Mallorca erstrahlt in neuem Glanz

700 Millionen Euro sind bei der Qualitätsoffensive in Hotels investiert worden. Thomas Cook erweitert sein Angebot.

Mallorca erstrahlt in neuem Glanz
Foto: Thomas Cook

Palma de Mallorca. „Auf Mallorca ist eine Entwicklung zu erkennen, die unglaublich ist“, sagt Hans Müller. Der Leiter Hoteleinkauf Spanien und Portugal beim Reiseveranstalter Thomas Cook muss es wissen. Nicht nur, weil er seit Jahren auf der Baleareninsel lebt. „Jahrzehntelang hat sich kaum etwas verändert: Es gab 195 000 Hotelbetten für Touristen und an tourismusfördernde Maßnahmen war nicht zu denken.“

Obwohl die größten Unternehmer in der Hotellerie in Spanien ansässig sind, haben sie laut Müller lieber in der Karibik investiert. Hotelneubauten gibt es so gut wie keine. Nun hat die Regierung ein paar Regeln geändert, um Investitionen auf Mallorca attraktiver zu machen. Subventionen gibt es zwar keine, aber Hoteliers — von großen Ketten bis zu kleinen Privathotels — haben rund 700 Millionen Euro in Renovierungen, Um- und Ausbau ihrer Häuser gesteckt. Denn vor allem die Playa de Palma soll in neuem Glanz erstrahlen.

Aber nicht nur das: Hoteliers durften — je nach Grundstücksgröße — eine oder mehrere Etagen aufstocken. Mehr Betten, mehr Geld. Seit drei Jahren liefen die Baumaßnahmen, jetzt, nach dem Winter, sind die Baukräne aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden, im Juni sollen alle Renovierungen abgeschlossen sein.

Weiterer positiver Aspekt: „Etwa 35 Prozent der Arbeitsplätze auf den Balearen sind vom Tourismus abhängig“, sagt Müller. Sowohl die Bauphasen als auch die erweiterten Hotels schaffen neue Jobs. „Die Infrastruktur hat sich verbessert und Straßen wurden ausgebaut. Vor allem für die vielen Radfahrer“, erklärt Müller.

Denn die Radsportler sind die wichtigste Einnahmequelle in der Nebensaison: sowohl im Frühjahr als auch im Herbst. Daher wurden auch die Hotels, in denen die Radsportveranstalter stationiert sind, aufgepeppt und modernisiert.

„Die Teams brauchen eine Werkstatt, die Sportler einen Wellnessbereich, Schwimmbad und Fitnessraum“, sagt Müller. Daher ist beispielsweise der Schweizer Veranstalter Philipps Bike Team mit seiner Rad-Station ins vor vier Jahren renovierte Sentido Punta del Mar nach Santa Ponça eingezogen.

Thomas Cook hat zudem ein eigenes Konzept entwickelt für die Hotelmarken Smartline und Sentido. „Diese beiden laufen auf Mallorca am besten“, erklärt Müller. Während sich die Smartline Hotels im Zwei- bis Vier-Sterne-Niveau bewegen, liegen Sentido Hotels im Vier- bis Fünf-Sterne-Segment.

Smartline Hotels zeichnen sich durch helle, moderne Farbgebung aus: Das Design „Color me!“ ist dabei ein Wiedererkennungseffekt in allen Häusern. „Das dunkle Holz ist entfernt, alte Balkone sind abgerissen und durch gläserne ersetzt worden“, beschreibt Müller. Wichtig bei dieser Marke sind die günstigen Preise: „Für Urlauber, die nicht so viel Wert auf Extras im Zimmer legen.“

Sentido dagegen spricht mit dem gesamten Konzept die Sinne der Urlauber an. Es gibt eine Chillout-Bar, leise Hintergrundmusik in der Lobby und spezielle Lichtkonzepte. „Das sind ebenfalls Wiedererkennungseffekte, obwohl Sentido keine Kette ist, sondern eine Dachmarke“, sagt Müller. Während ein Spa im Hotel ein Muss ist, sollte WLAN zwar auch in den Zimmern verfügbar sein — zwingend notwendig ist das aber nicht.

„Das ist für uns kein K.O.-Kriterium“, sagt Müller und erklärt, weshalb: „Ein Hotel mit 250 Zimmern muss etwa 300 000 Euro in ein funktionierendes Wifi investieren.“ Thomas Cook hat circa 400 Hotels auf Mallorca unter Vertrag und vom Renovierungsboom partizipiert: „Wir konnten unser Produkt erweitern. Unsere bisherigen Vertragspartner bieten nun mehr Zimmer an, und wir haben andere, renovierte Hotels nun teilweise erstmals in unsere Kataloge aufgenommen.“

Die steigende Gästezahl gibt dem Projekt Recht: In 2010 kamen 11,1 Millionen Besucher, in 2014 zählte die Insel 13,6 Millionen Touristen. „Mallorca hat immer davon profitiert, dass es schnell und leicht erreichbar ist, und für jeden Geschmack etwas zu bieten hat“, sagt Müller und fügt hinzu: „Nun hat es die Insel geschafft und ihre Qualität enorm verbessert.“