Prügel beim Flohmarkt: Zeugen erkennen Neonazis wieder

Prügel beim Flohmarkt: Zeugen erkennen Neonazis wieder

Großer Andrang beim Prozessauftakt gegen vier angeklagte Rechtsradikale. Die Beweisaufnahme wird in einer Woche fortgesetzt.

Wuppertal. Unter großem Publikumsinteresse hat am gestrigen Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht der Prozess zum Prügelangriff während des Flohmarkts in Vohwinkel im Jahr 2011 begonnen. Vier Männer (21, 24, 25, 29) müssen sich wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Laut Anklage hat das Quartett am 25. September 2011 um 3.20 Uhr während der Aufbauphase des Vohwinkeler Flohmarkts auf der Kaiserstraße gezielt Personen des linken Spektrums angegriffen und mit Schlagstöcken zum Teil schwer verletzt.

Drei der vier Angeklagten machten von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Einer — ein 24-Jähriger — gab zu, zur Tatzeit einen Mann, der laut Anklage dem linken Spektrum zugerechnet wird, geschlagen zu haben. Er habe seinem Bruder — er sitzt ebenfalls auf der Anklagebank — helfen wollen. Außerdem habe er zuvor anderthalb Flaschen Schnaps getrunken. Vorwürfe der Anklage, wonach eine Gruppe vermummter Neonazis mit Knüppeln Jagd auf Linke gemacht hätte, wies der Angeklagte zurück. Er sei betrunken und durch einen Schlag ins Gesicht benommen gewesen.

Danach wurde eine 22 Jahre alte Frau — sie tritt als Nebenklägerin auf — als Zeugin gehört. Sie schilderte, wie sie vor dem Eingang einer Dönerbude an der Kaiserstraße hinterrücks auf den Kopf geschlagen worden sei. Die Folge war eine gut vier Zentimeter lange blutende Platzwunde. Ein weiterer Zeuge identifizierte den jüngsten Angeklagten — einen 21 Jahre alten, einschlägig vorbestraften Neonazi aus Hamm (siehe Kasten) — als den Angreifer, der die Frau so schwer verletzte.

Auch ein dritter Zeuge will diesen 21-Jährigen zwar nicht beim Schlag, aber in Tatortnähe gesehen haben. Häufig hakte das Gericht nach, stellte in manchen Punkten auch die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen in Zweifel. Auch die Verteidigung fragte immer wieder einzelne Punkte nach. Prompt gab es Zwischenrufe aus dem vollbesetzten Saal. Offensichtlich waren vor allem Anhänger der rechten und der linken Szene zum Prozessauftakt gekommen. Richterin Andrea Sauter-Glücklich sorgte für Ruhe: „Wir brauchen Ihre Hilfe nicht.“

Die Beweisaufnahme ist noch nicht zu Ende. In einer Woche sollen weitere Zeugen gehört werden. Dabei soll es sich nach WZ-Informationen um Personen ohne Zugehörigkeit zur rechten beziehungsweise linken Szene handeln. Ob es am Ende dieses zweiten Verhandlungstages dann auch ein Urteil geben wird, ist bislang offen.

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