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Wuppertaler organisiert von Ronsdorf aus Hilfe in Beirut

Einsatz : Wuppertaler organisiert von Ronsdorf aus Hilfe in Beirut

Der Ronsdorfer Sean Micke hat den Hilfseinsatz der Organisation @Fire in Beirut mitorganisiert.

Nach der verheerenden Explosion in Beirut haben viele internationale Organisationen vor Ort geholfen – auch ein Team der Hilfsorganisation „@Fire“, ein Zusammenschluss von Feuerwehrleuten. Der Feuerwehrmann Sean Micke (30) aus Ronsdorf hat den Einsatz als Stabsmitglied von seinem Schreibtisch aus begleitet.

Er war an jenem Dienstabend gerade an seinem Arbeitsplatz auf der Feuerwehrwache in Lüdenscheid, als ein Kollege Bilder von der Explosion in Beirut auf seinem Handy herumzeigte. „Ich konnte das erst gar nicht glauben“, erinnert er sich. „Ich dachte, das kann nicht echt sein, das ist wie in Hollywood.“ Gleichzeitig war ihm schnell klar, dass die Organisation @Fire dort helfen könnte.

Der Verein wurde 2002 von Berufs- und Freiwilligen Feuerwehrleuten gegründet. Zunächst war das Ziel, bei Waldbränden Südeuropa zu helfen, inzwischen helfen sie weltweit bei Naturkatastrophen, Verschüttete zu suchen und zu retten. Dafür lagern sie Ortungs- und Bergungsgeräte sowie medizinische Ausrüstung in Rösrath bei Köln und können im Katastrophenfall innerhalb kürzester Zeit an der Einsatzstelle sein.

 Sean Micke begleitete den Einsatz von seinem Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer in Ronsdorf aus.
Sean Micke begleitete den Einsatz von seinem Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer in Ronsdorf aus. Foto: Siegfried Hauck

So war es auch nach der Explosion in Beirut. Sean Micke, der seit einem Jahr Mitglied von @Fire ist, telefonierte sofort mit Kollegen im NRW-Leitungsteam von @Fire, kurz danach kommunizierten alle @Fire-Gruppen bundesweit über eine Internet-Plattform. Sie meldeten der UN ihre Einsatzbereitschaft, erhielten zudem eine direkte Einladung der libanesischen Regierung und fingen mit der Organisation des Einsatzes an.

Mit Hilfe des Internets funktioniert der Einsatzstab dezentral, die Ehrenamtler – in ganz Deutschland verteilt – kümmern sich jeder um eine bestimmte Aufgabe. Die Stabsstelle Personal stellt die Anfrage an alle Mitglieder, wer nach Beirut kann – wer von der Arbeit freigestellt wird, wer alle nötigen Impfungen hat. Eine Stabsstelle recherchiert die Lage vor Ort, ein Team plant den Einsatz, klärt die Kommunikationsmöglichkeiten vor Ort, ein Team kümmert sich um Flugtickets, den Transport des Materials zum Flughafen – und auch mögliche Rückwege. Sean Micke übernahm die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Wir finanzieren uns über Spenden, deshalb ist es wichtig, dass wir auch zeigen, wie wir das Geld verwenden“, erklärt er.

Sean Micke ist für die
Pressearbeit zuständig

13 Leute von @Fire, darunter eine Ärztin und ein Bauingenieur sowie zwei Hunde flogen von Frankfurt nach Beirut, die ersten sieben am Mittwochabend, weitere sechs in der Nacht. Coronatests in Beirut verlangten eine Wartezeit von vier Stunden, bis das Test-Ergebnis da war. Die Zeit nutzten die Einsatzkräfte für weiter Recherchen und Organisation. Dem @Fire-Team wurde ein Areal südlich des Explosionskraters zugeteilt.

Dort suchten sie mit Ortungsgeräten und vor allem mit ihren Suchhunden Apple und Sheeva nach Verschütteten. Denn die Suche mit Hunden sei „unschlagbar effektiv“, erklärt Sean Micke. Sie seien darauf trainiert, auf Atemluft von Menschen zu reagieren. Finden sie jemanden, schlagen sie an. Das Rettungsteam muss dann klären, wie man an die Person herankommt und sie herausholt. Bis Samstag war das Team unterwegs. Gefunden hat es niemanden, aber es konnte sicherstellen, dass in diesem Sektor niemand mehr verschüttet ist.

Am Sonntag unterstützten die @Fire-Leute noch Kräfte vor Ort bei Statik-Prüfungen und begleiteten Beiruter Feuerwehrkollegen bei einer Trauerfeier. Denn auch die Feuerwehrwache im Hafen war erheblich beschädigt, mehrere Feuerwehrleute der Wache sind bei der Explosion gestorben, darunter die einzige Feuerwehrfrau der Wache. Unter Feuerwehrleuten entstehe immer schnell Kontakt, sagt Sean Micke.

Während die Kollegen unterwegs waren, saß er teils zu Hause, teils in der Feuerwehrwache am Laptop. Verfolgte die Aktivitäten, erfuhr wie sehr das Ausmaß der Zerstörung die Kollegen schockierte – und schickte täglich zwei bis drei Meldungen über Facebook, Twitter, Instagram und Youtube ins Internet sowie Pressemitteilungen an die klassischen Medien. „Ich versuche, ein differenziertes Bild davon zu geben, was wir machen“, erklärt er. Dabei stehe natürlich der Einsatz an erster Stelle, nur wenn der nicht behindert werde, seien zum Beispiel Fotos möglich.

Ihn hat ein Video sehr berührt, das zeigt, wie Menschen in Beirut den Feuerwehrleuten applaudieren. Sie hätten erst Sorgen wegen der wachsenden Proteste vor Ort gehabt, aber die Menschen seien immer sehr freundlich zu den Hilfskräften gewesen.

Für Sean Micke war es der erste Großeinsatz, den er miterlebt hat. „Mich hat das Teamwork begeistert“, sagt er im Rückblick. Im Verein seien sehr unterschiedliche Persönlichkeiten vom Arbeiter bis zum Behördenleiter, doch die Zusammenarbeit funktioniere gut. „Jeder hat alles gegeben, man hat die Leidenschaft gespürt, helfen zu wollen.“