Kabarettungsdienst: Keine Gnade für Heidi Klum und Kanzlerin

Kabarettungsdienst: Keine Gnade für Heidi Klum und Kanzlerin

Premiere des neuen Programm des Kabarettungsdienstes.

Wuppertal. „Wissen Sie, wenn eine Schulklasse so leise ist — dann muss man einfach anfangen“, sagt Michael Brischke, Leiter des Kabarettungsdiensts, in die Stille der gut besuchten Aula des Ganztagsgymnasiums Johannes Rau.

Kurz darauf begrüßen 14 jungen Kabarettisten die Besucher zu „Einfach mal abschalten“, dem 20. Programm des Kabarettungsdienstes. Dabei geht es allerdings weniger um Abschalten im Sinne von Entspannung als vielmehr um Fragen wie „Kann man überflüssige Politiker nicht einfach mal abschalten?“ Auch haben sich die jugendlichen Akteure seit Anfang des Jahres mit Themen wie „Die zauberhafte Welt der Zusatzstoffe“ befasst und widmen sich den „kernigen Abenteuer von Cäsi und Pluti“.

Niemand scheint vor dem Kabarettungsdienst sicher zu sein: Von Heidi Klum bis hin zu Angela Merkel, der FDP und den nordafrikanischen Diktatoren kriegen alle ihr Fett weg. Schon nach einer kurzen Weile wird deutlich, dass nicht einfach Schüler, sondern talentierte Nachwuchs-Kabarettisten am Werk sind: Pointiert sind die Dialoge, gespickt mit einigen Lachern, die allerdings aufgrund der Ernsthaftigkeit der Themen hin und wieder im Halse stecken bleiben.

Die Kabarettisten aus der zehnten und 13. Klasse meistern ihre Stücke mit Bravour und sorgen für viel Abwechslung. Die gab es aber auch schon während der Vorbereitungsphase: „An Textwochenenden haben wir uns getroffen und unsere Texte komplett selbstständig erarbeitet, Gestik und Mimik geübt und unserer Stimme Ausdruck verliehen“, beschreibt Rosalie Fichtner vom Kabarettungsdienst die vergangenen Monate.

Der kräftige Beifall und die lautstarken Forderungen nach einer Zugabe bestätigen am Ende die jungen Kabarettisten in ihrer Leistung.

„Es wird mit jeder Aufführung besser“, sagt Laura Eisenträger, die schon im vergangenen Jahr dabei war. Michael Brischke, der das Schülerkabarett in Wuppertal geprägt hat, ist ebenfalls sehr zufrieden mit der Premiere. „Diesmal ist das Besondere für mich nicht nur das Jubiläum, sondern dass mein eigener Sohn dabei ist.“ Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Normalerweise finden die Kinder es in dem Alter ja nicht mehr so cool, mit ihrem Vater so viel Zeit zu verbringen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung