Viele Proteste gegen Forensik-Pläne

Viele Proteste gegen Forensik-Pläne

Gereizte Stimmung beim Info-Termin am Röttgen. Die Bürgerinitiative Kleine Höhe moniert fehlende Grundlage bei der Standortwahl.

Uellendahl/Katernberg. Dass die Info-Versammlung im Gemeindezentrum Röttgen für Oberbürgermeister Andreas Mucke kein Heimspiel werden würde, wusste das Stadtoberhaupt vermutlich schon vor seiner Ankunft. Spätestens beim Gang in das Gemeindezentrum konnte er noch einmal die versammelte Kritik am geplanten Bau einer forensischen Klinik im Norden des Stadtgebiets auf sich wirken lassen. „Kleine Höhe muss Natur bleiben“, stand auf einem Banner, an der Wand hingen sechs übergroße Fotos, die das Areal zeigten. Und auf Plakaten wurde die aus Sicht der Bürgerinitiative (BI) Kleine Höhne zweifelhafte Standortentscheidung nachgezeichnet.

Foto: Stadt Wuppertal

Andreas Mucke, Oberbürgermeister

Mit der Veranstaltung wollte die Stadtverwaltung am Donnerstagabend über den Planungsstand zum Bau der Klinik für psychisch kranke Straftäter informieren. Die Stimmung im Saal machte eine neutrale Info zum Thema freilich nicht einfach, immer wieder gab es Einwürfe der etwa 150 Anwesenden. Etliche der Anwohner der Kleinen Höhe interessierten sich zudem herzlich wenig für die baulichen Details zur geplanten Forensik, sie wollen den Bau einfach nicht.

Die Ausführungen von Michael Kassubek vom Bauressort der Stadt verfolgten die meisten Anwesenden mit wachsender Ungeduld - leider waren die Aussagen auch akustisch schwer zu verstehen. Nach derzeitiger Planung wird in dem Bereich zwischen Schanzenweg und den Gebäuden Nevigeser Straße 520 bis 524 eine etwa fünf Hektar große Fläche gesucht. Etwa zwei Hektar davon sollen mit Gebäuden bebaut werden. Das Klinikgebäude soll - laut der aktuellen Machbarkeitsstudie des Landes - dreigeschossig, die übrigen Gebäude zweigeschossig werden. Ein 5,50 Meter hoher Zaun soll das Gelände umschließen, hinzu kommt ein Sicherheitssteifen, der mit elektronischen Sensoren überwacht werden soll und bei Annäherung erleuchtet wird. 150 Patienten und noch einmal so viele Mitarbeiter sollen in der Forensik arbeiten. So die derzeitigen Planungen, die nach Angaben der Stadt noch konkretisiert werden können.

OB Mucke verwies darauf, dass der in Rede stehende Bereich laut Flächennutzungsplan derzeit als Gewerbegebiet ausgezeichnet sei. Sollte die Forensik dort gebaut werden, werde diese Planung rückgängig gemacht. „Der Rest der Fläche bleibt dann so erhalten, wie er ist“, betonte Mucke. Immerhin 30 Hektar des Areals blieben dann in ihrem ursprünglichen Zustand.

Viele Anwohner wollten sich mit dieser Aussage aber nicht abspeisen lassen, sie fühlen sich von der Stadt verschaukelt. Sie verstehen nicht, wieso die Errichtung einer Forensik auf dem Gelände der jetzigen Bereitschaftspolizei auf Lichtscheid vom Stadtrat fallengelassen und der Standort Kleine Höhe dafür ausgewählt wurde. Es habe „keine sachliche Grundlage“ für die Wahl der Kleinen Höhe gegeben, kritisierte Klaus Lawrenz von der BI. Die Stadt sollte einen Schritt zurückgehen und noch einmal beide Standorte miteinander vergleichen. Damit könne dann eine „solide Entscheidungsgrundlage“ für den Bau einer Forensik in Wuppertal gefunden werden. Derzeit befindet sich das Gelände auf der Kleinen Höhe im Besitz der Stadt. Etliche Anwohner vermuten deshalb, dass es der Verwaltung nur darum geht, mit dem geplanten Bau der Forensik ein gutes Geschäft zu machen. Zudem kritisierten sie eine „Hinterzimmerpolitik“ und intransparente Entscheidungen der Politik.

Dem widersprach Sozialdezernent Stefan Kühn mit Nachdruck. Bei den Planungen zur Forensik gebe es eine „umfassende Öffentlichkeitsarbeit“ und ein „Maximum an Beteiligungsmöglichkeiten“ für die Bürger. Dass die Anwesenden das nicht ganz so sehen, wurde an so manch hämischen Kommentar deutlich. OB Mucke unterstrich, dass in der Sache weiter der enge Kontakt zum Bürger gesucht werde. Spätestens im September oder Oktober soll es eine Veranstaltung geben, auf der weitere Details bekannt gegeben und beraten werden. Auf Anfrage einer Bürgerin, die noch aktuellen Diskussionsbedarf reklamierte, zeigte er sich aber auch bereit, schon nach der Sommerpause einen weiteren Termin anzusetzen.

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