Bezirk 9: Der Süden kämpft um seine Blaumann-Arbeitsplätze

Bezirk 9: Der Süden kämpft um seine Blaumann-Arbeitsplätze

Beim Lärm und Hochwasserschutz sind 2011 neue Lösungen für alte Probleme in Sicht. Nur der Jugendclub in Himmelgeist lässt auf sich warten.

Düsseldorf. In Himmelgeist am Scheitenwege ist zurzeit die größte Erdbaustelle des Stadtbezirks 9. An der Seitenstraße der Ickerswarder Straße entsteht ein neues Wohngebiet. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen. Vor ihren Wohnhäusern liegt eine große Baustelle für Supermarkt und Kindergarten.

Die ebenso notwendige Jugendfreizeiteinrichtung lässt aber noch auf sich warten, sie ist erst für den dritten Bauabschnitt geplant — also frühestens in drei bis fünf Jahren. Bis dahin werden rechts und links der Ickerswarder Straße 550 Wohneinheiten entstanden sein.

Umso ärgerlicher ist es, dass die dringend notwendige Erweiterung der Himmelgeister Grundschule nicht vorankommt. Die Bezirkspolitik hat längst einen Sachstandsbericht gefordert, doch kommen soll er erst in diesem Jahr. „Uns Stadtteilpolitikern sind die Hände gebunden, wir können immer nur nachfragen, was die Verwaltung tut“, sagt Bezirksvorsteher Heinz-Leo Schuth (CDU).

Das Prinzip Nachfragen, Nachhaken und Fordern ist für den „Bezirksbürgermeister“, der über 25 Jahre der Bezirksvertretung angehört, davon elf Jahre im Amt des Bezirksvorstehers, politischer Alltag. Und ein langer Atem gehört auch dazu. „2011 werden zwei alte Probleme wieder in Angriff genommen“, sagt Schuth.

Denn aktuell auf der Tagesordnung stehen wieder der Deichschutz in Himmelgeist und der Lärmschutz an der A 46. „Ich gehe davon aus, dass 2011, spätestens 2012, neue Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden und der alte, marode Lärmschutzwall auf der Werstener Seite ausgebessert wird“, sagt er.

Angesichts der Schneemassen, die sich am Rhein und seinen Nebenflüssen angesammelt haben, kann es sehr schnell zu einer Hochwasserwelle kommen. Die letzte im Jahr 1995 (damaliger Pegelstand 10,32 Meter) ist Schuth und allen Himmelgeistern noch in unguter Erinnerung. Die Nikolausstraße musste provisorisch durch Sandsäcke geschützt werden, die Nikolauskirche war fast komplett vom Rhein umspült. Damit das nicht wieder passiert, wurde eine zwei Meter hohe Hochwasserschutzmauer geplant, gegen die die Anwohner allerdings erfolgreich klagten. Die Mauer hätte ihnen auf Dauer die Sicht versperrt.

Jetzt gibt es einen Kompromiss: Die feste Hochwasserschutzmauer wird nur noch 1,20 Meter hoch. Bei steigendem Wasserstand wird sie durch mobile Elemente erhöht. Entsprechende Pläne wurden im Dezember 2009 bei der Bezirksregierung eingereicht, doch die Prüfung zog sich über ein Jahr hin. Jetzt soll im Februar/März die so genannte Öffentlichkeitsbeteiligung beginnen — was dem offiziellen Start für das Planfeststellungsverfahren entspricht. Frühestens 2012 werden dann die Bagger in Himmelgeist anrücken.

Auch die Klagen über den Verkehrslärm an der A 46 zwischen dem Werstener Tunnel und dem Universitätstunnel beschäftigt seit kurzem wieder die Verwaltung. Dabei sind sie so alt wie die Autobahn — nämlich fast 25 Jahre.

2010 hat eine neu gegründete Bürgerinitiative die alten Forderungen nach mehr Lärmschutz wieder aufgegriffen und im Rahmen des von der Bezirksregierung angestrebten Lärmminderungsplanes einen Maßnahmenkatalog ausgearbeitet. Ihre Forderungen: konsequente Überwachung des bestehenden Tempolimits von 80 km/h, die Auftragung von Flüsterasphalt und eine Auskleidung der Tunnel mit schalldämmenden Materialien.

Die Nachricht der Schließung von Krupp Nirosta an der Hildener Straße war für den Süden eine Hiobs-Botschaft. „Es fallen in Benrath nicht nur über 500 Arbeitsplätze weg — mit den entsprechenden Auswirkungen auf das ökonomische Umfeld“, sagt Schuth. Damit beim Abzug des Betriebes in sechs Jahren keine weitere Industriebrache entstehe, müsse schon jetzt überlegt werden, wie man die Immobilie zukunftsfähig und dem Gemeinwohl verpflichtet einer anderen Verwendung zuführen kann. „Riesige Brachflächen haben wir im Süden Düsseldorfs genug“, ergänzt er.

Da ist schon das Gelände von Stora Enso an der Bonner Straße, ehemals Feldmühle. Der Projektentwickler Segro hatte das abgeräumte Industriegrundstück erworben, um dort einen modernen Gewerbepark zu errichten. Der kürzlich angekündigte Baubeginn eines „Rheinparks“ mit Büros, Gewerbe- und Logistikhallen 2010 kam bisher nicht zustande. Jetzt redet man von einem Baubeginn 2011.

In der Paulsmühle — dem östlichen Stadtteil von Benrath — liegen weitere 100 000 Quadratmeter altes Industriegelände ungenutzt brach: Das inzwischen geräumte und zum Verkauf stehende Areal von ThyssenKrupp und das frühere BEA-Gelände, das an einen noch unbekannten Investor veräußert wurde. Einen neuen Rahmenplan gibt es, aber noch ist nichts konkret. Schuth: „Eine unbefriedigende Situation.“

Auch wenn es bei den Großprojekten stockt, so gibt es gute Fortschritte bei kleineren. Zum Beispiel bei Schuths „Sorgenkind“, der Kölner Landstraße, auf der es immer wieder zu Unfällen zwischen Straßenbahn und Fußgänger kommt, oft mit tödlichem Ausgang. „Wir haben viel getan, um die Straße sicherer zu machen“, sagt er. Überwege wurden umgebaut, in diesem Jahr folgt ein weiterer in Höhe der Straße „Hinter den Höfen“. „Aber das darf nicht der letzte Umbau sein“, so Schuth.

Zusätzlich hat er vor zwei Jahren die Aktion „Schulweghelfer“ ins Leben gerufen, bei der Arbeitslose und Rentner gegen eine Aufwandsentschädigung die Überquerung der Kölner Landstraße zu den Grundschulen am Rheindörfer Weg sichern. „Es wäre wünschenswert, wenn sich weitere Freiwillige für dieses Ehrenamt melden würden“, sagt er.

Für den Kamper Acker gab Manfred Krick vom Gartenamt die Zusage, dass in diesem Jahr das Regenrückhaltebecken auf dem Platz saniert wird. Dann können auch die Jugendlichen auf dem Deckel wieder Sport treiben. Festveranstaltungen wie das erfolgreiche Oktoberfest der Holthausener Vereine sind auf ihm weiterhin möglich.

Die aktuelle Radfahrverbotsregelung im Benrather Schlosspark steht weiterhin zur Diskussion. Die Politik möchte den Bedürfnissen der radfahrenden Schüler und anderer Parkbesucher dadurch Rechnung tragen, dass Radfahrer auch den Weg am westlichen Torhaus befahren können. Ein entsprechender Antrag wird geprüft.

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