Obama zeigt Iran den Olivenzweig

Obama zeigt Iran den Olivenzweig

Nach fast 30 Jahren eisiger Beziehungen könnte das strategisch wichtige Verhältnis zwischen den USA und dem Iran vor einer Wende stehen. Obwohl die Videobotschaft, die US-Präsident Barack Obama anlässlich des persischen Neujahrsfests Ayatollah al Chamenei übersandte, zunächst auf Misstrauen und Skepsis stieß, lässt sie dennoch Hoffnung aufkommen.

Nun liegt es an beiden Seiten, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen. Eine erste Gelegenheit dazu könnte sich bereits auf dem bevorstehenden Afghanistan-Gipfel ergeben, auf dem Obamas Chefdiplomatin Hillary Clinton mit ranghohen Vertretern aus Teheran zusammentreffen soll.

Als am 4. November 1979 iranische Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran stürmten, rissen die Geiselnehmer zugleich eine tiefe Kluft in den bilateralen Beziehungen auf. Seitdem waren sich alle US-Präsidenten in ihrer Ablehnung des Iran einig. Es gab keine diplomatischen Kontakte oder Wirtschaftsbeziehungen.

Das soll nun anders werden. Obama hat einen "Neubeginn" angeboten und sogar ein Gipfeltreffen mit dem Staatsoberhaupt in Aussicht gestellt. Dass die Geste mit Skepsis aufgenommen wird, ist insofern verständlich, als die USA dem Iran nach wie vor nukleare Ambitionen ebenso wie die aktive Unterstützung terroristischer Aktivitäten unterstellen. Hinter Obamas "Samthandschuh", so al Chamenei, könnte sich nämlich eine "gusseiserne Faust" verbergen.

Barack Obama ist gewiss nicht blauäugig. Deswegen verordnete er auch kürzlich die Verlängerung der Handelssanktionen. Gleichzeitig aber kündigte er an, dass Kontakte zwischen Diplomaten wieder denkbar seien, und zwar auf allen Ebenen. Das ist ein Olivenzweig, den die Führung in Teheran auf keinen Fall ablehnen sollte.

Mit seiner diplomatischen Offensive stößt Obama allerdings im eigenen Land auf Kritik, da vor allem Republikaner meinen, er hänge sich zu weit heraus. Doch seit drei Jahrzehnten ist jeder andere Ansatz eines US-Präsidenten gescheitert. Ausgewogene Diplomatie könnte tatsächlich die beste Chance sein, dem Mullah-Regime in die Karten zu schauen und sowohl dem Nuklearprogramm als auch den Verbindungen zu Terroristen auf den Grund zu gehen.

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