China: Freitod-Serie bei Foxconn

China: Freitod-Serie bei Foxconn

Kritik an Arbeitsbedingungen beim Elektronik-Hersteller.

Peking. Der weltweit größte Elektronik-Hersteller Foxconn sieht sich mit einer Serie von Selbsttötungen unter seinen Arbeitern konfrontiert. Gestern starb ein Mitarbeiter, nachdem er sich vom Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen gestürzt hatte, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Es war der neunte Todesfall dieser Art in der Fabrik in diesem Jahr. In einem Abschiedsbrief schrieb der 19-Jährige: "Ich habe keine Fähigkeiten. Ich bekomme, was ich verdiene." Es tue ihm leid, dass er nicht mehr länger für seinen Vater sorgen könne.

Der Freitod seiner Mitarbeiter stellt zum einen das Produktionsmodell des taiwanesischen Herstellers infrage, der Arbeit und Wohnen in Fabrikstädten vereint. Außerdem schädigen solche Nachrichten die Reputation von Weltmarken wie Apple, Dell, Hewlett-Packard, Nokia oder Sony, die allesamt bei Foxconn fertigen lassen.

Aktivisten machen vor allem die harschen Arbeitsbedingungen für die Selbsttötungen verantwortlich. "Das Unternehmen muss eine gründliche Untersuchung des Lebens an seinen Produktionslinien einleiten", forderte die in New York ansässige Organisation China Labor Watch, die Arbeiter zu den Selbsttötungen befragt hat.

"Wir sind extrem müde", berichten sie. "Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden." Dafür sei Konzentration nötig. "In jeder Schicht (zehn Stunden) fertigen wir 4000 Dell-Computer - alles im Stehen."

17 der 25 befragten Arbeiter führen die Freitode auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete. Arbeiter haben nur einen Tag pro Woche frei, legen dann oft noch Überstunden ein. Vor und nach der Schicht, die mit Überstunden zehn oder zwölf Stunden dauern, gebe es noch unbezahlte Mitarbeitersitzungen. Es wird der Mindestlohn von 900 Yuan (heute 107 Euro) monatlich bezahlt.

Es gibt auch Klagen über den Mangel an persönlichen Beziehungen zwischen den Beschäftigten, die in Wohnheimen auf dem Werksgelände unterkommen. Es sind kleine Städte mit Supermarkt, Restaurant und Internetcafé. In der Fabrik in Shenzhen, wo es die Freitod-Serie gab, arbeiten über 300000 Menschen. Die Arbeiter leben völlig isoliert, ohne soziales Netz. Eine Arbeiterin sagt: "Wir verbringen die Freizeit mit Schlafen und Surfen im Internet - wir gehen selten raus."

Der Vorsitzende der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, bestritt, dass schlechte Behandlung der Beschäftigten hinter den Selbsttötungen stecken könnte. "Foxconn ist kein Ausbeuter-Betrieb", sagte Terry Kuo. Das Unternehmen versuche, aktiv vorzubeugen. Details nannte er jedoch nicht.