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Stirken: Waffelbäcker in der dritten Generation

Stirken: Waffelbäcker in der dritten Generation

160 000 Eishörnchen werden pro Tag in der Waffelfabrik Stirken in Holzheim für 300 Kunden gebacken.

Neuss. Kleinkariert oder großkariert? Mit dieser Frage beschäftigt sich Oliver Stirken, wenn er dem Trend auf der Spur ist. „Lange war kleinkariert angesagt, doch seit diesem Jahr ist großkariert wieder in Mode“, erzählt der Neusser. Die Rede ist hier keineswegs von Hemden oder anderen Kleidungsstücken, sondern von der äußeren Erscheinungsform von Eishörnchen.

Und da kennt sich Stirken aus. 160 000 der Waffeln werden pro Tag in der Fabrik in Holzheim produziert. Abnehmer sind vor allem die Eisdielen im Umkreis von 80 Kilometern. Das Neusser Unternehmen beliefert aber auch andere Kunden — rund 300 insgesamt — in ganz Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Italien.

Die Waffelfabrik Stirken ist ein Familienunternehmen, wie es im Buche steht. „Mein Opa hat es 1963 in einer Garage in Reuschenberg gegründet. Er war Heizer bei der Bahn, aber als die Dieselloks kamen, wurde er nicht mehr gebraucht“, blickt Oliver Stirken zurück.

1975 folgte der Umzug nach Holzheim, und der Vater übernahm den Betrieb. Im Jahr 2000 wurde die neue Halle an der Kieselstraße gebaut. Im Vorjahr rückte dann Oliver Stirken nach. „Seitdem bin ich hier der Waffelkönig“, scherzt der Wirtschaftsfachwirt, der sich um alle administrativen Aufgaben kümmert, während Vater Friedhelm nach wie vor sein technisches Know-how einbringt. Für die Waffelfabrik arbeiten außerdem saisonbedingt bis zu 20 Aushilfen, zwei Bäcker und ein Fahrer.

„Wir verzeichnen seit der Firmengründung ein kontinuierliches Wachstum“, sagt der Geschäftsführer. Die Gewinnmargen bei Waffeln sind nicht gerade hoch, doch das Neusser Unternehmen hat sich vor allem dank hoher Qualität im umkämpften deutschen Markt etabliert.

„Wir legen großen Wert auf natürliche Produkte, verwenden weder künstliche Aromen noch chemische Backhilfsmittel. Das hat natürlich seinen Preis“, sagt Stirken. Das Rezept für die Hörnchen — Zucker, Mehl, Wasser, Sojalecithin, Salz, Stärke und natürliche Aromen — kein Geheimnis. „Die Kunst ist es, das auch maschinengängig umzusetzen“.

Die hohen Qualitätsstandards haben sogar Kunden in Italien überzeugt. „Dort gibt es kurioserweise hauptsächlich gepresste Esspapierhörnchen. Wer dort süße und entsprechend wohlschmeckende Waffeln haben will, kauft in Deutschland ein“, weiß Stirken.

Dass die momentane Hitzewelle das Geschäft ankurbelt, sei jedoch ein Irrglaube. „Wenn es zu heiß ist, trinken die Leute viel, essen aber kein Eis. Ideale Bedingungen sind unter 28 Grad, leicht bewölkt und trocken“, erklärt der Experte. Produziert werde in Holzheim das ganze Jahr, auch wenn im Winter das Geschäft natürlich abflaut.

Oliver Stirken schätzt ungeachtet dessen das familiäre Ambiente des Betriebs an der Kieselstraße: „Viele der Kunden kommen sogar persönlich vorbei und holen sich ihren Hörnchen-Vorrat bei uns ab. Und wenn einem mal der Zucker ausgegangen ist, helfe ich auch da notfalls gerne aus.“