Vorst/Oedt: 40 Störche legen Rast auf ihrem Flug nach Süden ein

Vorst/Oedt: 40 Störche legen Rast auf ihrem Flug nach Süden ein : Störche genießen die Vorster Natur

Zwischen dem Baggersee Graverdyk und Haus Neersdonk wurden rund 40 Weißstörche gesichtet. Nach Angaben des Nabu Tönisvorst ist das eine Anzahl, die hierzulande nur selten erreicht wird.

Ein seltenes Naturschauspiel hat sich am Montagmorgen zwischen dem Baggersee in Graverdyk und Haus Neersdonk ereignet. Dort wurden etwa 40 Weißstörche gesichtet. Eine Anzahl, die äußerst selten ist.  Gelandet seien sie wahrscheinlich bereits am Sonntag, vermutet Reimer Martens, Ansprechpartner beim Naturschutzbund (Nabu) Tönisvorst. Er sieht es als eine positive Entwicklung, dass gleich eine so große Gruppe von Störchen gesichtet wurde. Vor ein paar Jahren hatte er im März bereits eine Gruppe von etwa 20 Störchen in Tönisvorst gesehen. „Das ist ein gutes Zeichen. Vielleicht geht es ja jetzt wieder bergauf“, hofft der Tierschützer.

Störche bauen Reserven
für den Flug nach Afrika auf

Wenn die Störche genug Proviant gefunden haben, fliegen sie nach Angaben des Experten weiter in den Süden. „Sie brauchen viele Reserven. Um den Weg zu schaffen müssen sie vermutlich noch einmal kurz vor der Küste halten“, vermutet Martens. Es sei immer schwer zu sagen, wie lange die Störche an einem Ort bleiben, um sich auszuruhen und zu stärken. Schließlich können sie leicht von anderen Tieren oder Menschen aufgeschreckt werden.

Laut Experten schaffen Störche täglich bis zu 500 Kilometer

In Kürze wird die lange Reise der wunderschönen Vögel aber beginnen. Vom Niederrhein aus fliegen die Störche nach Afrika, da sie schon bald, wenn es kühler wird, keine Nahrung mehr finden werden. Mit ihrer energiesparenden Flugweise können sie bis zu 500 Kilometern täglich zurücklegen, so Experten. Dafür nutzen sie die unterschiedliche Thermik. Mit Hilfe der warmen Aufwinde steigen sie nach oben und segeln dann in die gewünschte Richtung weiter. Ein Weg der Störche in Richtung Afrika führt über die Meerenge von Gibraltar. Ein anderer über die Meerenge vom Bosporus. Dabei meiden sie den Flug über das offene Meer, da es dort wenige Aufwinde gibt und der lange Weg sonst zu kräfteraubend wäre.

Zwischenzeitlich sah es sehr schlecht aus für die Störche in Deutschland. Durch die Trockenlegung und Zerstörung vieler Feuchtgebiete, die Stromleitungen und die Nutzung von Pestiziden und Insektiziden zerstören die Menschen den Lebensraum und die Nahrungsquellen der Störche.  Ein Tiefpunkt war nach Angaben des Nabu das Jahr 1988, in dem nur noch 3000 Brutpaare gezählt worden seien. Inzwischen sei diese Zahl wieder verdoppelt worden. Nach Ansicht des Nabu haben diverse Schutzmaßnahmen Wirkung gezeigt. Die Sichtung der großen Storchengruppe zwischen Vorst und Oedt wertet auch Reimer Martens als positives Signal.

Auch an anderen Stellen des Kreises Viersen lassen sich immer wieder Storchenpaare nieder. „An der Clörather Mühle zwischen Vorst und Anrath befindet sich eine ideale Beobachtungsstelle”, sagt Reimer Martens. Dort habe dieses Jahr ein Storchenpaar gebrütet. Drei Jungtiere habe man dort bei ersten Flugversuchen beobachten können. Diese machen sich nach Angaben von Naturschützern schon vor den Eltern auf den Weg nach Süden. Oft kehrten die Störche nach der Überwinterung im Süden an denselben Brutplatz zurück, den sie schon im Vorjahr besetzt hatten.

Über die jüngsten Entwicklungen freut sich Martens besonders, denn der Nabu setze sich gezielt für den Vogelschutz in der Umgebung ein. Beim Naturschutzgebiet um den Baggersee Graverdyk gibt es zurzeit um die zwölf verschiedene Vogelarten, berichtet Martens.

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