Gespräch mit Tönisvorsts Fachbereichsleiter Lars Schaath

Tönisvorst: Fachbereichsleiter Schaath im Gespräch : Die Hoffnung auf ein neues Rathaus

Was steht 2019 in Tönisvorst im Bereich Schule und Bildung, Sport und Digitalisierung an? Ein Gespräch mit Fachbereichsleiter Lars Schaath, in dem es auch um den Zustand des St. Töniser Verwaltungsgebäudes ging.

Er fühlt sich wohl. Sei, wie er sagt, sehr gut in Tönisvorst angekommen und aufgenommen worden. Seit dem 1. Mai 2018 ist Lars Schaath (44) in der Stadtverwaltung tätig. Er ist verantwortlich für den Fachbereich C, für Schule und Bildung, Sport, Personal, Organisation und die technikunterstützte Informationsverarbeitung. Sein Fazit für das zurückliegende Jahr fällt positiv aus: „Ich bin froh, dass wir viel Vertrauen aufbauen konnten und uns offen für Anregungen gezeigt haben. Mal hakt es hier und da, aber es geht in die richtige Richtung. Ich setze auf Kommunikation.“

Schaath ist aus Viersen in die Apfelstadt gewechselt. Dort war er Abteilungsleiter für die Verwaltung und für die Steuerung der Jugendhilfe.In Viersen ist – im Gegensatz zur Stadt Tönisvorst – der Haushalt für 2019 noch nicht verabschiedet worden. „Der Haushalt ist Grundlage allen Verwaltungshandelns“, beschreibt Schaath die Tragweite einer Vertagung. Auch wenn es nicht zu einer „Regierungs-Stilllegung“ durch Zahlungsunfähigkeit kommen kann wie im Großen gerade in den USA erlebt, kommt ein nicht zu unterschätzendes Aber: „Es bremst bei Innovationen.“ Die Aufgaben für 2019 stehen.

Schaath und das Personal

Er ist in Tönisvorst unter anderem mit dem Ziel angetreten, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Es wird immer schwieriger, Stellen zeitnah zu besetzen.“ Im Bereich der Erzieher beispielsweise. Oder Techniker. „Da befinden wir uns bei einer Stellenbesetzung zurzeit in der zweiten Runde.“ Für seinen Fachbereich wird ein Informatiker gesucht, ein Abteilungsleiter, eine Abteilungsleiterin, die die digitale Weiterentwicklung und Unterstützung der Arbeit in allen Bereichen unterstützt. Dazu gehört unter anderem die „Erstellung, Begleitung und Umsetzung einer Strategie für die „Digitale Schule der Zukunft“ insbesondere im Rahmen des aktuell in der Umsetzung befindlichen Förderprojektes Gute Schule 2020.“ Die Stadt investiert die Fördermittel des Landes zu 100 Prozent in die digitale Infrastruktur ihrer Schulen.

Keine leichte Suche, weiß Schaath. Denn: Kommunen stehen als Arbeitgeber untereinander in Konkurrenz. Und Tarifmodelle könnten beispielsweise im Ingenieurbereich nicht mit der freien Wirtschaft mithalten. Punkten müsse und könne man aber anders, ist Schaath überzeugt: „Attraktiv ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir haben Teilzeitbeschäftigungen in allen Facetten. Das Thema Heimarbeit ist ausbaufähig.“ Personal, sagt Schaath, müsse sich wohlfühlen und Arbeitsbedingungen vorfinden, mit denen es sich wohlfühlt.

Wie sehr brennt den Tönisvorster Verwaltungsmitarbeitern in dem Zusammenhang ein neues Verwaltungsgebäude auf der Seele? Schaath ist überzeugt: „Es gibt niemanden in der Politik, der das Problem nicht erkennt.“ Die städtischen Gebäude seien schwer nachzurüsten, zum Beispiel in puncto Digitalisierung, Energetik (Heizung, Lüftung), Brandschutz. Schaath nennt als Beispiel das Verwaltungsgebäude an der Bahnstraße: „Es ist gepflegt, aber alt. Es spiegelt nicht die Agilität eines modernen Arbeitgebers wider.“ Schaath spürt nach eigenen Angaben die Hoffnung der Mitarbeiter darauf, dass es diesmal vorangeht. Er persönlich sei ein optimistischer Mensch und sich sicher, dass man genügend Argumente für einen Verwaltungsneubau finden werde.

