Willicher Experten beraten Unternehmen in Sachen Personal

Lokale Wirtschaft : Changeways kommt, wenn’s kriselt

Das Willicher Unternehmen berät Firmen und Konzerne unter anderem im Umgang mit Mitarbeitern. Seit mehr als 15 Jahren behauptet sich changeways am Markt.

Wer nach einem unterhaltsamen Beispiel sucht, wie die Zusammenarbeit in einem Unternehmen keinesfalls laufen sollte, muss sich einfach nur „Stromberg“ anschauen. Von 2004 bis 2012 gedreht und ausgestrahlt, genießt die Serie bis heute Kultstatus. In der Rolle seines Lebens spielt Christoph Maria Herbst den unerträglichen Abteilungsleiter Bernd Stromberg, der nach unten tritt und nach oben buckelt. Das Büro erscheint als Mikrokosmos, in den alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre persönlichen Probleme und Charaktereigenschaften einbringen.

Keine Frage, die Stromberg-Macher arbeiteten mit nahezu allen Mitteln der Überzeichnung. Hört man aber Thomas Dierkes eine Weile zu, kommt man zu dem Schluss, dass das Eintauchen von außen in eine Welt aus Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen im realen Leben mindestens genauso spannend sein muss, wie die Zustände in der „Schadensregulierung M bis Z“ der „Capitol-Versicherung“ damals auf Pro Sieben. Natürlich vor allem dann, wenn es an allen Ecken und Enden hakt, kriselt, menschelt. „Meistens kommen wir, wenn etwas nicht rund läuft“, sagt Thomas Dierkes.

Willicher machen drei
Millionen Euro Umsatz im Jahr

Gemeinsam mit Dirk Waschkau und Ludwig-Ebert Eßer führt der Kamp-Lintforter die changeways GmbH. Seit mehr als 15 Jahren sind sie am Markt tätig, seit 2012 hat ihre Beratungsfirma (drei Millionen Euro Jahresumsatz, 18 feste Mitarbeiter) ihren Sitz in Willich. Die Adresse lautet Holterhöfe 15, direkter Nachbar ist das Restaurant „In Vino Veritas“. Das Geschäftsführer-Trio, alle um die 50, kommt aus dem Automobilhandel und der Industrie. Die Kunden sind Konzerne und große Mittelständler. So berät man unter anderem Audi, Porsche, Vodafone und Deichmann. Dafür ist das Team rund um den Globus unterwegs.

Spezialisiert haben sich die Berater auf die „Performance“, ein Wort, dass Dierkes häufig verwendet. Gemeint sei der „Output“, die effektive Leistung des Mitarbeiters. „Für sein Gehalt soll dem Unternehmen ja ein Nutzen gestiftet werden. Wir gucken uns an, was ihn daran hindern könnte, diesen Nutzen zu erbringen.“ Dabei spiele die Arbeitszeit nicht zwingend eine Rolle. „Es gibt Leute, die schaffen zwischen 7 und 22 Uhr nicht mal ansatzweise das, was andere von 9 bis 14 Uhr erbringen.“ Oft seien die falschen Leute am falschen Ort, und zwar sowohl in fachlicher Hinsicht als auch mit Blick auf ihre Persönlichkeit: „Sie passen schlicht nicht ins Unternehmen.“

Doch es gebe auch Fälle, betont der Berater, in denen es im Kern gar nicht an den Mitarbeitern liege. „Zum Beispiel dann, wenn zu wenig oder zu schlecht bezahltes Personal beschäftigt wird oder nötiges Material nicht oder in zu geringem Maß vorhanden ist. Auch solche Dinge decken wir auf.“ Manchmal ist auch der Vorgesetzte, womöglich sogar der Auftraggeber von changeways, Teil des Problems. „Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen“, erklärt Thomas Dierkes. Es gebe Auftraggeber die ganz bewusst sagten: „Lasst mich aus dem Spiel.“ Andere, die an einer wirklichen Lösung interessiert seien, möchten auch die für sie vielleicht unschöne Wahrheit hören.

In der „Diagnostik“ kommen
sogar Schauspieler zum Einsatz

Neben dieser „Diagnostik“, für die unter anderem „Arbeitsplatzbeobachtungen“ gemacht und Mitarbeiter-Interviews geführt werden, bilden Trainings einen Schwerpunkt bei changeways. Wie verhalte ich mich in dieser oder jener Situation am besten? Etwa bei einem schon lange schwelenden Konflikt mit einem Mitarbeiter oder in einer harten Verhandlung mit einem Kunden. Um das möglichst realistisch zu gestalten, arbeiten die Willicher mit „echten Leuten“ aus Industrie und Handel und sogar mit Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen. Einige Gesichter sind aus TV-Produktionen wie „Rote Rosen“ oder „Verbotene Liebe“ bekannt. Und eine „changeways“-Schauspielerin hatte sogar eine kleinere Rolle bei „Stromberg“.

Mehr von Westdeutsche Zeitung