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„Stumm sind nur die Fische“

„Stumm sind nur die Fische“

Die Gesellschaft für Aquarien- und Terrarienkunde hat 35 Mitglieder, die großen Wert auf Austausch und Gemeinschaft legen.

Wichlinghausen. „Das ist kein passives Hobby“, sagt Bernd Steinbeck. „Viele haben da eine falsche Vorstellung. Das ist nicht nur vorm Aquarium sitzen und gucken.“ Seit März hat Steinbeck den Vorsitz in der Gesellschaft für Aquarien- und Terrarienkunde Wuppertal e.V. inne. 35 Mitglieder gehören ihr an. Zu sehen bekommt man als Aquarianer zwar schon eine Menge. Etwa wie der Kuckucks-Wels einem maulbrütenden Buntbarsch seinen Nachwuchs unterschiebt. Oder der Gemalte Schwielenwels ein Schaumnest für die kommende Generation anlegt. Steinbeck: „Aber Aquarianer sind kommunikative Menschen. Stumm sind ihre Fische.“

Tatsächlich legt die Gesellschaft großen Wert auf Austausch und Gemeinschaft. Jeden ersten und dritten Dienstag trifft man sich in der zum Kommunikationszentrum umgebauten Wichlinghauser Kirche. Da werden Pflanzen und Fische getauscht, man kann sich Hilfe bei Problemen holen, es wird gefachsimpelt. Im Wechsel mit diesen Treffen gibt es Fachvorträge. Dazu lädt man sich Referenten ein oder greift auf den Erfahrungsschatz aus den eigenen Reihen zurück. „Da könnte man 300 Jahre alt werden und hat doch erst die Hälfte gesehen“, sagt Steinbeck. Und Aquarianer seien neugierig und wissensdurstig. Und wer es Schwarz auf Weiß haben will: Die Wuppertaler sind Mitglied im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde, dort kann man die Prüfung zur entsprechenden Sachkunde ablegen.

Nun seien die regelmäßigen Abende aber lange nicht genug, um sich richtig kennenzulernen. Zum Vereinsleben gehört gemeinsames Grillen oder die Tümpeltour. Die steigt zwar am Vatertag. Aber da es auch Frauen im Verein gibt, nicht als Vatertagstour. Steinbeck: „Früher sind wir raus zu Gewässern, haben gekeschert, Messungen gemacht.“ Jetzt wird das etwas weiter gefasst. Etwa mit Draisine fahren und anschließendem Essengehen. Es gibt die Weihnachtsfeier und die Fahrt zum Jahresabschluss, zum Beispiel ins Aquarium nach Duisburg.

Ein Beispiel, wie es einen noch einige Tausend Kilometer weiter ziehen kann, ist Burkhard Bücher, stellvertretender Vorsitzender und Schriftführer. Er ist bis nach Australien gereist, um Fische in ihrer natürlichen Heimat zu sehen. Auf Wildfänge und Handel greife man nicht unbedingt zurück. Werner Kampf, stellvertretender Vorsitzender und Kassierer: „Es geht da nicht nur um Haltung. Dann will man auch die erfolgreiche Nachzucht.“ Damit trage man dazu bei, Importe zu verringern.

Auch wenn Mitgliederschwund bei den Wuppertalern, anders als bei manchen anderen Vereinen, kein Problem sei, gebe es doch kein Mitglied, das jünger als 40 Jahre alt sei. Steinbeck: „Da suchen wir schon noch welche, die so um die 25, 30 Jahre alt sind.“ Dabei setzt die Gesellschaft auf engagierte Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist mit einer Homepage und auf Facebook präsent. Die Homepage bietet dazu ein Forum, in dem auch Nichtmitglieder mitschreiben können.

Jedes Jahr im Herbst gibt es eine Börse, die die Gesellschaft veranstaltet. Bücher: „Die ist etabliert, da kommen im Schnitt so 300 bis 400 Leute hin.“ Man baut Infostände und gedenkt, sich wieder am Langen Tisch zu beteiligen. „Damals hatten wir ein Schau-aquarium mit, das war ein Hingucker. Heute geht das nicht mehr. Aber wir werden uns was einfallen lassen.“

Immerhin sei das nicht ein Hobby, welches das große Geld voraussetze. Obwohl es nach oben keine Grenzen gebe. Steinbeck: „Anfänger können schon mit 200 Euro ein liebevolles Biotop einrichten.“ Und dann gebe es keine halben Sachen. „Entweder sind die Leute nach zwei Jahren wieder raus. Oder sie sind gepackt. Das ist ein Sucht-Hobby.“