Hoeneß’ merkwürdiges Rechtsverständnis

Hoeneß’ merkwürdiges Rechtsverständnis

Der 62-Jährige gibt Bayerischen Verdienstorden zurück.

Uli Hoeneß hat viel Häme ertragen müssen. Vielleicht ist das eine Erklärung für jenen merkwürdigen Vorgang, der sich dieser Tage im Süden der Republik zugetragen haben muss: Durch die Hände seiner Frau Susanne sei der 2002 an Hoeneß verliehene Bayerische Verdienstorden zurück an die Staatskanzlei gegangen. Der 62-Jährige mag nicht mehr zu denen gehören, die seit 1957 vom Freistaat ausgezeichnet worden sind. Mag nicht mehr Bestandteil dieses streng limitierten und exklusiven Kreises von 2000 lebenden Ordensträgern sein.

Viel mehr als die Rückgabe an sich, die man zunächst als Akt der Einsicht zu werten versucht war, weil er als Steuersünder von Gewicht der Auszeichnung nicht mehr würdig sein könnte, verwundert die Begründung: Offenbar fühlt Hoeneß sich ungerecht behandelt und will auf Abstand zu Ministerpräsident Horst Seehofer und Politikern gehen. Was von einer merkwürdigen Sicht auf das Verhältnis von Staat und Justiz zeugen würde: Dass nämlich der Staat Einfluss auf den Urteilsspruch hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Wohl hoffentlich auch in Bayern.

Offenbar will der Mann, der die Republik im zu Ende gehenden Jahr wie kaum ein anderer bewegt hat, noch vor seiner Rückkehr als Freigänger an seinen Arbeitsplatz beim FC Bayern ein Zeichen setzen: Seht her, ich bin wieder da. Gebrochen habt ihr mich nicht. Dass die Persönlichkeit des ewigen Angreifers nicht viel weniger als solche Hybris vorsieht, davon musste man ausgehen. Hoeneß hatte schon vor seinem Gang hinter die Gefängnismauern gegenüber den Mitgliedern des FC Bayern seine tatkräftige Rückkehr angekündigt. Einsicht oder Reue ließ sich seit jeher kaum erkennen: Jeder, der über Besuche bei Hoeneß berichtete, erzählte von einem mental geordneten Mann. Das darf auch erfreuen, aber das alles ist ein Vorgeschmack auf das, was Hoeneß planen könnte: Wieder anzugreifen, wieder machtvoll zu sein. Nicht leise und demütig, sondern laut und auch ein wenig rachsüchtig. Die spannende Frage wird sein, inwiefern der FC Bayern seinem ehemaligen Präsidenten künftig diesen Raum noch gewähren wird. Der Verein ist ganz gut ohne ihn ausgekommen.