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Vorst: Der „Mundwirt“ investiert und zieht um

Gastronomie : „Mundwirt“ investiert in Vorst und zieht um

Ulrich Leusch will bald Frühstück, Mittagstisch und Beerdigungskaffee anbieten. In den neuen Räumen an der Hauptstraße in Vorst, in denen bis vor kurzem das Team der Trattoria Sardinia Pizza, Pasta und Gambas-Töpfchen al Forno servierte.

„Ich freue mich total und lasse mich von Corona – bei allem Respekt –  nicht nervös machen.“ Ulrich Leusch, Chef vom „Mundwirt“ mit Mittagstisch und Catering in Vorst, dreht persönlich die Vorzeichen für seine Branche, die Gastronomie. Er investiert in der Krise und zieht um.

Leusch, gebürtiger  Vorster und Familienvater, ist bekannt als langjähriger Vorsitzender der Kolpingsfamilie Vorst. Seit 1992 ist er Mitglied der Laienspielgruppe „Salz & Pfeffer“. Er übernimmt seit Jahren Bühnen-Rollen. Leusch hat sich im Ort in den vergangenen Jahren als Chef vom „Mundwirt“ einen guten Ruf erarbeitet.

Während Leusch von aktuellen Plänen erzählt, verströmt er gute Laune. Zuversicht. Vorfreude. So optimistische Gesprächspartner sind in  anziehenden Pandemie-Zeiten selten geworden.

Selten erzählt man sich gerade  auch, dass ein Vertreter aus der gebeutelten Gastronomie mitten in der Lockdown-Gefahr investiert.  Ulrich Leusch tut es. „Manchmal muss man etwas Verrücktes machen.“

Der Vorster tut es mit der satten Erfahrung, die er mit seinem Team samt Bruder in der Küche und Ehefrau in der Buchhaltung seit dem 1. August 2015 an der Bachstraße 2a gesammelt  hat.

Sein Mittagstisch habe ihn gut durch die bisherige Coronazeit gebracht, erzählt Leusch. „An Catering  ist aber so gut wie alles weggefallen.“ Kaum Firmenaufträge, Hochzeiten. Bestellungen von Schützen wurden storniert. Auch die Bewirtung der Knappenschule, zu der der SV Vorst  als Gastgeber für  Schalke 04 die Kontakte geknüpft hatte, fand nicht statt.

„Aber der Mittagstisch ist in der Zeit mehr geworden.“ Alleinstehende oder ältere Ehepaare bestellen. Manche ordern für den ganzen Monat. Auch viele Handwerker kommen mit dem „Mahlzeit“-Gruß in den  „Mundwirt“. Zurzeit liefert Leusch auch Mittagessen zur Netto-Baustelle aus. Zu seinem Team gehören vier Angestellte.

  Jutta Schröer-Ulbricht hatte Leusch auf das freiwerdende Ladenlokal an der Hauptstraße 10 aufmerksam gemacht. Dort  bewirtete viele Jahre die Trattoria und Pizzeria Sardinia ihre Gäste mit  Gambas-Töpfchen al Forno, mit Lasagne, Pizza und Pasta. Das Team hat sich in den Ruhestand verabschiedet.  (siehe Infokasten).

Leusch hat sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen, lange überlegt und schließlich zugesagt. Der Ofen an der Hauptstraße bleibt nicht kalt. Leusch hat eine Menge vor: der gut bürgerliche Mittagstisch und das Catering bleiben. Dazu will er Frühstück anbieten, die Salatkarte ausweiten und Beerdigungskaffees anbieten. Die neuen Räume machen es möglich. Nicht nur sie: „Wir machen auch den Innenhof schön, damit man draußen gemütlich essen kann.“

Drinnen werden Sardinia-Stammkunden das Lokal nicht wiedererkennen, ist Leusch überzeugt: „Ich habe allein in den letzten drei Tagen über 20 Stunden den Fußboden herausgerissen.“ Die Imbisszeile wandert in die Küche. Durch den neuen Zuschnitt entsteht ein großer Gastraum. Es gibt einen weiteren Raum für  30 Personen, der demnächst für Veranstaltungen oder für private Anlässe zur Verfügung stehen wird. Oder in strengeren Pandemie-Zeiten als Abstands-wahrende Ausweichmöglichkeit genutzt werden kann.

Leusch kann beim Umbau auf die Unterstützung und Investition der Vermieterin setzen. „Ein neuer Abwasserkanal wurde gezogen.“ Neue Stromleitungen folgen. Die Küche wird ausgetauscht. Die Toiletten und alle Böden werden erneuert.  „Ab Mittwoch geben sich die Gewerke die Klinke in die Hand.“ Im Dezember soll der Umzug passieren. Der Mietvertrag für die Bachstraße endet am 31. Dezember. Bezieher des Mittagstischs sollen davon  nichts mitbekommen. „Dieser Service geht nahtlos weiter.“

Auch Bestellungen für Weihnachtsessen, die an Heiligabend abgeholt werden können, werden ab November aufgenommen. „Die ersten Anrufe hatte ich schon“, sagt Leusch. Rund 60 Bestellungen stemmte sein Team  im Vorjahr,  „für eine und  bis zu 30 Personen“.  Zeit für Sonderschichten.

Vor der Arbeit ist Leusch nicht bange. „Ich habe sechs Geschwister. Meine Mutter hat immer groß gekocht.“ Die neue Küche mit Kühlhaus mache es leichter. Für strengere Corona-Vorschriften  fühlt er sich  gewappnet. „Die Unterstützung durch das Tönisvorster Ordnungsamt war super. Wir haben in Absprache praktikable Lösungen gefunden.“

Leuschs Ankündigung hat für ein begeistertes Echo gesorgt. Viele gute Wünsche erreichen ihn. Der Mundwirt „füttert“ damit seinen Optimismus.