Werder bestraft Schalker Schlafmützen

Werder bestraft Schalker Schlafmützen

Königsblau baut nach einer Führung mal wieder ab. Trainer Tedesco überrascht mit einer wenig schmeichelhaften Analyse: „Der Akku war leer.“

Gelsenkirchen. Ralf Fährmann hatte noch einen langen Abend vor sich. Nach dem 1:2 (1:0) gegen Werder Bremen war der Torhüter des FC Schalke 04 schließlich einer der gefragtesten Gesprächspartner. Der Grund lag auf der Hand. Mit seinem folgenschweren Fehler vor dem 1:1 hatte der 29-Jährige mit dafür gesorgt, dass die Bremer am Ende als glücklicher Sieger vom Platz gehen konnten.

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Nach einem Freistoß von Ludwig Augustinsson wollte Fährmann den Ball vor sich abprallen lassen, um diesem den überschüssigen Schwung zu nehmen. „Der war zu hart, um ihn zu fangen“, befand der Torhüter. Der Ball prallte aber zu weit nach vorne ab, was Max Kruse im Getümmel nutzte. „Es tut mir wahnsinnig leid für die Mannschaft, weil ich die Bremer damit wieder ins Spiel gebracht habe“, sagte Fährmann.

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Dieser Fährmann’sche Missgriff war allerdings bereits die zweite Slapstick-Einlage in dieser Begegnung. Zuvor hatte Werder-Torhüter Jiri Pavlenka bereits für eine Kuriosität gesorgt. Schalkes Yevhen Konoplyanka gelang nach 24 Minuten das überaus glückliche 1:0 per eigentlich harmlosem Distanzschuss, weil Pavlenka den Ball durch die Handschuhe rutschen ließ und die Kugel in Zeitlupentempo über die Torlinie trudelte.

Domenico Tedesco, Trainer des FC Schalke 04

Doch wie schon so häufig in dieser Saison zogen sich die Schalker nach der Führung, die ihnen eigentlich Selbstvertrauen hätte geben sollen, weit in die eigene Hälfte zurück. Die Spieler verfielen wieder in diese mysteriöse Passivität, die Domenico Tedesco bereits seit längerer Zeit beklagt. Deshalb war die Analyse des Schalke-Trainers auch wenig verwunderlich. „Wir müssen uns die Niederlage selbst vorwerfen. In Auswärtsspielen treten wir spritzig und mutig auf, daheim hingegen lethargisch“, sagte Tedesco.

Es war ein abermals uninspirierter Auftritt der Schalker gegen lange Zeit vollständig harmlose Bremer. Lediglich „zwischen der 45. und 75. Minute haben wir es gut gemacht“, sagte Tedesco. Für die Qualifikation zur Champions League reichen 30 Minuten vorzeigbar vorgetragener Fußball aber wohl kaum aus. Vier Punkte aus den ersten vier Rückrundenpartien sind eine magere Bilanz des Ruhrgebietsklubs, der scheinbar ungebremst durch die Hinrunde gerauscht war. Mittlerweile tritt zunehmend die Erkenntnis zu Tage, dass das Team lange Zeit über seine Verhältnisse gespielt hat. Die Probleme der Schalker, spielerische Akzente zu setzen und Dominanz auszustrahlen, wurden in der Hinrunde häufig von Last-Minute-Siegen überstrahlt.

Und die Gründe benannte Tedesco wohl eher unfreiwillig selbst. „Der Akku war leer“, antwortete der Trainer auf die Frage nach der erneuten Passivität seines Teams — und sorgte damit für Verwunderung. Das dauerhafte frühe Pressing, wie es Tedesco von seiner Mannschaft verlangt, scheint selbst ohne Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb überaus kräftezehrend für die Schalker Profis zu sein.

Die Erkenntnis dieses Nachmittags war, dass die Schalker noch sehr weit von einem Spitzenteam entfernt sind. Dass sie in der Nachspielzeit sogar noch einen Gegentreffer zur Niederlage kassierten, war der negative Höhepunkt einer insgesamt unterdurchschnittlichen Leistung. Johannsson lupfte den Ball über die Schalker Abwehr, Eggestein tunnelte Fährmann und Junuzovic traf per Grätsche zum Bremer Sieg. Die Hanseaten sind damit auf Platz 15 geklettert und haben die Abstiegsränge seit langer Zeit mal wieder verlassen.

Maximilian Eggestein schien verwundert darüber zu sein, dass eine kämpferische Leistung ausreichte, um die Königsblauen zu besiegen. „Wir haben uns das nicht so sehr verdient, wie wir uns das vielleicht in den vergangenen Spielen verdient gehabt hätten“, sagte der Bremer Angreifer. Auch das war ein verbaler Tiefschlag für die Schalker, die gegen die spielerisch limitierten Bremer das Nachsehen hatten.

Ralf Fährmann wollte mit ein „paar Bierchen“ am Abend sein persönliches Leid vergessen. Menschlich verständlich. An den grundlegenden Schalker Problemen dürfte das aber auch nichts ändern.