere Versiegelungen der Flächen für neue Wohngebiete abzulehnen sowie in Krefeld stärker aufzuforsten, da Bäume Feuchtigkeit speichern und wieder abgeben können. Des Weiteren solle das Wasserversorgungskonzept der Stadt überarbeitet und öffentlich diskutiert werden.

Von Starkregen kommt nur wenig im Boden an

Notwendig wird das laut Horster, weil in Krefeld inzwischen mehr Grundwasser entnommen würde als sich neu bilden kann. Der Niederrhein ist bekannt für seinen hohen Grundwasserspiegel. Die lang anhaltende Trockenheit bereits im vergangenen Jahr und die übermäßigen Entnahmen an Grundwasser wirken sich jedoch aus. Trotz zunehmender Starkregen versickere immer weniger in den ausgetrockneten und verdichteten Böden. Außerdem wird ein Großteil des Regens über die Kanalisation in die Kläranlagen geleitet. Ein Blick auf die Seite des Dürremonitors Deutschland zeigt tagesaktuell den Zustand des Bodens. Während andere Gebiete noch orange eingefärbt sind, ist der Niederrhein rot bis dunkelrot für extreme bis außergewöhnliche Dürre.

Der BUND hat sich bundesweit des Themas Grundwasserschutz vor Ort angenommen. Angelika Horster hat dazu über das Wasserbuch beim Regierungspräsidenten Düsseldorf Einblick in die Wasser-Entnahmerechte Dritter in Krefeld genommen. Das zu führen ist laut Wasserhaushaltsgesetz Pflicht. Danach werden von den Stadtwerken Krefeld (SWK), der Industrie, der Landwirtschaft und Gartenbaubetrieben rund 37 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr entnommen. Aufgeschlüsselt sind das etwa 17 Millionen für Industrie/Gewerbe, 19,4 Millionen für die Trinkwassergewinnung und 450 000 Liter für die landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung. „Mit jeder Produktionsausweitung und Neuanlage steigt in der Regel der Bedarf“, sagt Horster. Aktuell laufe ein Verfahren des Stärkeproduzenten Cargill, der eigene Brunnen auf dem früheren Kasernengelände der Flusspioniere der Bundeswehr im Rheinhafen betreibe.

Wasserbuch scheint nicht vollständig zu sein

Inzwischen hat die Expertin Hinweise dafür, dass das Wasserbuch nicht vollständig ist: „Und davon auszugehen ist, dass noch sehr viel mehr Entnahmerechte bestehen.“ Bei den Hausbrunnen im privaten Bereich wie auch in der Industrie. Auch gebe es Widersprüche zum 61 Seiten umfassenden Wasserversorgungskonzept 2018, das bislang nur als Entwurf vorliegt. Bereits im Jahr 2001 sei die Grundwasserneubildungsrate um die Wassergewinnungsanlage In der Elt ausgeschöpft gewesen. „Und trotzdem werden immer weiter Entnahmebewilligungen und -erlaubnisse ausgesprochen; so kann es nicht weitergehen“, sagt Horster.

Um für das Thema zu sensibilisieren, hat der BUND Krefeld das Umweltministerium des Landes NRW ebenso angeschrieben wie Oberbürgermeister Frank Meyer. Die immer noch fehlenden Wasserschutzgebietsausweisungen (Verordnungen) für die Wassergewinnungsanlagen Forstwald und In der Elt haben die Umweltschützer dazu bewogen. Während das Ministerium bereits geantwortet hat und seine Antworten im Laufe des August ankündigt, hat sich die Stadt Krefeld bislang nicht dazu geäußert und auch nicht auf die Anfrage unserer Zeitung zu dem Thema reagiert.

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