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Freiwilligendienst: Mehr als klassische Klischees

Freiwilligendienst: Mehr als klassische Klischees

Seit vier Monaten ist die Willicher Abiturientin Katharina Lüke in Bolivien. Sie nimmt an einem Programm des Roten Kreuzes teil. In der WZ berichtet sie über ihre Eindrücke.

Anrath. Woran denken die meisten Leute wenn sie an Bolivien denken? Stellen sie sich malerische Anden-Landschaften vor, in denen Lamas grasen? Denken sie an Inca Ruinen und an Coca kauende Bolivianer, die in Lehmhütten leben? Sicherlich fällt ihnen nicht zuerst das bolivianische Flachland, oder das Pantanal, eines der größten Binnenlandfeuchtgebiete der Welt, ein.

Seit vier Monaten lebe ich jetzt in diesem Teil Boliviens, in Puerto Quijarro, an der Grenze zu Brasilien. Dort leiste ich, entsendet durch die Deutsches Rotes Kreuz Volunta gGmbH, meinen einjährigen Freiwilligendienst im Rahmen des „weltwärts“ Programms.

Hier merkt man schnell, dass zu Bolivien viel mehr gehört als die klassischen Klischees. In diesem Land, das ungefähr so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen und das alle Landstriche zwischen 100 und 6000 m über dem Meeresspiegel beherbergt, gibt es vielfältige Lebensweisen und kulturelle Unterschiede. Mein Leben in Puerto Quijarro wird vor allen Dingen durch die Nähe zu Brasilien, die Hitze und das Pantanal geprägt.

Ich leiste meinen Freiwilligendienst in einem Krankenhaus im Nachbarort Puerto Suárez in den ich jeden Morgen mit dem Taxi fahre. Im Krankenhaus arbeiten Bolivianer, Kubaner, Peruaner und auch viele Brasilianer, sodass man neben Spanisch auch einige portugiesische Wörter lernt. Im Krankenhaus helfe ich, wo gerade eine Hand gebraucht wird. Ich schaue viel zu und bekomme Einblicke in das bolivianische Gesundheitssystem. Besonders interessant sind die Besuche in nahegelegenen Dörfern, die eine kleine Gruppe aus Ärzten und Krankenpflegern regelmäßig unternimmt, um die Gesundheit der ländlicheren Bevölkerung sicherzustellen.

Neben der Arbeit im Krankenhaus habe ich begonnen, einer einheimische Englischlehrerin zu helfen, ihre Englischkenntnisse zu verbessern, mit einigen Kindern Basketball zu trainieren und einem Freund Deutsch beizubringen. Es bleibt hier viel Spielraum für eigene Ideen, so dass in den kommenden Monaten wahrscheinlich noch neue Aufgaben hinzukommen werden.

Rückblickend muss ich sagen, dass mein Alltag vor einigen Monaten noch ganz anders aussah. Da habe ich mich auf das Abitur vorbereitet. Hier in Quijarro sehen die Möglichkeiten etwas anders aus. Vieles was es in Deutschland gibt ist hier nicht möglich. Stattdessen kann man zum Beispiel in seiner Freizeit am Pantanal angeln gehen, nach Corumbá in Brasilien rüberfahren oder sich kreative Strategien gegen die Hitze überlegen. Man gewöhnt sich aber schnell an das komplett andere Leben.

Vor einigen Monaten hätte ich jeden, der bei 30 Grad joggen geht, für verrückt erklärt. Mittlerweile nutze ich diese „kühlen Momente“, um mit anderen Freiwilligen ein wenig Sport zu treiben. So gibt es vielerlei Kleinigkeiten des Alltags, die hier anders laufen als in Deutschland. Ich bin mir sicher, dass die Freiwilligen, die in andere Orte Boliviens, etwa auf die Isla del Sol auf dem Titicacasee entsendet wurden, wiederum ein komplett anderes Leben führen.