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Justizschule in Wuppertal: Kein Zeitpuffer mehr

Immobilie : Justizschule: Kein Zeitpuffer mehr

GMW: Vorbereitungen für die Asbestsanierung müssen jetzt beginnen – eigentlicher Abriss soll planmäßig im Januar starten.

Ganz über die Bühne ist der Kauf der alten Justizschule auf der Hardt durch die Stadt immer noch nicht. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landes NRW muss zustimmen, da es sich um eine Immobilie des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW handelt (die WZ berichtete). Die nächste Sitzung des Gremiums ist am kommenden Donnerstag. Zumindest auf der offiziellen Tagesordnung im Internet taucht der Punkt allerdings nicht auf. Wie Thomas Lehn vom Städtischen Gebäudemanagement bestätigt, gibt es aber bereits Gespräche mit dem BLB. Die Vorbereitungen für den Abriss des Gebäudes und den anschließenden Aufbau von Containern für die Schüler des Ganztagsgymnasium Johannes Rau müssen nämlich, auch wenn die Stadt noch nicht offiziell Eigentümer ist, starten. Denn: „Wir haben keinen Zeitpuffer mehr“, betont Lehn.

Der Zeitplan sieht so aus: Bis Januar soll die Schadstoffsanierung (vor allem Asbest) abgeschlossen sein, danach soll der Abriss beginnen. Parallel würden die Planungen für die Anmietung der Container laufen. Im Sommer 2021 soll der Umzug von der Siegesstraße erfolgen, sodass die Schüler des Ganztagsgymnasiums zum Start des Schuljahres 2021/22 auf der Hardt unterrichtet werden. Ob dieser Termin gehalten werden kann, ist nicht sicher. „Eine hundertprozentige Garantie kann man nicht geben“, räumt Lehn ein.

Allein sechs Monate rechnet die Stadt schon für die Asbestsanierung. Das Gebäude werde praktisch auf den Rohbau zurückgesetzt, so Lehn. Ein Schritt, der auch hätte erfolgen müssen, wenn die Stadt sich doch für die Herrichtung des gesamten Baus entschieden hätte. Das war aber schon länger kein Thema mehr aufgrund der laut Stadt zu erwartenden Kosten.

Kritik daran war immer wieder laut geworden. Brigitte Alexander vom Förderverein Historische Parkanlagen hatte eine Interessengemeinschaft für den Erhalt der Schule, die für sie „Keimzelle der Bergischen Universität“ ist, ins Leben gerufen. Sie will die verbleibende Zeit nutzen, um noch einmal Kräfte zu mobilisieren und den endgültigen Abriss zu verhindern.

Cordula Waldeck, Geschäftsführerin des benachbarten „Tagungszentrums Auf dem Heiligen Berg“ und Mitglied in der Interessengemeinschaft, sieht die Angelegenheit mittlerweile aber eher pragmatisch. Wenn der Abriss aus Sicht der Stadt alternativlos sei, „dann ist das so“. Sie hoffe allerdings auf Synergieeffekte, auch wenn, anders als ursprünglich angedacht, aufgrund der Planung mit Containern, definitiv keine durch das Tagungszentrum nutzbare großen Tagungsräume entstehen werden.

Thema für Waldeck seien eher die zu erwartenden Auswirkungen (zum Beispiel Lärm) aufgrund der Abrissarbeiten für die Besucher und Gäste des Zentrums. Man sei deshalb schon in Gesprächen mit dem GMW. Es müsse vermieden werden, „dass wenn wir hier eine große Veranstaltung haben, zeitgleich Beton geschreddert wird“.

Sie weist zudem auf einige Anwohner hin, die betroffen sein würden. Eigentümer des Gebäudes des Tagungszentrums ist die Vereinte Evangelische Mission (VEM), der aber noch gut 18 Wohnhäuser im Bereich Hardt gehören.

Sorgen die Hardthöhlen
beim Abriss für Probleme?

Der Abriss dürfte kein „normaler“ werden. In Kontakt ist das GMW bereits mit dem Arbeitskreis Kluterthöhler, der sich bekanntlich um die Hardthöhlen kümmert. Die ehemalige Landesjustizschule wurde einst praktisch auf einem Teil der Höhlen errichtet — eine Tatsache, die damals wohl unbekannt war.

Steine und Material wurden beim Bau einfach in die Spalten geworfen“, erzählte Detlef Wegener vom Arbeitskreis bereits beim WZ-Besuch unter der Hardt im vergangenen Jahr. „Von unten gucken wir praktisch auf die Schule.“ Der Abriss könnte, so warnte er schon, Folgen haben.