EU: Verordnung - Mehr Wettbewerb bei Autos

EU: Verordnung - Mehr Wettbewerb bei Autos

Neue Regeln sollen künftig die Kosten für Reparatur und Wartung verringern.

Brüssel. Autobesitzer können sich nach Einschätzung der EU-Kommission auf niedrigere Rechnungen in der Kfz-Werkstatt freuen. Denn die Brüsseler Behörde hat neue Wettbewerbsregeln beschlossen, die dem Missbrauch der Marktmacht von Autoherstellern einen Riegel vorschieben sollen.

Die neue "Gruppenfreistellungsverordnung" (GVO) für die Autobranche könne zum Beispiel verhindern, dass Kunden letztlich genötigt werden, Wartung und Ölwechsel bei Vertragswerkstätten zu machen, um nicht ihre Garantie aufs Spiel zu setzen.

Er sei "fest davon überzeugt, dass der neue Rechtsrahmen spürbare Vorteile für den Verbraucher bringen wird, dass sich die Reparatur- und Wartungskosten verringern werden", sagt EU-Kommissar Joaquin Almunia.

Autohäuser und Kfz-Meisterbetriebe sehen das ganz anders. Sie können weder eine Stärkung unabhängiger Reparaturbetriebe noch Vorteile für den Kunden erkennen. Ganz im Gegenteil: Das Kfz-Gewerbe macht sich sogar Sorgen, dass der Wettbewerb sinkt.

Zum 1.Juni läuft die alte Gruppenfreistellungsverordnung - kurz: GVO - aus. Dieses komplizierte Rahmenwerk soll dafür sorgen, dass Autohersteller, Autohändler und Kfz-Werkstätten zusammenarbeiten können, ohne die Konkurrenz zu behindern oder sogar auszuschalten.

Die bisher geltenden Regeln haben dem Durchgriff der Autohersteller auf ihr Händlernetz sehr enge Grenzen gesetzt. Dadurch sollte es den Autohäusern unter anderem ermöglicht werden, auch konkurrierende Fahrzeugmarken unter ihrem Dach anzubieten.

Nach Einschätzung der EU-Beamten sind strenge Vorgaben für die Autokonzerne aber heute nicht mehr nötig, weil der Wettbewerb beim Neuwagenverkauf auch ohne sie prima funktioniere. Deshalb hat die EU-Kommission beschlossen, diese Regeln für den Verkauf in drei Jahren auslaufen zu lassen.

Ganz anders sieht es nach Brüsseler Einschätzung bei Ersatzteilen und Reparaturen aus. Dort nutzen die Hersteller alle möglichen Tricks, um ihre Kundschaft letztlich zu zwingen, die Inspektion oder den Wechsel defekter Teile ausschließlich bei den Vertragshändlern durchführen zu lassen.

Das Resümee der EU-Kommission: Autokäufer zahlen für einen Neuwagen zwar einen fairen Preis, aber für die Wartung in den darauf folgenden Jahren viel zu viel. Da Reparaturen und Ersatzteile im Laufe eines Autolebens unglaubliche 40 Prozent der gesamten Kosten ausmachen, könnten die Verbraucher einen dicken Batzen sparen, wenn echter Wettbewerb herrscht.

Der Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, also der Vertretung von Meisterbetrieben, Autohäusern und Werkstätten, hat allerdings arge Zweifel daran, dass sich die Wettbewerbssituation verändert.

Zugleich sind die Autohändler beunruhigt, was nach 2013 passiert, wenn die Schutzregeln für den Neuwagenverkauf auslaufen. Dadurch, so fürchten Deutschlands Autohäuser, werde die Position des Handels gegenüber Herstellern und Importeuren geschwächt.

Opel, VW & Co. könnten dann dafür sorgen, dass Autohäuser nur noch ihre Marke anbieten - und zudem mehr Druck ausüben, weil Mindestkündigungsfristen wegfallen. Im EU-Parlament gibt es Bedenken, dass darunter insbesondere kleine Händler auf dem Land leiden.