Dortmund droht ein Fiasko

Beim ungewollten Endspiel in Hoffenheim steht am Samstag die Teilnahme an der Champions League auf dem Spiel. Mutige Mainzer sichern den Klassenerhalt.

Dortmund. Mentalität? Charakter? An einem Tag, an dem es um die Qualifikation für die Champions League ging und damit um 30 bis 40 Millionen Euro als fixe Einnahmen, ließen die Spieler von Borussia Dortmund beim 1:2 (1:2) gegen den FSV Mainz beide maßgeblichen Tugenden vermissen. Sie waren schlicht und einfach nicht vorhanden.

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„Das war eine Leistung zum Schämen“, kritisierte Sportdirektor Michael Zorc das Team gleich nach dem Abpfiff scharf. Es rumort nicht zum ersten Mal in dieser von extremen Höhen und Tiefen geprägten Spielzeit am Borsigplatz, wo man das Erreichen der Königsklasse fest eingeplant hat. Nach zwei sehr ordentlichen Partien gegen Bayer Leverkusen und bei Werder Bremen verfiel Schwarz-Gelb vor ausverkauftem Haus in alte Muster. Spielte ängstlich und ohne jeglichen Esprit, wirkte hilflos und uninspiriert.

Was für eine brisante Gemengelage vor dem letzten Spieltag. Verliert der BVB mit mehr als einem Tor Differenz in Hoffenheim und siegt Bayer Leverkusen deutlich gegen Hannover 96, hat der Club die Champions League verpasst.

Peter Stöger, BVB-Trainer

Matthias Sammer, der künftig in beratender Funktion für den BVB tätig sein wird, musste miterleben, wie der Gastgeber schon nach 13 Minuten durch Treffer von Ridle Baku (4.) und Yoshinori Muto (13.) mit 0:2 zurücklag. Beide Male waren eklatante Fehler der Defensive vorausgegangen. Wobei Treffer zwei mit auf die Kappe von Torhüter Roman Bürki ging. Der Anschlusstreffer von Maximilian Philipp nach toller Vorarbeit von Jadon Sancho (16.) sollte so etwas wie der Startschuss zu einer Aufholjagd werden. Doch die fand nicht statt. Zwar hatte die Borussia zwei Drittel der Spielanteile, stolperte aber von einer Peinlichkeit in die nächste. Zu allem Überfluss verletzte sich Ömer Toprak, und Sokratis kassierte die fünfte gelbe Karte. Nach der Blamage von Samstag keine Mutmacher für das ungewollte Endspiel bei 1899 Hoffenheim.

„Mainz ist aufgetreten, wie man es machen muss, wenn man etwas ganz, ganz Großes erreichen möchte“, gratulierte BVB-Trainer Peter Stöger den Gästen zum vorzeitigen Klassenerhalt, der von ihnen ausgiebig gefeiert wurde. „Das haben wir nicht gemacht. Das war viel zu wenig, wenn man die Champions League klar machen möchte.“

Zumal sich über 90 Minuten kein Führungsspieler herauskristallisierte. Da war niemand, der in die Hände spuckte, seine Mitspieler antrieb und selbst voranging. Wie es zum Beispiel ein Roman Weidenfeller oft genug in seinen 16 Jahren beim BVB gemacht hat. Dem Torhüter blieben angesichts des Spielstands bei seiner letzten Heimpartie vor dem Karriereende zwar in Aussicht gestellte Einsatzminuten auf dem Platz verwehrt, dafür wurde der 37-Jährige von den Fans vor, während und nach der Partie herzergreifend gefeiert. Ein riesiges Banner („Danke Roman“), viele kleine Plakate und Sprechchöre, die unter die Haut gingen — da griff der Keeper zum Mikro: „Ich habe von euch 16 Jahre Unterstützung in guten und in schlechten Zeiten bekommen. Das Stadion ist mein Zuhause und Wohnzimmer geworden.“ Während Roman Weidenfeller seine Ehrenrunde drehte, standen seine Mannschaftskameraden zunächst bedröppelt auf dem Rasen, formierten sich dann aber für ihren scheidenden Tormann zum Spalier. Wenigstens das hatte etwas mit Charakter zu tun.

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