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Willich: Freie Ausbildungsplätze im Handwerk suchen Bewerber

Willich : Freie Ausbildungsplätze im Handwerk suchen Bewerber

Im Willicher Betrieb von Orhan Esin stellte die Arbeitsagentur die Halbzeit-Bilanz für den Ausbildungsmarkt in der Region vor.

Willich. Diese Erfahrung hat Orhan Esin schon oft gemacht: „Wenn ich im kaufmännischen Bereich jemanden suche, habe ich jede Menge Bewerber. Suche ich aber einen Dachdecker, wird’s ganz schwierig.“ Der Geschäftsführer der Esin GmbH, ein Bedachungs-Unternehmens mit Sitz in Willich-Münchheide mit 19 Angestellten und vier Auszubildenden, kann gar nicht verstehen, warum handwerklichen Berufen in Deutschland die Anerkennung fehlt. „Wir schaffen doch Werte“, sagt der 51-Jährige. Und der Verdienst sei auch nicht schlecht: „Dachdecker bekommen den zweithöchsten Mindestlohn im Handwerk. Und Auszubildende im dritten Lehrjahr verdienen immerhin 1000 Euro.“

Dirk Strangfeld, Chef der Arbeitsagentur in Krefeld, kann die Klage von Orhan Esin gut nachvollziehen. Bei der Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt hebt er hervor, dass es im Hochbau (dazu zählen die Dachdecker) viele freie Ausbildungsstellen, aber nur ganz wenige Bewerber gibt. Ähnlich ist es in der Gastronomie, wo auf einen Bewerber 2,48 freie Ausbildungsplätze kommen.

„Die Bewerber sollten eben nicht nur nach den üblichen Top-Berufen wie Verkäufer oder Kaufleute schauen, sondern auch Alternativen checken“, so Strangfeld. In der Region gebe es immerhin 170 verschiedene Ausbildungsberufe.

Die Zahlen zum Ausbildungsmarkt stellt Strangfeld bewusst im Betrieb von Orhan Esin vor. Denn dieser gebe auch Bewerbern eine Chance, deren Lebenslauf nicht ganz so geradlinig sei. „Es ist anstrengender, sich um sie kümmern. Aber wenn sie einmal in die richtige Bahn gelenkt hat, sind sie treu“, betont Esin.

Dass der Beruf des Dachdeckers sehr viel vielseitiger ist, als viele ahnen, weiß Michael Schütze (35), der mit 16 Jahren bei der Ersin GmbH angefangen hat und heute die rechte Hand des Chefs ist. „Ziegeldächer sind bei uns der kleinste Teil“, sagt er. Hinzu kämen Fassaden-Verschieferungen, Dachbegrünungen, Terrassenbeläge, Flachdächer, Staffelgeschossbau und vieles mehr.

Mit Blick auf die Klage über fehlende Fachkräfte sagt Dirk Strangfeld: „Die besten Fachkräfte sind die, die ein Betrieb selbst ausgebildet hat.“ Er ermutigt deshalb Arbeitgeber, so wie Esin in die betriebliche Ausbildung zu investieren.

Immerhin habe es schon einen „erfreulichen Zuwachs“ bei der Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen geben. Gleichzeitig sei die Zahl der Bewerber zurückgegangen, so Strangfeld. Die Relation zwischen Nachfrage und Angebot stimmt aber trotzdem noch nicht: In Krefeld kommen auf 79 freie Azubi-Stellen 100 Bewerber, im Kreis Viersen liegt die Relation bei 63:100. „Ich hoffe, dass sich da bis Ende September noch einiges tut“, sagt Strangfeld. Unternehmen können freie Ausbildungsplätze direkt bei der Agentur für Arbeit unter der Servicenummer 0800/4 5555 20 melden.