Neuss: Forscherinnen von morgen liefern wasserdichte Daten

Neuss: Forscherinnen von morgen liefern wasserdichte Daten

Schülerinnen der Mildred-Scheel-Realschule untersuchen den Zustand der Erft.

Neuss. Mit hochgekrempelten Hosen waten die Mädchen durch das Wasser der Erft. Konzentriert inspizieren sie die Netze ihrer Käscher.

Was die Schülerinnen der Mildred-Scheel-Realschule suchen, erklärt die 13-jährige Ecem: "Wir finden heraus, welche Tiere es hier gibt und welche Qualität das Wasser hat."

Gefunden haben sie unter anderem Sumpfnapfschnecken und Eintagsfliegenlarven - Tiere, deren Anwesenheit auf eine hohe Wassergüte schließen lässt.

Der nach draußen verlegte Biologieunterricht am Wiesenwehr ist für die Achtklässler keine Premiere. Wie einige andere Schulen, die entlang der Erft liegen, analysieren sie regelmäßig die Güte des Fließgewässers.

Über die Internetplattform Flussnetzwerke.nrw.de werden die Daten dann öffentlich gemacht. "Für uns ist es sehr wichtig, dass die Mädchen nicht nur die Theorie lernen, sondern auch praktische Erfahrungen machen", sagt Biologielehrerin Karin Schickhaus.

Äußert praktisch geht es indes auch am Analysetisch zu, der wenige Meter weiter aufgebaut ist. Mit Hilfe von Chemielehrer Helmut Hamers wollen die wissbegierigen Mädchen genauestens herausfinden, was in ihrer Wasserprobe steckt.

Wenige Tropfen bestimmter Ionenlösungen hineingegeben, und schon lässt sich anhand des Verfärbungsgrades detailliert der Gehalt von Phosphor, Nitrat oder auch Nitrit ermitteln. Dazu bedarf es zwar eines geübten Blicks, aber den haben sich alle Schülerinnen im Laufe der Zeit angeeignet. Eines ihrer Ergebnisse: Der Eisengehalt der Erft liegt an der beliebten Kanustrecke bei höchstens 0,1Milligramm pro Liter, Ein durchaus passabler Wert, wie Lehrer Hamers bestätigt.

Dennoch ist die Erft nicht an jeder Stelle in einem guten Zustand. "Am Oberlauf des Flusses in der Eifel gibt es große Probleme mit Schwermetallen", erklärt Lehrerin Karin Schickhaus. Der Hintergrund: Ausgespülte Erzmineralien aus alten Bergbaugebieten wie nahe Mechernich in der Eifel belasten das Wasser mit Nickel, Zink und Kadmium.

Ungewöhnlich ist an der Neusser Erft deren hohe Wassertemperatur. Am Freitag lag sie bei etwa 20 Grad. Verursacht wird diese Temperatur möglicherweise durch umliegende Kraftwerke, die ihr erwärmtes Kühlwasser in den Fluss leiten. Die ungewöhnliche Wärme führt jedenfalls zu exotischen Gästen. Schickhaus: "Wir haben hier schon eine chinesische Wollhandkrabbe gefunden."

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