Der Verein Wuppertaler in Not ist 20 Jahre alt

Wuppertaler helfen Menschen in Not : Verein WiN wird weiter gebraucht

Das Thema Armut steht im Mittelpunkt der Feier zum 20-jährigen Bestehen.

In 400 bis 500 Fällen ist der Verein „Wuppertaler in Not“ (WiN) jährlich zur Stelle, wenn Menschen in der Stadt unbürokratisch und schnell Hilfe benötigen. 2,3 Millionen Euro sind für solche Notfälle seit der Gründung von WiN eingesetzt worden. Vielen Wuppertalern wurde dabei mit Geldbeträgen von 150 bis 250 Euro spontan aus einer Klemme geholfen. Der rettende Strohhalm ist aber nur ein wichtiges Angebot, denn die aktuell zwölf ehrenamtlichen Außendienstler des Vereins zeigen Hilfesuchenden auch Wege auf, schwierige Situationen langfristig zu verbessern.

Zu seinem 20-jährigen Bestehen hatte der Verein, der von den Wuppertaler Medienhäusern Westdeutsche Zeitung, WDR, Wuppertaler Rundschau und Radio Wuppertal und der Stadtsparkasse auf Initiative des damaligen Leiters des Presseamtes, Ernst-Andreas Ziegler, gegründet wurde, Spender, Ehrenamtliche Helfer und politische Prominenz in die Zentrale der Stadtsparkasse eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Thema Armut. Es ist ein wachsendes Problem in einer sich in arm und reich spaltenden Gesellschaft. Ein Thema, das den Verein WiN in absehbarer Zeit nicht überflüssig machen wird, wie Hausherr und Sparkassenvorstand Gunther Wölfges in seiner Begrüßungsrede betonte.

Weitere Argumente für die Arbeit des Vereins lieferten die beiden Referenten des Abends: Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sowie Thomas Groos, Leiter der Statistikstelle der Stadt Solingen. Groos zeigte die sogenannte Wortwolke des Koalitionsvertrags der Bundesregierung. In der Wolke sind die Wörter am größten geschrieben, die am im Vertrag häufigsten vorkommen. Bildet man daraus einen Satz, dann ergibt sich eine Botschaft, die tief blicken lässt: „Deutschland fördern insbesondere stärken sowie unterstützen.“ Von Bildung, Kindern oder Armut ist keine Rede.

Aufgrund des umfangreich vorliegenden Datenmaterials lasse sich aber schon jetzt absehen, dass Armut durch nicht funktionsfähige kommunale Bildungsketten in bestimmten sozialen Milieus, unter Migranten, Alleinerziehenden und in einzelnen Quartieren permanent fortgeschrieben werde. „Wir verstetigen und vererben die soziale Ungerechtigkeit durch das Bildungssystem“, sagte Thomas Groos und legte Statistiken zur Bildungslandschaft in Mülheim an der Ruhr vor. Dass der Hartz IV-Satz für Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren für Bildungsausgaben 22 Cent pro Monat ausweise, wurde von Groos als Beispiel für das Verfestigen von Ungleichheiten genannt.

Reiner Hoffmann, der gebürtige Wuppertaler, legte nach. Er forderte: „Wenn wir Armut bekämpfen wollen, dürfen wir nicht länger über Reichtum schweigen. Wer Armut bekämpfen will, der muss für gute und gut bezahlte Arbeit sorgen.“ 230 Milliarden Euro seien allein 2018 vererbt worden. Kapitalerträge würden weit geringer besteuert als Lohnarbeit. Hoffmann hielt zudem ein Plädoyer für tariflich vereinbarte Löhne. „Nur jeder Zweite arbeitet noch unter dem Schutz eins Tarifvertrages.“

Gunther Wölfges und Moderator Georg Rose dankten vor allem den ehrenamtlichen Mitarbeitern von WiN für ihren Einsatz. Viel Beifall gab es aber auch für die Referenten, die aus einer Feierstunde einen bemerkenswerten Abend gemacht hatten, der viele Denkanstöße für die Bekämpfung der Armut in Wuppertal mit sich brachte. Einer Stadt, die Vereine wie WiN hervorbringt, aber mit ihren sozialen Problemen solche Vereine auch bitter nötig hat.