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Mönchengladbach: Friseurin im Corona-Dilemma

Geld oder Gesundheit? : Kunden wollen Friseurin helfen

Stephanie Knops hat ihren Friseursalon geschlossen. Kunden boten an, im Voraus zu zahlen, um ihren Verlust abzufedern.

Stephanie Knops ist auch in Krisenzeiten noch schlagfertig. Auf die Frage „Wie sieht Ihre Situation gerade aus?“ sagte die Friseurmeisterin vor zwei Tagen: „Haarig.“ – „Wie fühlen Sie sich?“ beantwortete die 37-Jährige: „Wie zwischen zwei Stühlen.“ Nach der Ankündigung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet am Sonntag, 22. März, dass Friseursalons jetzt doch schließen müssen, ist Knops eine moralische Traglast abgenommen worden.

Bis Samstag zählte das Friseurhandwerk noch zu den systemrelevanten Berufszweigen. Das heißt: Knops musste ihren Salon nicht schließen. Die Friseurmeisterin war darüber gar nicht froh, obwohl sie mit dem Handwerk ihren Lebensunterhalt verdient. Denn: Der Umstand, dass Haare schneiden als lebensnotwendig eingestuft wurde, ließ viele Menschen mit dem Kopf schütteln. Kranke behandeln und Senioren pflegen? Ja. Lebensmittel und Medizin verkaufen? Ja. Aber waschen, legen, föhnen? Daran denkt doch keiner, wenn eine Coronavirus-Pandemie das gesamte Land lahmlegt. „Doch“, sagt Knops. Sie hatte auch zu Corona-Zeiten noch Kunden, wenn auch nicht so viele, wie sonst üblich.

Die Risikogruppe war täglich
in Friseursalons anzutreffen

Die Friseurmeisterin liebt ihren Job. „Eigentlich sind wir ja schon lebensnotwendig. Wir frisieren nicht nur die Haare, wir führen Gespräche, betreiben psychologische Pflege und tun etwas für das Wohlbefinden unserer Kunden“, sagt sie. Dennoch hätte sie in den vergangenen Tagen die sozialen Kontakte lieber gemieden, so sehr sie sie auch sonst liebt.

Stephanie Knops ist in einer Facebook-Gruppe mit Berufsgenossen, „darin berichteten einige Friseure noch vor wenigen Tagen, dass vorwiegend Kinder und ältere Menschen in die Salons kommen“. Es trafen sich also genau die Leute, die es eigentlich nicht tun sollten.

Mindestabstand lässt sich beim Haareschneiden nicht einhalten

Hinzu kam ein weiteres Problem: „Wir hatten strengere Hygienevorschriften. Aber die konnten wir nicht einhalten.“ Der Mindestabstand von anderthalb Metern falle beim Haareschneiden flach. „Wir sollten mit Mundschutz arbeiten, es gab aber keinen Mundschutz mehr“, sagt Knops.

Auch Desinfektionsmittel seien Mangelware. Im Internet fand die 37-Jährige ein Angebot: 400 Euro für eine einzige Flasche. Dafür hätte Knops sehr viele Köpfe frisieren müssen. Dazu kamen dann auch noch Vorwürfe einiger Kunden. „Wir dürfen keinen Service mehr im Gesicht anbieten“, sagt sie. Knops hielt sich an die Vorschrift. Aber wenn sie das ihren Kunden sagte, hörte sie oft: „Wieso, machst du doch sonst auch.“

Jeden Tag setzte sich die Friseurmeisterin dem Risiko aus, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. „Das gab und gibt mir schon zu denken. Nicht nur, weil mein Mann Vorerkrankungen hat“, sagt sie, und fügt gleich an: „Wenn ich dann noch hörte, dass die Menschen bei schönem Wetter eng beieinander draußen saßen und sich einfach nicht an die Regeln hielten, machte mich das wütend.“

Ihr Verstand hätte ihr gesagt „Bleib zu Hause“, aber wenn sie das gemacht hätte, wäre auch das Geld ausgeblieben. Schließen konnte sie ihren Salon nicht, obwohl sie das gerne sofort getan hätte, als die Pandemie die Stadt erreichte. „Aber da ich mein Geschäft offenhalten konnte, griff bei mir auch kein Rettungsschirm“, sagt sie. So musste sie weiterarbeiten, obwohl sie immer mehr Einbußen hatte. „Ich habe Bekannte, die kamen in den Salon und sagten: ,Eigentlich würde ich mir in dieser Zeit nicht die Haare machen lassen, aber ich weiß, du brauchst das Geld’.“ Andere Stammkunden, die es bevorzugten, zu Hause zu bleiben, hatten ihr schon angeboten, das Geld für den nächsten Termin zu überweisen, um Knops in dieser schwierigen Zeit zu helfen. „Das richtete mich wieder auf“, betont sie. Seit Sonntag ist sie erleichtert.