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Postkarten digital: Ein digitaler Blick in die Geschichte

Postkarten digital : Ein digitaler Blick in die Geschichte

Der Wuppertaler Jan Niko Kirschbaum zeigt historische Postkarten auf seinem Twitter-Account — am Jahrestag, an dem sie einmal verschickt wurden.

Was seit dem 1. März bei Twitter seine Runden dreht, tut das nicht zum ersten Mal. Es sind Postkarten. Historische Postkarten mit Ansichten von Wuppertal — oder eben Elberfeld, Barmen, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel. Jan Niko Kirschbaum postet die Karten. Er kennzeichnet sie mit dem Stichwort #talpost.

Die Idee ist, historische Karten, die wirklich verschickt wurden, am Tag des Absendens erneut zu verschicken — nur digital. „Als Störung zwischen Posts über Trump, den Zuständen in der Türkei, Katzenbildern“, sagt Kirschbaum mit einem Hauch Ironie. Oder auch „als Amuse-Gueule“ — als Gaumenfreude für diejenigen, die sich über Wuppertaler Inhalte freuen.

Kirschbaum ist Historiker, er promoviert gerade an der Heinrich-Heine-Universität. Nebenbei betreibt er die Seite denkmal-wuppertal.de, auf der er versucht, alle Wuppertaler Denkmäler sowie Stadtschmuck wie Türme und Brunnen, Skulpturen und Plastiken abzubilden — auch die nicht mehr vorhandenen.

Dadurch kam Kirschbaum auch auf die Idee mit der Talpost. Denn für den Blog habe er Postkarten mit Bildern vergangener Denkmäler gekauft. „Ich wollte ja auch die illustrieren, die nicht mehr stehen.“ Während er das sagt, zeigt er auf eine Postkarte mit dem Elberfelder Bismarck-Denkmal. Das war 1889 eingeweiht worden — vor dem Sparkassen-Gebäude, wo heute das City-Center steht — und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Kirschbaum fand Gefallen an den Karten und fing auch an, Postkarten mit Stadtansichten zu sammeln. Heute hat er mehr als 300 Postkarten. Viele davon sind wirklich gelaufen. 159 hat er für die Verbreitung auf Twitter vorbereitet. Das sei ganz einfach gewesen, sagt er.

Jan Niko Kirschbaum über seine historischen Postkarten

Denn seine Sammlung habe er sowieso in einem digitalen Findbuch archiviert. Mittels eines frei zugänglichen Programms habe er daraus automatische Posts der Karten generiert. Die Karten laufen also von selbst bei Twitter ein.

Die Postkarten, die Kirschbaum noch einmal in den Umlauf bringt, sind für ihn auch ein spannendes Zeugnis der Zeit und der Veränderung. Sie zeigen etwa die Kölner Straße — in „Alt-Elberfeld/Alt-Island“ — voller kleiner Altbauten. Oder Bergische Fachwerkhäuser an der alten Fuhr, vor der Bahndirektion — ohne Schwebebahn. „Mich faszinieren die Bilder. Sie öffnen Horizonte und zeigen, dass nicht alles bleiben muss, wie es ist.“ Für ihn sind die historischen Motive auch Zeugnis von Handlungsspielräumen in der Stadtentwicklung. Als Historiker weiß er eben auch, dass sich das Denken im Laufe der Zeit immer verändert hat — ob in der Antike oder im Mittelalter. „Nichts ist für ewig“, sagt er. „Sich das vor Augen zu führen, stellt das heutige Denken auch ein Stück weit in Frage.“

Der Döppersberg sei übrigens eines der häufigsten Motive, sagt er. Deswegen hat er auch nicht alle davon mit in den Verlauf des Jahres eingeplant. Interessant sei aber, dass man auf vielen Bildern auch den Bahnhof sehe — und damit auch erkenne, wie viel man früher wirklich davon gesehen hat.

Insgesamt gebe es die meisten Postkarten aus Elberfeld, dann folge Barmen vor Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel. Als gebürtiger Cronenberger freue er sich am meisten, Postkarten von dort zu entdecken. Auch weil sie selten sind.

Sublokale Karten gebe es übrigens kaum — Ansichten vom Ölberg, Ostersbaum oder aus Wichlinghausen seien wenig bis gar nicht verbreitet. Das seien ja auch normale Wohnviertel gewesen, sagt Jan Niko Kirschbaum. Die Postkarten seien dagegen ja vor allem als Werbematerial interessant gewesen. Sie zeigen besondere Ausschnitte — und die gibt es jetzt eben noch einmal zu sehen.