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Wie ein Wuppertaler Lehrer seine ganz persönlichen Glücksmomente erlebt

Arne Ulbrichts Lehrer-Tagebuch : Trister Lehreralltag? Von wegen!

Pädagoge Arne Ulbricht berichtet von einigen Glücksmomenten.

Passend zu Weihnachten erzähle ich heute von einigen unvergesslichen Glücksmomenten, die mir den Lehreralltag versüßt haben: Wandertag im Referendariat. Kanufahren mit einer zehnten Klasse. Irgendwann brechen die Wolken. Wenn die Kanus größer wären, könnte man in ihnen schwimmen, so schnell füllen sie sich mit Wasser. Ist jemand schlecht gelaunt? Ach was. Wir sind alle pitschnass und freuen uns über dieses gemeinsam erlebte Abenteuer. (Zum Glück hatte man sich damals noch nicht von der Wetter-App auf dem Handy verrückt machen lassen; sonst wäre der Ausflug abgesagt worden.)↓

Meine fünfte Klasse muss etwas für die kommenden Fünftklässler aufführen. Oha. Gemeinsam schreiben wir ein Gedicht, das in kleinen Gruppen vorgetragen werden soll. Dann ist es so weit. Ich „dirigiere“ meine Schüler, die auf der Bühne stehen und fast schon inbrünstig ihre Strophen aufsagen, während sie von knapp 200 Eltern und ihren Kindern angeglotzt werden. Ich hätte nie gedacht, dass man als Lehrer so stolz sein kann.

Ende November ist immer Vorlesetag. Ich habe meine erwachsenen Schüler dazu aufgefordert, zu diesem Tag eigene Bücher mitzubringen, damit wir uns gegenseitig vorlesen können. Skeptisch betrete ich den Klassenraum. Ich befürchte, dass nur ich selbst ein paar Bücher in meinem Rucksack habe. Stimmt aber nicht. ALLE haben ein Buch mitgebracht. ALLE! Wahnsinn. Also wird gelesen, und zwar 90 Minuten lang.

Die Schüler bekommen im Literaturkurs einen kreativen Schreibauftrag. Zehn Minuten ist es unruhig. Dann hört man nur noch Kugelschreiber oder Füller übers Papier flitzen. Ich habe den Eindruck, dass alle in einem absoluten Schreib-Flow sind. Als es klingelt, zucken sie zusammen. „Ich brauche aber noch ein bisschen Zeit!“, rufen gleich mehrere in den Raum. Am Ende des Literaturkurses kommt ein Schüler zu mir und sagt: „Herr Ulbricht, ich hatte gar keinen Bock auf den Kurs. Hat aber total viel Spaß gebracht, und das Buch, das habe ich wirklich gelesen!“

Ich musste in dieser Situation an meinen eigenen Französischlehrer denken, der den achtzehnjährigen Arne für den Schriftsteller Maupassant begeistert hat, über den er zwanzig Jahre später – inzwischen ist er selbst Schriftsteller – einen Roman geschrieben hat.