Schaath und die Kitas

Ein „dynamisches Feld. Da ist viel in Bewegung“. Für die Kindertageseinrichtungen in städtischer Trägerschaft wird ein einheitliches Trägerkonzept entwickelt. „Das heißt nicht“, betont Schaath, „dass alle gleichgesetzt werden sollen. Jede Einrichtung soll ihren besonderen Schwerpunkt haben, aber eine Vergleichbarkeit untereinander gegeben sein.“ Die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfeplanung beim Kreis sei eng.

Drei Stellen praxisorientierter Ausbildung sind im Plan der Stadt für 2019 vorgesehen, „vergleichbar mit einem dualen Studium“, sagt Schaath. Die Erzieher(innen)ausbildung wird in Schule und Praxismodulen kombiniert. Gestartet wird zum nächsten Ausbildungsjahr am 1. August 2019.

Schaath und die Schulen

Den Austausch zwischen Verwaltung und weiterführenden Schulen beurteilt der Fachbereichsleiter als gut. Die Kommunikation zwischen Gymnasium und Gesamtschule ebenso, auch wenn die Konkurrenzsituation deutlicher geworden ist. Schaath verfolgt lösungsorientierte Gespräche. Manchmal könne man Bedürfnisse von Schulen nicht oder nicht sofort umsetzen. „Wir müssen immer das Gesamtbild in der Stadt betrachten.“

Schaath ist ein Verfechter intensiver Planung. „Wenn ich da von Anfang an viel Arbeit hineinstecke, erspare ich mir in der Folge Nachbesserungen.“ Beispiel sei die Planung des Erweiterungsbaus für die Grundschule Corneliusstraße, die ein Dreivierteljahr und viele Gespräche mit der Schule beansprucht habe. Gefolgt nun von einem komplexen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren. „Das ist ein hoher Arbeitsaufwand.“ Das gelinge nicht immer alles gleichzeitig und sofort. Die multifunktionale Planung der Räume für die GGS Corneliusstraße aber ziele auf Zukunftsfähigkeit ab. Wie schnell die Erweiterung nun gelinge, hänge auch davon ab, wer sich um die Aufträge bewirbt und sie dann zeitlich übernehmen kann.

Schaath und die Sportvereine

Die Stadt ist 2018 mit allen Vereinen in St. Tönis und Vorst in einen Dialog getreten. „Es herrschte Konsens darüber, dass es einer übergeordneten Organisationsstruktur für die Vereine bedarf. Das führt nun möglicherweise zur Neugründung des Stadtsportverbandes.“ Die Clubs hoffen, dass über diesen Dachverband die Interessen der Vereine gebündelt werden können.

Als intakt beurteilt Schaath die Sportvereinsstruktur: „Der Zulauf und das Interesse an Vereinsport ist in dieser Stadt relativ hoch“, sagt er. Und das, obwohl unter anderem durch die OGS weniger Zeit bleibe. Es bestehe großes Interesse, die Kinder und Jugendlichen weiter für Vereinssport zu begeistern „Die stabile Mitgliederzahlen zeugen von guter Arbeit.“ Das Engagement der Ehrenamtler sei hoch. Doch ihre Zahl nehme ab. Gerade im mittleren Alter würden mehr Leute gesucht. Doch viele seien durch Vollzeitstelle, Pflege oder Betreuung in der Familie zeitlich überfordert.

Den Zustand der „unüberdachten“ Sportanlagen bezeichnet Lars Schaath als gut. Auch die Hallenstruktur sei in Ordnung. Schaath: „Es sind genügend Mittel im Haushalt eingeplant, um die Stätten betriebsbereit zu halten.“ Bestimmte Finanzierungsmodelle tragen sich aber erst in Zukunft. Die Dachsanierung der Rudi-Demers-Halle am Wiemespfad sei vorbereitet, aber das sei nichts, was man schnell nebenher stemmen könne. Weil zuletzt Wasser durch die Decke der Halle in Vorst tropfte, mussten Handballsportler Spiele absagen. Reparaturen wurden allerdings schnell durchgeführt.

Bis 2023 sollen marode Dächer in der Stadt Tönisvorst für insgesamt über vier Millionen Euro erneuert werden. Dabei geht es um die Flachdächer des Schulzentrums Corneliusfeld, um die Rosentalhalle in St. Tönis und die drei Vorster Sporthallen (Rudi-Demers-, Hans-Hümsch- und Josef-Schmitter-Halle).

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